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Text von Jens Hauser - 02/09/08

John Maeda – "In simplicity we trust"

John Maeda, Graphik-Designer, Künstler und Professor am MIT, hat das Themensymposium "Simplicity" konzipiert und stellt im Rahmen der Ars Electronica auch seinen siebenteiligen Zyklus Nature aus: Bewegte und abstrakte Bildsequenzen, die die Tradition der Landschaftsmalerei im digitalen Raum fortsetzen.

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Bilder von John Maedas Motion Paintings - "Nature" (4 Bilder)
John Maeda im Interview

Die Debatte von Zeitfragen aus einer fusionierten Perspektive von Kunst, Wirtschaft, Design, Wissenschaft und digitaler Technologie hat Tradition bei der Ars Electronica. So ist es nicht verwunderlich, dass der Topos der neuen Einfachheit hier aus einer Perspektive der Produktgestaltung heraus diskutiert wurde. John Maeda's Beispiele für die aus der verwirrten, komplexen technologischen Welt zu gewinnende "simplicity" unterliegen dann auch den Kriterien marktwirtschaftlicher Gewinnmaximierung, Zeitersparnis, Konsumgütergestaltung und Arbeitsablauf-Optimierung. Das "weniger ist mehr" ist hier jedoch nicht als Appel zur Bescheidenheit gemeint, sondern als Zeitgeistphänomen eines technologischen Neo-Barock, in dem die Auswahl aus zu vielen Möglichkeiten letzten Endes eher lähmt als beschleunigt.

"Einfachheit kann ohne Komplexität nicht existieren. Wäre alles heute einfach, würde man gar keinen Gedanken daran verschwenden. Weil alles so komplex ist wird das Einfache wieder interessant. Aber wenn nun alles zu einfach werden würde, würden wir uns langweilen. Es ist also nur ein Trend zur simplicity, den wir wahrnehmen können. Einmal dort angekommen, werden wir wieder zurückgehen."

Das mag sein. Wer sich in Maeda's soeben erschienene Buch "The Laws of Simplicity" einliest, der ist zunächst einmal geschockt vom simplen Sprachduktus und von den banal erscheinenden Beispielen aus Design- und Familien-Alltag, die Maeda, ganz seinem Leitsatz von "Einfachheit durch Reduktion" treu, für seine Lebenshilfe-Fibel wählt. Einer Powerpoint-Präsentation eines Manager-Seminars nicht unähnlich, kann es sich Maeda als Design-Guru leisten, Allgemeinplätze zur effizienten Arbeitsgestaltung aus Beispielen abzuleiten, denen in der Tat wohl niemand wiedersprechen mag: man möchte gern alles schnell und einfach, aber auf keine Funktion soll verzichtet werden. Zehn Gesetze und drei Kernsätze stellt Maeda auf, mithilfe derer man nicht nur eine perfekte Benutzeroberfläche gestalten, seinen von Visitenkarten überwucherten Schreibtisch aufräumen, sondern sogar seinen Tagesablauf so gestalten kann, dass man pünktlich Heim kommt, um den Kleinen noch vor dem Einschlafen gute Nacht wünschen zu können. Die Beispiele von der Warteschlange bei McDonalds über die Bedienungsfreundlichkeit des iPod bis hin zu Töchterchen's erstem E-Mail-Account sind ebenso treffsicher wie "amerikanisch". Das ist offensichtlich gewollt, wird aber an vielen Stellen zur puren Anekdote von Eselsbrücken, die nur im englischen funktionieren, und deshalb als argumentativer Beleg nur bedingt tauglich sind. Da wagt Maeda zum Beispiel die These, dass wir kleine Objekte bevorzugen und ihnen weniger Funktionen einfacher verzeihen als grossen. Ein kleines baby-ähnliches Objekt würde "hilf mir, lieb' mich" schreien, und um Mitleid (pity) und Barmherzigkeit buhlen. Und das Wort "pity" sei nun ja auch in "simplicity" enthalten… versuchen wir das nun mal im ungarischen und dänischen…
Aber Maeda's Buch soll ja auch konzeptuell sein, kurz und weniger als 100 kleine Seiten lang. Wer es tatsächlich nutzt, um sich seine eigene Arbeitseinteilung und Alltagsorganisation kritisch durchzuchecken, wird von seiner plakativen Effizienz überrascht. Man erfährt kaum etwas, das man nicht irgendwie wüsste – aber es ist einfach auf den Punkt gebracht. So ist das Buch auch schon auf einem innereuropäischen Flug mühelos zu bewältigen.
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  • Links
The Laws of Simplicity
von John Maeda
by MIT Press
>> Webblog von John Maeda

  • Weitere Artikel
>> Ars Electronica 2006 - einfach komplex
>> Geolokalisierung: zwischen Überwachung und Konversations-Smog
>> John Maeda – "In simplicity we trust"
>> "The Messenger" von Paul DeMarinis
>> The Robotic Chair
>> Yokomono – eine kurzwellig/kurzweilige Sound-Installation von Geert-Jan Hobijn und Carsten Stabenow, alias "Staalplaat"

  • Das Festival
Ars Electronica 2006
Simplicity
vom 31. August bis zum 05. September 2006
in Linz - Österreich
>> Offizielle Website

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Kultur Digital
September 2006
Text von Jens Hauser
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Erstellt: 04-09-06
Letzte Änderung: 02-09-08


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