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18/04/2006 - World-Raritäten - 03/09/08

John Peel

"The Pig’s Big 78s"


Es kam einem Ritterschlag gleich, als John Peel sein Projekt dem Trikont Label vorschlug. Der Radio-DJ wusste, dass für seine außergewöhnliche Kompilation mit obskuren Schellackplatten nur das Münchner Label in Betracht kam.

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Peel verstarb jedoch letztes Jahr überraschend. Seine Frau Sheila hat das Album nun im Andenken an ihn fertiggestellt. In den Linernotes erläutert sie, wie es zu der kuriosen Auswahl kam, von Vorläufern des Rock’n’Roll bis zu traditioneller Blasmusik, von schrägen Geräuschimitatoren bis zu afrikanischer Beatmusik. Dem Trend des schnellen Musikkonsums entgegengesetzt, ist die Musik mit persönlichen Erlebnissen und unauslöschlichen Erinnerungen des Ehepaars verbunden und macht das Album zu einem liebevollen Nachruf an John Peel.

Peel hören, hieß Musik entdecken. Er verstand das Radio noch als ein Tor zur Welt, als eine Möglichkeit interessante Musik zu präsentieren und sie Hörern zugänglich zu machen. Peel war ein RadioDj einer vergangenen Ära, als ein Moderator noch die Freiheit der Musikauswahl hatte und seine Sendung individuell gestalten konnte. Und obwohl Peel Bands wie The White Stripes, The Fall und Pulp groß machte, so mischte er sein Programm auch mit Musik aus verschiedenen Regionen der Welt und unterschiedlichen Epochen. Man wusste nie, was er als nächsten Track durch den Äther jagen würde. Sehr subtil stellte er ästhetische Gemeinsamkeiten und Verwandtschaften zwischen aktuellen und vergangenen Bands her oder zeigte sie auf.

In jeder Sendung spielte Peel zwischen HipHop, Drum’n’Bass und Punkrock eine Schellackplatte, die von seiner Frau als „The Pig’s Big 78“ angekündigt wurde. Platten die in Vergessenheit geraten sind, die er auf Dachböden fand oder die ihm Hörer schenkten. Die Musik und die Geräusche darauf erscheinen heutzutage fremdartig, weniger wegen ihres Alters, sondern aufgrund ihrer Art. Entweder sind es ethnografische Aufnahmen die der Dokumentation dienen oder sie stammen von Vollblutmusikern, wie der Blueslegende Lightnin’ Hopkins, der Honky-Tonk-Pianistin Winifred Atwell oder dem jodelnden Tierstimmenimitator Ronnie Ronalde. Sie stammen aus einer Zeit, als noch keine marktpolitischen Ziele die Veröffentlichungen der Labels dirigierten. Musik für Neugierige, Liebhaber und Fans, die in den Liedern mehr sehen, als nur MP3-Files. Musik für interessierte Radiohörer, die jahrzehntelang John Peels Sendung verfolgten und nun um so mehr die große Lücke spüren, die er hinterlässt.


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Er ist Jude und macht Countrymusic. Kinky Friedman lebt in Texas und kleidet sich wie ein waschechter Cowboy. Was für viele im Country unvereinbar erscheint, findet sich bei Friedman. Er liebt es, den Hörer mit bissigen Texten aus einer klischeebehafteten Weltanschauung wachzurütteln. Mit seinem subversiven Humor bewegt sich Friedman jenseits des Nashville-Kommerzes und weiß seine Musik zwischen den Stühlen zu inszenieren, zwischen Mainstream und Gegenkultur. Schon einmal hat ein Musiker den Country revolutioniert, das war Hank Williams. Kinky Friedman ist ihm ein würdiger Nachfolger, aber auf seine ganz spezielle Art.



Matthias Schneider


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John Peel and Sheila
"The Pig’s Big 78s“
Trikont / Indigo / Nocturne
www.trikont.com
www.trikont.de

Kinky Friedman
"They ain’t makin’ Jews like Jesus anymore"
Bear Family Records / PMS Bobigny


Erstellt: 13-04-06
Letzte Änderung: 03-09-08


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