Kritik: Fast schon drohte er in Vergessenheit zu geraten, der "gute Deutsche von Nanking", den die New York Times gerne auch als den "Oskar Schindler Chinas" bezeichnete. Doch das Erscheinen seiner Tagebücher 1996, die posthume Würdigung durch Bundespräsident Johannes Rau und nun die Verfilmung seiner Taten werden dafür sorgen, dass der unfreiwillige Held unvergessen bleiben wird.
Noch vor wenigen Jahren wäre es wohl undenkbar gewesen, dass sich ein deutscher Regisseur der Taten eines NSDAP-Mitgliedes und eines offen bekennenden Hitler-Befürworters annimmt, auch wenn diese gut waren. Es wäre dennoch undenkbar gewesen. Diese Themen blieben Amerikanern vorbehalten wie Steven Spielberg mit seinem Schwarz/weiß-Drama "Schindlers Liste" (1993) oder vor kurzem erst Bryan Singer mit seiner "Operation Walküre" (2008). Doch diese Zeiten sind vorbei, mit neuem Selbstbewusstsein nehmen sich Deutsche nun aller deutscher Themen an.

Deutschland/Frankreich/China 2009, 130 Min.
Buch und Regie: Florian Gallenberger
mit Ulrich Tukur, Daniel Brühl, Steve Buscemi, Dagmar Manzel, Anne Consigny

Dass sie doch überlebt hat und später zu ihm zurückkehren wird, ist wichtiger Bestandteil des Melodramas dieses Films. Denn "John Rabe" versucht alles gleichzeitig zu sein - mehr als nur ein Kriegsdrama - und eifert darin seinen amerikanischen Vorbildern nach. Das macht er auch gar nicht schlecht. Die Spezialeffekte und die Kameraarbeit von Jürgen Jürges überzeugen, die Massenszenen mit Tausenden chinesischer Zivilisten sind beeindruckend gestaltet. Das hat natürlich den Preis, dass Gallenberger bisweilen Zugeständnisse macht, die nicht jeder Arthouse-Film-Fan gut finden wird: Der Score wirkt etwas überladen, die Liebesgeschichte zwischen dem jüdischen Diplomaten Dr. Rosen (Daniel Brühl) und der fotografierenden Schülerin Langshu (Zhang Jingchu) ist eigentlich überflüssig, und einige der Charaktere sind allzu holzschnittartig. Dr. Robert Wilson etwa ist der Leiter des Krankenhauses in Nanking, ein erbitterter Hitler-Gegner, der deshalb Hitlerfreund Rabe hasst. Würde Steve Buscemi ihn nicht so großartig und voller Raffinesse spielen, er wäre in seiner Verbissenheit kaum ernst zu nehmen.
Insgesamt kann sich "John Rabe" durchaus sehen lassen, und er wurde noch vor seinem Kinostart für sieben deutsche Filmpreise nominiert. Das könnte für den Studentenfilmoscarpreisträger Florian Gallenberger doch noch den großen und eventuell auch internationalen Durchbruch bedeuten, nachdem sein erster langer Film, das in Indien gedrehte Liebesdrama "Schatten der Zeit", nicht den gewünschten Erfolg brachte.
Eine der beeindruckendsten und gleichzeitig verstörendsten Szenen des Films ist der Moment, als Hunderte von Chinesen unter einer riesigen, auf dem Fabrikgelände aufgespannten Hakenkreuzfahne Zuflucht suchen, die die Japaner aus Respekt vor den Nazis nicht bombardieren.
Nana A.T. Rebhan






per E-Mail verschicken
( Arte Bewertung: 4 )












Facebook
Twitter
RSS

