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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 01. März 2007 - 01/03/07

Junebug

Ein Film von Phil Morrison


Mondäne Kunsthändlerin trifft auf tiefste amerikanische Provinz

USA 2005, 107 Min.
Regie: Phil Morrison
Mit Embeth Davidtz, Alessandro Nivola, Amy Adams, Benjamin McKenzie
 
  • Synopsis

Die frisch verheiratete Kunsthändlerin Madeleine fährt mit ihrem Gatten George nach North Carolina, um dort einen exzentrischen Künstler aufzusuchen, dessen Werke sie in ihre Galerie aufnehmen will. Unweit von dort wohnt Georges Familie auf dem Land. Das Zusammentreffen mit der mondänen Madeleine verunsichert die Mutter, den mürrischen Vater, und Georges jüngeren Bruder Johnny. Einzig dessen hochschwangere Frau Ashley schließt Madeleine sofort in ihr Herz.
 

  • Kritik

Drehbuchautor Angus MacLachlan weiß wovon er schreibt, schließlich ist er selbst in North Carolina aufgewachsen. In unaufgeregten schönen Szenen lässt er zwei Welten aufeinander prallen: Da gibt es die weltgewandte stilsichere Madeleine mit ihrem britischen Akzent und ihren Mann George, dem die Rolle des „verlorenen Sohnes“ zukommt. Beide platzen sie  mitten in den Alltag der Johnstens und bringen das mühsam hergestellte Gleichgewicht ins Wanken. Die plappernde, hochschwangere Ashley stürzt sich auf Madeleine. Für sie ist es so aufregend, als sei einer ihrer Soap-Lieblings-Stars in ihr Wohnzimmer gebeamt worden. So interessant war ihr Leben noch nie. Ashley startet mit der für sie entscheidenden Frage: „What makes you tick?“
 
Diese Frage ist eine der Schlüsselfragen des ganzen Films. Regisseur Phil Morrison hat sich diese Frage für jeden einzelnen seiner Charaktere genau überlegt. Er legt eine große Sensibilität in seine Arbeit, lässt den Schauspielern viel Freiraum und nicht nur ihnen, sondern auch den Dingen. Da bläst Vater Johnston etwa mit einem Blasebalg eine riesige Luftmatratze für die Gäste auf. Das dauert so lange wie es dauert, Echtzeit also. Wir dürfen uns dabei die Matratze auch mal als Großaufnahme ansehen. Auch menschenleere Räume kommen des Öfteren in einer totalen Einstellung zur Geltung. Dabei sind diese nicht etwa leer, sondern sie erzählen – gerade in deren Abwesenheit – viel über deren Benutzer. Nie wirken diese Szenen prätentiös, sie sind organisch in den Film so eingebaut, dass sie selbstverständlicher Bestandteil des Ganzen sind. Am Anfang sind einige Menschen zu sehen, die eine Art Kuhrufe von sich geben. Verschiedene Menschen, verschiedene Rufe, eine Art Epilog.
 
Das mag zunächst ein wenig verwundern, aber für Morrison ist der Zusammenhang einfach zu erklären: „Früher war das eine sehr praktische Kommunikationsform in den Hügeln von North Carolina. Ich finde, es ist aus zweierlei Gründen ein gelungener Anfang. Zuerst, weil JUNEBUG ein Film über Menschen ist, die über tiefe Gräben hinweg kommunizieren. Zum zweiten interessiere ich mich für die moralischen Herausforderungen, die in der Beziehung zwischen Machern oder Erzeugern und Kunstkennern aufbrechen.“
 
JUNEBUG ist das Spielfilmdebüt von Phil Morrison. Der Film lief mit großem Erfolg auf einigen Festivals, u.a. in Sundance und Cannes. Morrison zählt Jacques Demy, Jean Renoir, Mike Leigh, Yasujirô Ozu und John Sturges zu seinen großen Vorbildern. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er mit ihnen in einem Atemzug genannt werden wird.
 
Nana A.T. Rebhan 

Erstellt: 27-02-07
Letzte Änderung: 01-03-07