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15.02.07 - 23.30 / 20.02.07 - 01.30 - 15/02/07

Junge Japaner in New York

Junge Japaner in New York - sie geniessen ihre Freiheit solange es ihr Visum erlaubt.

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Tokio und New York. Zwei Metropolen - zwei Welten die unterschiedlicher kaum sein können. Das Leben der meisten jungen Japaner ist durchorganisiert. Sie wohnen lange zu Hause. Es ist schwer für die Jungen, sich von den strikten Traditionen und Moralvorstellungen der Eltern zu lösen. Selbstverwirklichung und Individualität sind in Japan fast verpöhnt. Vielleicht übt deswegen New York eine so magische Anziehungskraft aus.
Die Jungen suchen den Kulturschock, inzwischen kommen Tausende jedes Jahr, um die Vielfalt aufzusaugen. Wer Geld gespart hat, studiert, andere hangeln sich mit Gelegenheitsjobs und Touristenvisa durch. Hauptsache New York! Zwei von ihnen sind Emi und Naoki. Sie verdienen ihr Geld mit Musik in der New Yorker U-Bahn. Eigentlich kein Traumjob, aber für die beiden jungen Japaner der Inbegriff von Freiheit. Zu Hause habe die beiden als Verkäufer gejobbt, um das Geld für die Reise zusammen zu bekommen.

Emi: „In der U-Bahn klingt es einfach super. Und die Menschen, sie verstehen zwar nicht, was ich singe, denn es ist ja Japanisch, aber sie lächeln mich trotzdem an und geben uns Geld. Deswegen glaube ich, dass unsere Musik ihnen irgendetwas gibt.“

Naoki und Emi leben im Moment von Erspartem und von dem, was ihre Musik abwirft. Wenigstens die Miete können sie sparen, sie dürfen hier umsonst auf dem Sofa schlafen und passen dafür auf die Haustiere auf. Eigentlich wollten die beiden nur für drei Monate bleiben - so lange, wie ein Touristenvisum läuft. Doch die Stadt hat sie so in ihren Bann gezogen, dass sie unbedingt verlängern wollen. Im East Village rund um St. Marks Place ist inzwischen das sogenannte „Little Tokio“ entstanden. Gut 59.000 Japaner leben in New York, das ist die größte japanische Community außerhalb Japans. Letztes Jahr kamen knapp eine halbe Million Japaner als Touristen, darunter viele junge Freiheitssucher, die geblieben sind. Die Community versorgt sich gegenseitig mit Jobs. Kellnern in litte Tokyo zum Beispiel. Andere schaffen es, sich selbständig zu machen. Das oft ausgeprägte japanische Gespür für Trends macht den Import von hippen japanischen Labels zum profitablen Geschäft. Die Trendboutique „Search & Destroy“, gehört einem Japaner. Shiori kommt hier regelmäßig vorbei. Sie liebt exzentrische Klamotten und wurde dafür in ihrer südjapanischen Heimatstadt ausgegrenzt. Jetzt studiert die 21-Jährige Mode-Marketing und muss nicht mehr darüber nachdenken, was andere von ihr halten.

Diese Form von Unabhängigkeit hat auch die Journalistin Aiko erst in New York gefunden. Zu Hause war sie eine Außenseiterin. Sie war schon immer zu groß, redete zu laut - war nie zierlich und zurückhaltend wie viele japanische Frauen. Sie ist in beiden Kulturen aufgewachsen, war abwechselnd bei ihrer Mutter in Tokio und ihrem Vater in New York. Seit 12 Jahren lebt sie ganz hier. Japan ist für sie zu eng und ihre japanische Seite kann sie auch in New York ausleben, wie hier bei ihrer Yoga-Stunde auf Japanisch. Aikos Meinung nach sollen japanische Frauen vor allem unterwürfig und niedlich wirken, aber sie findet, dass man nicht niedlich sein muss um schön zu sein. Die Tatsache, dass so viele Japaner nach New York kommen symbolisiert für sie die Unabhängigkeit dieser Menschen. Am Abend treffen wir Aiko und Shiori am St. Marks Place wieder. Im Kenka gibt es traditionelles japanisches Essen. Hier ist die japanische Community fast unter sich. Shiori will für immer in New York bleiben. Fünf Jahre gilt ihr Studentenvisum, dann muss sie eine Arbeitserlaubnis ergattern. In Japan hätte sie mit ihrem amerikanischen Abschluss keine guten Chancen. Dort gilt ein Auslandsaufenthalt eher als Minuspunkt bei der Jobsuche. New York verändert Shiori und die anderen Japaner. Hier gewinnen sie ein Selbstvertrauen, das sie daheim nie aufbauen könnten.

Aiko: „Wahrscheinlich erleben viele Menschen, die nach New York kommen einen Kulturschock. Nicht nur Japaner. Für eine Sekunde, eine Minute verlieren sie ihre eigene Identität und dann bauen sie so etwas wie ihr eigenes Ich wieder auf - dabei werden sie natürlich von ihrer Umgebung und den Menschen um sie herum beeinflusst. An diesem Punkt fangen sie an ihre ganz eigene Kultur zu entwerfen und die ist den Menschen bei ihnen zu Hause natürlich fremd.“
Naoki und Emi sind zwar noch weit von ihrem Durchbruch als Musiker entfernt, aber sie glauben an ihren Traum. Deswegen wollen sie bleiben. In drei Monaten läuft ihr Visum ab. Dann machen sie wahrscheinlich wieder einen Kurzurlaub im Ausland, um noch länger New York erleben zu können.
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Search & Destroy
25 Saint Marks Pl (Cross Street: Between 2nd Avenue and 3rd Avenue)
New York, NY 10003-7836View Map
(212) 358-1120
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TRACKS
Donnerstag, den 20. Februar 2007 um 23.30 Uhr
Wiederholung am Dienstag, den 20. Februar um 01.30 Uhr
Redaktion: Kobalt
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Erstellt: 15-02-07
Letzte Änderung: 15-02-07


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