111 Min.(Kadosh)
Spielfilm, Frankreich / Israel 1999, ARTE F, Synchronfassung
Regie: Amos Gitai; Buch: Eliette Abecassis, Amos Gitaï; Kamera: Renato Berta; Schnitt: Monica Coleman, Kobi Netanel; Musik: Philippe Eidel, Louis Sclavis; Produzent: Amos Gitaï, Michel Propper;
Produktion: Agav Hafakot, MP Productions
Mit: Yaël Abecassis - (Rivka), Yoram Hattab - (Meïr), Meital Barda - (Malka), Uri Ran Klauzner - (Yossef), Yussuf Abu Warda - (Rav Shimon), Sami Hori - (Yaakov), Leah Koenig - (Elisheva), Rivka
Michaeli
Liebe zwischen Modernität und Tradition: Meïr und Rivka sind seit zehn Jahren glücklich verheiratet, was in der jüdisch-orthodoxen Gemeinde Mea Shearim eine Rarität ist: Hochzeiten werden zumeist von den Eltern arrangiert und haben nur selten mit Liebe zu tun. Einziges Manko des glücklichen Paares ist ihre Kinderlosigkeit, die den Argwohn des Rabbis auf sich zieht. Als Oberhaupt des Viertels ist sein Wort Gesetz. So muss Meïr seine geliebte Rivka verlassen, um seine Nachkommenschaft mit einer anderen Frau zu sichern. Und auch Malka, Rivkas Schwester, bleibt auf Geheiß des Rabbis ihr Liebesglück verwehrt: Seit Jahren liebt sie den jungen Yaakov, der aus der orthodoxen Gemeinde ausgestoßen wurde, weil er sich nicht den Traditionen beugen wollte. Statt seiner soll Malka den Thora-Schüler Yossef heiraten. Auf verschiedene Weise gehen die beiden Schwestern mit ihrer hoffnungslosen Situation um: Während die eine rebelliert, lebt die andere ihre Liebe bis in den Tod...
Zusatzinfo
In "Kadosh" - zu Deutsch "heilig" - einem feinfühlig und respektvoll erzählten Drama um eine am Fundamentalismus erstickten Liebe wird deutlich, dass hinter einer fanatischen Fassade Menschen mit Zweifeln und Wünschen existieren, die nicht als Heilige zur Welt kommen."Ein Mann, der ohne Nachkommen stirbt, reißt ein Blatt aus der Thora", ruft der Rabbi dem jungen Meïr eindringlich ins Gedächtnis. Gemäß der Ansicht des jüdischen Meisters besteht die wahre Erfüllung einer Frau darin, Kinder zu bekommen, indirekt durch ihren Mann zu leben und dank seiner Eingang ins Paradies zu finden. Obwohl eine Gynäkologin außerhalb des orthodoxen Viertels bestätigt, dass Rivka Kinder gebären kann, rettet das nicht die Ehe der beiden Liebenden: Ein jüdischer Mann ist per se nicht zeugungsunfähig, die Verantwortung liegt dementsprechend bei der tiefgläubigen und demütigen Rivka, die ihre Kinderlosigkeit als Schuldspruch erlebt. Ihre Schwester Malka will sich mit der patriarchalischen Unterdrückung der dargestellten orthodoxen jüdischen Welt hingegen nicht abfinden und reagiert, indem sie sich dem Diktat der religiösen Fundamentalisten entzieht.
Der studierte Architekt Amos Gitaï dreht im Krieg von Kippour seinen ersten Film, als er die israelische Luftwaffe mit einer Super-8-Kamera begleitet. Nach einem Studium in Berkeley kehrt er 1993 nach Israel zurück und konzentriert sich auf Filme, die die Kluft zwischen Fortschritt und Tradition thematisieren. "Kadosh" ist letzter Teil einer Trilogie, die drei große israelische Städte ins Auge fasst. In "Devarim" (1995) wird die Stadt Tel Aviv porträtiert, seiner Geburtsstadt Haïfa widmet Gitaï den Film "Tag für Tag" (1998), Jerusalem ist die räumliche Hauptfigur des dritten Films "Kadosh". Der wird 2000 für die Goldene Palme in Cannes nominiert und erhält unter anderem den British Independent Film Award für den besten ausländischen Film. In Gitaïs späterem Werk "Alila" (2003), der für den Goldenen Löwen nominiert wird, finden sich viele der Darsteller aus "Kadosh" wieder, so zum Beispiel Yaël Abecassis und Uri Klauzner. "Kadosh" ist Teil eines fünfteiligen Schwerpunkts, der den großen Weltreligionen gewidmet ist.
Die Programmierung in der Übersicht:
(1): "Kadosh", Spielfilm, am Donnerstag, den 11. Oktober um 20.40 Uhr
(2): "Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling", Spielfilm, am Montag, den 15. Oktober um 20.40 Uhr
(3): "Der innere Weg", Kurzspielfilm, am Dienstag, den 16. Oktober um 00.50 Uhr, Original mit deutschen Untertiteln, Erstausstrahlung
(4): "KurzSchluss - Spezial Religion", am Mittwoch, den 17. Oktober um 1.00 Uhr
(5): "Jesus von Montreal", Spielfilm, am Donnerstag, den 18. Oktober um 20.40 Uhr
(6): "Die Große Reise", Spielfilm, am Montag, den 22. Oktober um 20.40 Uhr
(7): "Simon in der Wüste", Kurzspielfilm von Luis Buñuel, am Dienstag, den 23. Oktober um 1.45 Uhr
(8): Einer der Spielfilm-Beiträge war zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht bestätigt (Programm nach Ansage).
Titel- und Programmänderungen vorbehalten






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