Kafkas Werk ist überschaubar – ein paar Erzählungen, Prosaminiaturen und drei Romanfragmente – und doch so faszinierend, dass sich bis heute immer wieder Verleger, Essayisten, Intellektuelle von neuem seiner annehmen.
Kafka ist ein moderner Autor, der in Deutschland erst nach 1950 bekannt wurde, lange nachdem die französische Rezeption ihn entdeckte: erst als Surrealisten, dann als Existenzialisten. Breton, Camus, Sartre machten ihn weltberühmt. Die Anglo-amerikanische Rezeption kam nach der französischen und interpretierte Kafka hauptsächlich politisch und psychoanalytisch.
„Metropolis“ trifft einen französischen, einen amerikanischen und einen deutschen Kafka-Experten und -liebhaber, die alle drei einen
persönlichen Zugang wagen. Kafka im 21. Jahrhundert, so aktuell und modern wie zu seiner Zeit. Das außergewöhnliche an Kafka‘s Werk ist die Spannung zwischen einer klaren, realistischen Sprache und den phantastischen Inhalten. Singende Mäuse, redende Affen, Menschen, die sich in Käfer verwandeln. Der Begriff „kafkaesk“ ist zum Synonym geworden für absurde Situationen oder nicht zu durchschauende Strukturen. „Kafkaesk“ gehört zur modernen Alltagssprache.
„Kafka hat unvergessliche Bilder der Macht entworfen“ (Elias Canetti) die auch den heutigen Leser betreffen, weil sie wie Schablonen über aktuelle Machtstrukturen im In- und Ausland, in Demokratien und Diktaturen, gelegt werden können. Das Kafkasche Personal bewegt sich wie der moderne Mensch oft in einem undurchschaubaren Netz der Machtverhältnisse.
„Metropolis“ trifft Georges-Arthur Goldschmidt, der Kafka ins französische übersetzt hat und somit an seinem Weltruhm großen Anteil hat und, der jetzt in einem neuen Buch beschreibt, wie er sich in dessen Figur des K wiedererkennt und was ihm Kafka für sein Erwachsenenleben bedeutete. Louis Begley, der amerikanische Essayist hat sich immer wieder mit Kafka beschäftigt.
Jetzt hat er „Die ungeheure Welt, die ich im Kopf habe“ geschrieben, er sucht nach den biographischen und erzählerischen Zusammenhängen bei Kafka. Klaus Wagenbach, der deutsche Verleger, versucht das seit 50 Jahren. Er kommt anhand von Photographien, die meisten aus seiner eigenen Sammlung, dem Genie näher, holt es vom Sockel der Heiligkeit, auf das Max Brod Kafka gestellt hatte und findet ebenfalls einen sehr modernen Menschen vor.

Buch-Tipps„Die ungeheuere Welt, die ich im Kopfe habe: Über Franz Kafka“von Louis Begley
Deutsche Verlags-Anstalt DVA, Juni 2008.
"Franz Kafka. Bilder aus seinem Leben“von Klaus Wagenbach
Verlag: Wagenbach, April 2008.
„Kafkas Welt: Eine Lebenschronik in Bildern“von Hartmut Binder
Verlag: Rowohlt, Mai 2008.
„Die Faust im Mund“von Georges-Arthur Goldschmidt
Verlag: Ammann, März 2008
„Kafka – Die Jahre der Erkenntnis“von Reiner Stach
Verlag: S. Fischer, Juni 2008
Buch-Tipps international
„Le Poing dans la bouche“von George-Arthur Goldschmidt
Verlag: Editions Verdier, 2004
„The Tremendous World I Have Inside My Head - Franz Kafka: a Biographical Essay“von Louis Begley
Verlag: ATLAS & CO, Juni 2008

Tipp Audio-CD:
Die Franz Kafka Box: Die Verwandlung, Das Urteil, In der Strafkolonie, Ein Landarzt, Auf der Galerie u.a.
Verlag: Argon Verlag
Internet
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