Steht die Sonne am Himmel, haben sie die "Küche" erreicht. Die "Küche" ist der Ort am Rand des blaugrünen, heißen Sees am Boden des Kraters, wo der Schwefel gewonnen wird. Die "Küche" spuckt, pfeift, dampft und beißt. Dort rinnt flüssiger Schwefel aus langen Tonrohren an die Luft und erstarrt innerhalb weniger Minuten. Aus orangefarbenen Pfützen werden hellgelbe, an den Rändern gezackte Platten.Die Männer nehmen lange Eisenstangen, stopfen sich ein Tuch oder den Ärmel ihrer Jacke in den Mund und laufen hangaufwärts, direkt in die beißenden Dämpfe, wo sie die Schwefelplatten vom Boden abstemmen. Jeder Einzelne kann das nur wenige Minuten ertragen, bevor er Luft holen, husten und ausspucken muss. Dann kann er wieder weitermachen. Die gelockerten Stücke füllen sie ihre Körbe und tarieren, bis Gewicht und Balance stimmen. Sie laden sich je nach Alter, Erfahrung und Kraft zwischen 70 und 120 Kilogramm auf, bevor sie den Rückweg, den Krater hinauf und den Berg hinunter, in Angriff nehmen.
Ihre Haare, Augenbrauen und Wimpern sind noch gelb vom Schwefel, wenn sie zum ersten Mal Pause machen. Sie drehen fingerdicke Zigaretten oder essen in Bananenblätter gewickelten Reis. Manche sitzen dabei gerne zusammen und besprechen Politik, Familie, Freundinnen, die neueste Musikgruppe oder Beschneidungsrituale. Andere tragen, essen und rauchen lieber alleine.
Pak Agus, Hartono, Pak Jo, Herudin und Madrusin gehören wohl zu den stärksten Männern der Welt. Sie tragen ihre Last fünf Kilometer ins Tal, und das oft zweimal am Tag. Dabei müssen sie an in- und ausländischen Touristen vorbei, die die Naturschönheiten und die Arbeiter selbst bestaunen.
Einen Arbeiter am Kawa Ijen zu fotografieren kostet inzwischen Geld. Die Männer haben begriffen, dass sie eine Attraktion darstellen. Für Zigaretten, Kekse oder ein paar Rupien posieren sie gerne für die Kamera und gehören wohl zu den meistfotografierten Arbeitern der Welt. Pak Agus mit seinen bald fünfzig Jahren ist in Fotoalben von Franzosen, Deutschen, Koreanern und Amerikanern zu finden. Manche stellen auch für die Touristen kleine Statuen aus Schwefel her. Diese Souvenirs werden gerne gekauft.
Das Erreichen der Wiegestation ist für alle der schönste Moment des Tages. Hier hat die Schlepperei ein Ende. Jeder Korb wird gewogen, und der Lohn, der pro Kilo berechnet wird, wird sofort ausbezahlt. Die Männer warten noch auf den Lastwagen, der zweimal am Tag kommt, leeren ihre Körbe und werfen sie auf die Bäume, die um ihr kleines Wohnhaus in den Himmel ragen. Dann wird gegessen, geraucht, Karten gespielt und geschlafen.
Nachts kriecht jeder der Männer in einen kleinen Verschlag, der kaum größer ist als er selbst. Die kleinen Räume sind mit Öllämpchen beleuchtet und mit Bildern von Staatspräsidentin Megawati, von Rockmusikern oder Heiligen dekoriert. Oben im Vulkan brennen die Feuer der "Küche" leuchtend blau vor sich hin.






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