
Die Paschtunen sind groß, stolz und stark. Die Männer sprechen sanft, werden selten laut. Sie sagen von sich selbst, sie können die schwersten Arbeiten verrichten, und das ohne Angst, denn Allah habe sie dazu auserkoren. Deshalb sind es auch hauptsächlich sie, die die lange Reise von den Bergen des Nordens in das südliche Baluchistan aufnehmen, um dort große Schiffe zu zerlegen. Stück für Stück schweißen sie die riesigen Rümpfe entzwei, bis nur mehr kleine Stahlplatten übrig bleiben.
Dawa Khan, einer der Bauern aus Shamorgar, hockt Seite an Seite mit seinen Kollegen im Bauch der "Sea Giant", bis vor wenigen Monaten noch eines der größten Tankschiffe der Welt, und schweißt akribisch eine nicht enden wollende Naht auf. Die Funken stieben durch den riesigen halligen Raum. Ein Krachen und Schwanken lässt alles erzittern. Dawa Khan ruft Kommandos nach oben. An der Außenseite des Schiffsrumpfes das gleiche Bild. Überall öffnen sich Nähte im Stahl, werden Seile verlegt, Ketten befestigt und Kommandos geschrieen. Dann kehrt plötzlich Ruhe ein.
Die letzte Naht springt auf. Der Vorarbeiter spricht leise Anweisungen in sein Funkgerät. Dieselmotoren heulen in der Ferne auf. Ein Stahlseil zischt durch den Sand. Die Männer treten von der Stahlwand zurück und warten. Langsam bricht die 80 Meter hohe Wand weg und fällt mehr als 100 Meter nach unten ins Meer. Der Blick auf einen Strand voller riesiger, rostiger Metallteile ist frei.
Von den Arbeitern in Gaddani geht eine seltsame Ruhe aus. Nie wirkt ihre Arbeit hektisch oder unbeherrscht. Schritt für Schritt, Handgriff für Handgriff, Schlag für Schlag zerlegen sie in wenigen Monaten das riesige Gebilde aus Stahl. In den Pausen und nach der Arbeit kochen sie für sich selbst und beten. Sonst gibt es nichts zu tun in Gaddani. Die Arbeiter trinken nicht und schlafen wenig, denn die meisten Schweißer erwartet nach dem Abendgebet eine Nachtschicht. Je schneller ein Schiff zerlegt ist, desto besser für den Gewinn der Reeder.
Gaddani befindet sich nach dem Irakrieg und wegen der Dominanz von ähnlichen Orten wie Alang in Indien und Chittagong in Bangladesh auf dem absteigenden Ast. Nur wenige Schiffe kommen noch hierh,er um verschrottet zu werden. In den siebziger und achtziger Jahren konnten man sie noch am Horizont warten sehen. Heute schließt eine Werft nach der anderen. Ist ein Schiff erst einmal zerlegt, liegt der Strand meist wieder ruhig und
friedlich da.
Nichts erinnert an das Tankschiff, außer die Ölreste, die noch an den Strand schwappen.






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