Cannes 2005 - La quinzaine des réalisateurs - 23/05/05
Keane
Ein FIlm von Lodge Kerrigan
„Keane“, der beeindruckenden Schilderung der Leiden eines Außenseiters, knüpft Lodge Kerrigan an seine früheren Filme an.
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(USA, 2004, 93 Min.)
Mit Damian Lewis, Amy Ryan, Abigail Breslin, Tina Holmes und Lisza Colon-Zayas.
Synopsis: William Keane sucht in New York verzweifelt nach seiner sechsjährigen Tochter, die jedoch verschwunden bleibt. Einige Zeit später freundet er sich mit einer allein stehenden Frau und ihrer kleinen Tochter an.
Kritik: Lodge Kerrigan hat sich rar gemacht. In den vergangenen zehn Jahren hat er nur drei Filme gedreht: „Clean Shaven“(1994), „Claire Dolan“ (1998) und sein jüngstes Werk „Keane“, das bereits im letzten Jahr entstand. Mit jedem seiner Filme hat der amerikanische Regisseur bisher sein Können unter Beweis gestellt, vor allem aber seine Begabung, Schauspieler anzuleiten: Kerrigan gehört einfach zu den ganz Großen. Er widmet seine Filme den gesellschaftlichen Außenseitern, den Menschen in schier ausweglosen Situationen.
„Keane“ konzentriert sich ganz auf den verzweifelten Vater, der seine verschwundene Tochter sucht, und daran zerbricht. Wie lange die Suche bereits währt, erfährt der Zuschauer nicht. Wie besessen versucht der Vater, dem vermissten Mädchen auf die Spur zu kommen. Er spricht immer wieder Passanten an und fleht verzweifelt um Hilfe. Gleichzeitig wirkt er psychisch so labil, dass der Zuschauer sich fragt, ob das Kind seit einem Tag, einer Woche oder gar schon seit einem Jahr verschwunden ist. Anhaltspunkte dazu liefert der Film nicht. Im Gegenzug dokumentiert Kerrigan unablässig die Angst, den Zorn und die Verzweiflung Keanes, und zeigt das Gesicht des Schauspielers Damian Lewis immer wieder in Nahaufnahme. Kerrigan lässt nicht ab von seiner Hauptfigur, auf fast schon bedrängende, bedrückende Weise zeichnet die Kamera sämtliche Gefühlsregungen auf. Die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers ist höchst beeindruckend, seine Worte, Gesten und sein Minenspiel sind von einer Authentizität, die man selten auf der Leinwand erlebt. Als William Keane die allein erziehende Mutter Lynn und ihre kleine Tochter kennen lernt, bekommt man noch tieferen Einblicke in seine äußerst labile Persönlichkeit, wobei er manchmal normal und manchmal auch schon dem Wahn verfallen zu sein scheint. Keane fühlt sich zu Lynn und noch viel mehr zu dem Mädchen hingezogen, die seiner eigenen Tochter so sehr ähnelt.
Der Regisseur arbeitet mit vielen harten Schnitten, was die Spannung auf den Höhepunkt treibt. Die Auflösung am Ende zeigt, dass Kerrigan sein Fach meisterhaft beherrscht. Das perfekte Finale spiegelt vor allem eines wider: Eine tiefe Menschlichkeit. „Keane“ ist eine der besten und intensivsten Filme der diesjährigen Festspiele in Cannes.
Olivier Bombarda
Erstellt: 15-05-05
Letzte Änderung: 23-05-05