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Cannes 2009

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Cannes 2009 - Offizieller Wettbewerb - 24/05/09

Kinatay

Ein Film von Brillante Mendoza


( Arte Bewertung: 4 ) Der wahrscheinlich brutalste Film des Festivals.

  • Interview arte.tv: Brillante Mendoza
  • Trailer "Kinatay"

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Synopsis: Der 20-jährige Polizeiakademie-Student Peping heiratet seine Freundin, sie haben bereits ein Baby. Um etwas Geld nebenbei zu verdienen, lässt er sich auf einen gut bezahlten Job ein, der sich als direkter Weg in die Hölle herausstellt. Er wird Zeuge und Mittäter eines Verbrechens, das er nie wieder vergessen kann.

Kritik: Bereits letztes Jahr zeigte Brillante Mendoza einen Film im Wettbewerb in Cannes, es war der erste philippinische Beitrag seit 1984. Nun ist er erneut im Rennen um die Goldene Palme vertreten – so etwas ist schon ungewöhnlich. "Kinatay", was auf philippinisch soviel wie "Metzelei" bedeutet, ist sicher einer der brutalsten Filme des Wettbewerbs. Das nicht einmal, weil er Gewalt so explizit darstellt, sondern weil er den Hauptdarsteller und mit ihm auch den Zuschauer zum Hinsehen zwingt. Wir werden, wie auch Peping Zeugen einer grausigen Tat, dem sinnlosen, bestialischen Mord an einer schönen Prostituierten.

Die eigentliche Bluttat wird umso brutaler, weil Brillante Mendoza seiner Geschichte erst einmal alle Zeit gibt, die diese braucht, um den normalen Alltag und die Lebensumstände von Peping zu erzählen. Peping im Kreise seiner Familie, Peping wie er heiratet, Peping in der Polizeiakademie. Ein freundlicher Mensch ist er, ein bemühter , aber armer Familienvater, der noch sehr jung ist, aber schon viel Verantwortung zu tragen hat. Dieser Umstand zwingt ihn, den gut bezahlten Job anzunehmen, der ihn zum Zeugen (und Mittäter) werden lässt.

Kinatay (The Execution of P)
Phillipinen 2009, 105 Min.
Regie: Brillante Mendoza
Mit Mercedes Cabral, Maria Isabel Lopez, Coco Martin, Lauren Novero
Offizieller Wettbewerbsbeitrag
Peping weiß genauso wenig wie der Zuschauer wo die Fahrt hingehen wird, als die Prostituierte Madonna gezwungen wird, in den Kleinbus zu steigen, der ihre letzte Fahrt sein wird. Etwa zwanzig Minuten reale Zeit - gefühlt aber noch viel länger - lässt Brillante Mendoza das Fahrzeug durch die Nacht rasen. Im Bus spitzt sich die Situation zwischen den Männern der Gang und Madonna bereits zu und es wird klar, dass dies kein harmloser Familienausflug werden wird. In Peping arbeitet es: Soll er fliehen als der Bus eine Pause einlegt? Kann er ein Gewaltverbrechen verhindern? Was wird aus ihm und seiner Kleinfamilie, wenn er zu fliehen versucht?

Wie in seinen vorherigen Filmen bleibt die Handkamera stets in Bewegung. Zu Beginn vermittelt sie die Lebendigkeit des armen Viertels, aus dem Peping stammt, später ist sie Ausdruck seiner inneren Unruhe. In der Polizeischule bekommt Peping vermittelt, dass er von aussen nach innen ermitteln soll. Genau dieses Muster übernimmt auch der Film selbst, von der äusseren Handlung erkundet er mehr und mehr das Innenleben eines Menschen, der ungewollt zum Mittäter und Mitwisser wird.

"Kinatay" ist kein Film, den man sich gerne ansieht, die beiden letzten Drittel des Films erleidet man eher mit Peping. Genau das lässt dieses intelligente Werk - das auch eine hervorragendes Tondesign besitzt - physisch erfahrbar machen. Man kann sich der Gewaltspirale nicht entziehen. Der Zuschauer sitzt mit Peping im Bus, er überlegt mit ihm ob er fliehen soll (und vielleicht den Kinosaal auch früher verlassen soll) und er erleidet mit ihm den grausigen Mord an dem schönen Mädchen. Madonna wird nicht nur ermordet, ihr Körper wird in Einzelteile zerlegt und in der ganzen Stadt verstreut. Die Geschichte beruht übrigens auf einer wahren Begebenheit, die ein Polizeiakademiestudent Brillante Mendoza einmal erzählt hat.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 06-05-09
Letzte Änderung: 24-05-09