Porträts von Antihelden gibt es nicht nur im amerikanischen Film der 1960er Jahre, und die für den Vietnam-Krieg in Hollywood verordnete Machart hat nicht unbedingt die Regisseure außerhalb der USA beeinflusst.
Diese Strömung bleibt jedoch nach wie vor ein guter Indikator. Die Gemeinschaftsproduktion "Der blaue Max" (1966) wurde im gleichen Jahr gedreht wie der Film "Kanonenboot am Yangtse-Kiang" von Robert Wise, der im China des beginnenden 20. Jahrhunderts spielt, aber eindeutig vom Vietnamkrieg inspiriert wurde. Die Ereignisse tragen sich in den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs zu. Die Hauptperson ähnelt dem von Jonathan Rhys-Meyers in "Match Point" von Woody Allen verkörperten kleinbürgerlicher Karrieristen; in diesem Fall handelt es sich um einen deutschen Soldaten aus einfachen Verhältnissen namens Bruno Stacher, dem es gelingt, sich vom Heer zur Luftwaffe versetzen zu lassen. Das Geschwader Kaiser Wilhelms II. war damals eine Art geschlossener Gesellschaft, deren bekanntester Vertreter Freiherr Manfred von Richthofen, der sogenannte "Rote Baron", war. Stacher kehrt ohne einen Rest von Menschlichkeit aus dem Schützengraben zurück und nutzt seine neue, privilegierte Position skrupellos aus, um die Karriereleiter zu erklimmen. Er weiß es sogar für sich zu nutzen, dass der Adel ihm mit Geringschätzung begegnet, was diejenigen, die in der Armee den Begriff der Ehre hochhalten, nur schwer ertragen können.
Die Rolle Stachers als kaltblütiger Karrierist spielt George Peppard hervorragend. Er galt seinerzeit bereits als Jungstar ("Das Erbe des Blutes" von Vincente Minnelli und "Frühstück bei Tiffany" von Blake Edwards), war aber noch meilenweit von seinem Schmierenkomödianten-Image der letzten Jahre entfernt, das er sich mit der Fernsehserie "Das A-Team" einhandelte. Sein ansprechendes Äußeres entsprach dem Geschmack der 1950er Jahre, führte ihn in den frühen 1970ern jedoch in die Sackgasse; Alkoholprobleme und mehrere Ehen - die Zahl der Scheidungen wären eines Eddie Barclay würdig gewesen – taten das Übrige. Mitte der 1960er Jahre spielte er den verbissenen Stacher mit einer Mischung aus Charisma und Kaltblütigkeit wie kein anderer.
Die Wirklichkeit stellte sich natürlich anders dar. Der Brite John Guillermin setzte die Erzählung durch geschickte Regieführung um. Er schien zwischen ironischen Anspielungen auf Moralvorstellungen, dem Fliegerjacken-Chic und – damals im Film noch ungewöhnlichen - Flugkunststücken hin- und hergerissen zu sein.
Der "Blaue Max" ist die höchste militärische Auszeichnung, die Stacher mit allen Mitteln und Wegen erreichen will. Der Erfolg schmeckt bitter, denn der Leutnant, ein Held aus dem Volk, wie ihn die deutsche Propagandamaschinerie zur Mobilisierung der Bodentruppen brauchte, nutzt das System zwar für seine Zwecke, wird aber seinerseits zum Spielball der Maschinerie.
Der Koreakrieg in den Reihen der Südkoreaner
"Brotherhood – Wenn Brüder aufeinander schießen" spielt Anfang der 1950er Jahre im Koreakrieg, der ein mindestens ebenso verheerendes Gemetzel wie der Erste Weltkrieg war. Üblicherweise wird der Koreakrieg als Auseinandersetzung zwischen der westlich orientierten Republik Südkorea auf der einen und den kommunistischen Truppen Nordkoreas auf der anderen Seite dargestellt. Kang Je-Gyu (seit seinem letzten Film "Shiri" ein nicht nur von französischen Journalisten sehr geschätzter Regisseur) wählte für seinen Film einen anderen Blickwinkel.
Bei ihm kämpfen die Brüder Jin-Tae und Jin-Suk beide auf der Seite der Südkoreaner. Für die von Kang Je-Gyu gezeigte Brutalität und Ungerechtigkeit dieses Krieges sind daher nicht immer zwangsläufig die Kommunisten verantwortlich, und auch außerhalb der Kriegsschauplätze gibt es Hunger, Strafexpeditionen, Standgerichte und Zwangsrekrutierungen. Gleichzeitig folgt der Film in der Art einer epischen Erzählung dem Bataillon von Jin-Tae und Jin-Suk durch ganz Korea, vom Herbst und den Massengräbern in der Ebene bis zum Winter in den Bergen, wo der Stellungskrieg tobt: Vor dem Waffenstillstand mit Nordkorea musste soviel Boden wie möglich erobert werden.
Diese Superproduktion zeigt wieder einmal, dass die Filmindustrie Südkoreas in der Lage ist, unter Einsatz gigantischer Mittel kommerziell sehr erfolgreiche Filme zu produzieren. Ein wichtiges Thema des Films von Kang Je-Gyus ist die Odyssee der beiden Brüder und die Freundschaft. Für seine Nebenrollen rekrutierte der Regisseur erneut die meisten Schauspieler aus seinem Action-Kriegsfilm "Shiri". Das Casting stand sogar schon vor dem Drehbuch des Films fest, denn für die Rollen von Jin-Tae und Jin-Suk sollten Darsteller gefunden werden, die sich ähnlich sehen. Der Film beginnt und endet mit den gleichen, inzwischen gealterten Figuren, die die schmerzliche Erinnerung an die furchtbaren Kriegsjahre nicht abstreifen können. In gewisser Weise ist „Brotherhood – Wenn Brüder aufeinander schießen“ mit dem algerischen Streifen "Tage des Ruhms" von Rachid Bouchareb vergleichbar. Um dem Film etwas von seiner männlichen Dominanz zu nehmen, wurde mit Ausstattung und Kostümen eine Frau betraut.
Der Komische Krieg
In Sachen Männlichkeit fühlten sich auch die im Kessel von Dünkirchen eingeschlossenen französischen Soldaten nicht wohl in ihrer Haut. Im Juni 1940 spülte der "Blitzkrieg", später "Komischer Krieg" und dann einfach "Zusammenbruch" genannt, die Überreste der vergeblich auf die Einschiffung nach England wartenden französischen Armee auf den Sand. 1964, als auf den europäischen Leinwänden viele Kriegsfilme gezeigt wurden, wollte Henri Verneuil den 2. Weltkrieg einmal von einer ganz anderen Seite zeigen. Mit seinem Film "Dünkirchen 2. Juni 1940", zu dem ihm Robert Merles Roman "Wochenende in Zuydcoote" als Vorlage diente, schuf er ein Gegenstück zu den gängigen Kriegsverherrlichungen.
Er arbeitet mit dem Gegensatz zwischen den pikanten, typisch französischen und eines Jacques Audiard würdigen Dialogen einerseits und dem Gefühl von Verlorenheit, das die sich selbst überlassenen Infanteristen im absurd wirkenden Ambiente des Badeortes Zuydcoote heimsucht. Der Regisseur selbst musste mit einer Reihe von Schwierigkeiten kämpfen: Zum einen waren die Bombardement-Szenen sehr teuer; zum anderen kostete ihn das unkonzentrierte Verhalten seiner vier fröhlichen Hauptdarsteller manchmal einen halben Drehtag. Die treuen Freunde von der Pariser Schauspielschule Jean-Paul Belmondo, François Perrier, Jean-Pierre Marielle und Pierre Mondy waren zu allerlei Streichen aufgelegt, passten aber dennoch hervorragend in die Atmosphäre des Films.
Diese "Enfants perdus" wirken wie traurige Clowns, skurril und pathetisch zugleich. Durch menschenleere Straßen spaziert Belmondo zwischen zwei verbrannten Autowracks hindurch, ganz dem glorreichen Image des fragwürdigen Abenteurers folgend, den er in "Außer Atem" verkörperte. Seine Mitspieler sind Jean-Paul Roussillon (später bei Arnaud Desplechin gern als Patriarch eingesetzt) und (der häufig bei Jean-Pierre Mocky spielende) Dominique Zardi. Der Soldat stellt fest, dass er in diesem Krieg auf niemanden geschossen hat, außer auf zwei Infanterie-Kameraden, die ein Mädchen vergewaltigen wollten. Zwischen Abwarten und Luftangriffen schleppt er sich durch die Gegend - ein ironischer Antiheld par excellence.
Kino in der front
- The Blue Max, 16/02/09
- Brotherhood, 18/02/09
- La chambre des officiers, 19/02/09
- Week-end à Zuydcoote, 23/02/09
- La trahison, 25/02/09
- Mars Attacks!, 26/02/09






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