Regisseur und Drehbuchautor bemühen sich sehr, ohne jedoch wirklich zu überzeugen, den beiden Helden gleichermaßen Dichte zu verleihen, um den Road-Movie von einer Episode zur nächsten zu tragen und die Bewohner Lateinamerikas von Peru bis an den Amazonas wirklich greifbar zu machen. Alle Zutaten sind in idealer Mischung vorhanden: eine schöne Reise, der junge Schauspieler Gael Garcia Bernal, ein aufsteigende Stern mit Sex-Appeal, ein Vorwand für lehrreiche soziale und politische Diskurse, „wirkliche“ Menschen in Peru, Brasilien und Chile und eine Legende: Che Guevara, seine Aura, sein unwiderstehliches Charisma, das den Film lang mitschwingt. Bei einem solchen Konzept mag es nicht verwundern, dass der ausführende Produzent des Projektes der Regisseur von „Milagro“ und „A river runs through it“, Robert Redford, ist.
Je weiter die beiden Freunde auf ihrem Weg vorankommen, desto ernster wird der Film, konfrontiert mit den traurigen Gesichtern und den bleischweren Blicken der Armen Südamerikas, die Unrecht und Demütigung erdulden, konfrontiert auch mit den Zeugen der von Machtkriegen zerstörten Zivilisationen. Dennoch will der Film nicht funktionieren, und am Ende begeht Walter Salles seinen liebsten Fehler und trägt dick symbolträchtiges Pathos auf. Nach Dutzenden im Stil von Richard Avedons Porträts gehaltenen Schwarzweiß-Aufnahmen ausgemergelter, vom Leben ausgepresster Menschen, denen der Filmemacher heute ebenso begegnet wie die beiden jungen Männer gestern, hebt ein Flugzeug ab und mit ihm entfernt sich Guevara von seinem Freund Granado. Abblende, kleiner historischer Rückblick in Sachen Legende. Dann in Großaufnahme das beeindruckend gegerbte Gesicht des wahren Granado, der heute auf Kuba lebt. Er schaut dem gleichen Flugzeug nach: Und wieder schwindet die Emotion wie ein Phantom dahin.
Delphine Valloire
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Diarios de Motocicleta
Argentine/Peru/Brasilien/Chile/USA, 2004, 126 Min.)
von Walter Salles
mit Gael Garcia Bernal, Rodrigo de la Serna, Mia Maestro
Offizieller Wettbewerbsbeitrag Cannes 2004
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