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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 08. September 2005 - 11/09/05

Broken Flowers

Ein Film von Jim Jarmusch


Ein in die Jahre gekommener Don Juan begibt sich auf Spurensuche nach seinen früheren Geliebten, denn: Hat er einen Sohn, von dem er nichts weiß?

Ein Roadmovie in
die Vergangenheit eines Don Juan

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(USA, 2004, 105 Min.)
Mit: Bill Murray, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Jessica Lange, Tilda Swinton, Julie Delpy


Jim Jarmusch

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Interview: Gérard Lefort

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Synopsis: Don Johnston, der typische ewige Junggeselle, wurde soeben von seiner letzten Eroberung Sherry verlassen. Aufgrund eines anonymen Briefes muss er sich plötzlich seiner Vergangenheit stellen: Eine seiner früheren Geliebten erklärt, er habe einen 19-jährigen Sohn, der sich möglicherweise auf die Suche nach seinem Vater gemacht habe. Dons bester Freund Winston überredet ihn, der Sache auf den Grund zu gehen und die vier Frauen ausfindig zu machen, die er vor zwanzig Jahren geliebt hat. So begibt sich Don also auf eine Reise in seine Vergangenheit.

Kritik: Einige Elemente des kaum greifbaren Stils von Jim Jarmusch finden sich in all seinen grundverschiedenen Filmen, die das Kino seit den 80-er Jahren geprägt haben: Ob in seinen Roadmovies, Sketschen oder Neowestern – immer herrschen lange, melancholische Sequenzen vor, in denen die Zeit gewissermaßen still zu stehen scheint, stets beschreibt Jarmusch in ihrer stummen Hilflosigkeit berührende Figuren. „Broken Flowers“ ist eine Mischung aus intimem Drama, süßer Komödie und sentimentaler Ballade. Bill Murray legt seinen ganzen tiefgründigen Humor in die Rolle des Don „Juan“ Johnston, und wie immer verdecken sein desillusionierter Ausdruck und die zusammengekniffenen Lippen nur unzureichend dessen Zartheit Unbehagen.

Don ist vorübergehend vom Dienst suspendiert und lebt von einer Affäre zur nächsten. Mit seinem krimibesessenen Nachbarn Winston aus Äthiopien scheint er nicht viel gemein zu haben, und doch bilden die zwei ein merkwürdiges, unerschütterliches Team, das trotz Dons Sauertöpfischkeit aufs Beste funktioniert. Die Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit wird für Don unweigerlich zu einer existentiellen Suche nach sich selbst, deren lustigster Moment wohl die Begegnung mit einer neumodischen Lolita und ein munterer Chat sind. Der sehr viel traurigere Höhepunkt ist ein schmerzlicher, verregneter Friedhofsbesuch. Die „zerknickten Blumen“ im englischen Filmtitel könnten für den Strauß seiner letzten Geliebten stehen, der in seinem Wohnzimmer langsam vor sich hin welkt. Genauso aber auch für all die Sträuße, die Don seinen verwunderten Ex-Freundinnen zwanzig Jahre nach ihrer Beziehung an der Haustür überreicht. Diese Blumen sind das Symbol der Vergangenheit, einer nostalgischen Gegenwart und einer gemeinsamen Zukunft zu zweit, die es aus unerfindlichen Gründen doch nie gegeben hat.

In seinen Filmen geht es Jim Jarmusch immer wieder um das Moment des Zufalls, der über den Weg eines Menschen entscheidet und weder kontrolliert noch durch menschlichen Willen beeinflusst werden kann. Es geht um das Schicksal, das durch einen einzigen Wink ein ganzes Leben vollkommen verändern kann. In „Broken Flowers“ geschieht dies durch ein nicht gewolltes Kind, genauso wie in Bill Murrays letztem Film „Die Tiefseetaucher“, in dem er eine andere Art von Rabenvater spielte. Manchmal reicht auch ein rosafarbener Brief – ob mit wahrem oder falschem Inhalt. Genau wie Hobbydetektiv Winston und Don muss man sich auf die Suche machen nach der so zerbrechlichen Wahrheit, die ihre Spuren in den Bildern zurückgelassen hat. Trotz der geradezu metaphysischen Langsamkeit des Films will man „Broken Flowers“ wieder und wieder sehen, allein schon der Freude wegen, Don auf einem Stück seines Weges in die Vergangenheit begleiten zu dürfen. Voller Eleganz offenbart Jim Jarmusch einmal mehr sein Talent, mit dem er das flüchtige Gefühl absoluter Ungezwungenheit auf die Leinwand bannt.

Delphine Valloire


Synopsis: Don bekommt einen lieblich rosafarbenen Brief, in dem ihm die mögliche Ankunft seines 19-jährigen Sohnes mitgeteilt wird. Der Brief trägt keine Unterschrift. Don ist sich einer möglichen Vaterschaft nicht bewusst, aber er kann sie auch nicht ausschließen. Mit Hilfe seines Nachbarn macht er sich auf die Suche – nach seiner eigenen Vergangenheit und der potentiellen Mutter seines potentiellen Sohnes.

Kritik: Mit dem Roadmovie BROKEN FLOWERS kehrt Jim Jarmush zu seinen eigenen Wurzeln zurück. Lange schon hat der amerikanische Independentregisseur keinen Film mehr gedreht, der so stark an seine beiden ersten Filme PERMANENT VACATION (1980) und STRANGER THAN PARADISE (1984) erinnerte. Hier erlaubt sich Jarmush etwa lange Einstellungen, in denen auf den ersten Blick nicht viel passiert. Die Reise seiner Helden findet immer auch nach innen statt. Bill Murray, der die Hauptrolle Dons übernommen hat, weiß seiner Rolle bis ins kleinste Detail Ausdruck zu verleihen. Es ist eine große Freude, ihm dabei zuzusehen. Wie schon in Sofia Coppolas Meisterwerk LOST IN TRANSLATION (2003) spielt er eine Figur, die kein Mann der großen Worte ist, aber dessen Blicke Bände sprechen. So gibt es hier zahlreiche komische Momente, die Bill Murray mit minimalen Gesten spielt. Wenn er etwa zu einem Abendessen á la French Cuisine eingeladen ist, und gleich fünf der kleinen Möhrchenscheiben auf die große Gabel spießt, weil er hungrig ist.

Die vier Frauen, die Don auf der Suche nach seiner potentiellen Vaterschaft trifft, sind völlig unterschiedliche Charaktere. Da ist etwa Sharon Stone als Laura, die mit ihrer Tochter Lolita (Alexis Dzienna) zusammenwohnt. Lolita macht ihrem Namen alle Ehre und zeigt sich freizügig nackt. Doch Don wacht am nächsten Morgen unter Laura auf - sein Blick dabei ist überwältigend. Mit den anderen drei Exfreundinnen, die er aufsucht läuft es allerdings nicht ganz so kuschelig ab. Die ehemalige LSD Queen Dora (Frances Conroy) hat sich stark an ihren biederen Immobilienmaklermann angepasst. Großartig ist das Treffen mit Dons Exfreundin Carmen (Jessica Lange), die die Seiten gewechselt hat und nun mit ihrer strengen Assistentin – gespielt von Chloë Sevigny (mit Brille und hohen Stiefeln) zusammen ist. Carmen hat eine Praxis, in der sie mit Tieren kommuniziert. In einer der witzigsten Szenen des Films führt Carmen vor, wie die Kommunikation mit ihrer Katze funktioniert. Bill Murray fokussiert sein Erstaunen in einem einzigen Blick, den man unbedingt gesehen haben sollte.

Selbstverständlich kommt auch der Existentialismus in diesem Film nicht zu kurz. Als Don gefragt wird, was seine Lebensphilosophie sei, wundert er sich erst, dass ausgerechnet er diese Frage beantworten soll. Überzeugend schlicht antwortet er schließlich: „Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft ist noch nicht hier und ich kann sie nicht kontrollieren – ich glaube, so ist es einfach.“ Doch genau das ist die Kunst, im Moment zu sein. Jarmushs Film gelingt es, im Moment zu sein und sein Hauptdarsteller Bill Murray beherrscht diese Kunst perfekt – auf jeden Fall in den Filmen, in denen er zu sehen ist.

Nana A.T. Rebhan


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Broken Flowers
Ein Film von Jim Jarmusch
(USA, 2004, 105 Min.)
Mit: Bill Murray, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Jessica Lange, Tilda Swinton, Julie Delpy

Erstellt: 06-09-05
Letzte Änderung: 11-09-05