Deutschland 2006-2008Mit Jacob Matschenz, Ludwig Trepte, Cemal Subasi, Benjamin Höppner, Torsten Michaelis, Oktay Özdemir
Synopsis: 1. Mai in Kreuzberg. Beide Seiten bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Die Freunde Jacob und Pelle kommen aus Minden als „Krawalltouristen“ nach Berlin, sie haben Lust auf "Action". Der elfjährige Türke Yavuz soll eigentlich zu Hause bleiben und auf den kleinen Bruder aufpassen - aber er würde viel lieber "einen Bullen platt machen". Der von seiner Frau frisch gehörnte Polizist Uwe soll mit seinen Kollegen deeskalierend die Demo begleiten, landet aber erstmal im Bordell.
Kritik: 1. MAI - DAS ENDE VOM LIED ist ein innovativer Episodenfilm über den legendären Krawalltag in Kreuzberg. Vier Regisseure haben daran gearbeitet, doch das Ergebnis präsentiert sich überraschend homogen. Die einzelnen Geschichten sind geschickt ineinander verflochten, der Film bleibt im Fluss. Durch die drei Episoden bekommt der Zuschauer die Möglichkeit, das Ereignis 1. Mai aus drei ganz unterschiedlichen Perspektiven zu sehen.Das "Manifest" der vierköpfigen Gruppe sah vor, dass eine Szene pro Film so geschrieben sein sollte, dass ein Fernsehredakteur diese sofort abweisen würde. Was nicht geschah, im Gegenteil: Jörg Himstett, Redakteur beim Hessischen Fernsehen sagte sofort zu. Er hat Mut zu neuen, innovativen Ansätzen, betreute etwa auch KATZE IM SACK. Himstett mag wohl "Katzen im Sack", aber intuitiv vertraut er auf die richtigen. ARTE stieg mit ein.
Der 1. Mai ist ein geradezu mythisches Datum in Kreuzberg. Mit verklärtem Blick schildert Alt 68-er Harry, der noch eine Originalflasche Kindlbier auf einem Schrein bei sich in seiner Wohnung stehen hat, wie sie damals - 1987 - den Bolle am Görlitzer Bahnhof geplündert hätten. Ein magisches Datum für den Linken. Yavuz, dem er seine Geschichte erzählt, hat dafür kein Verständnis. Versehentlich zerbricht er gar die Flasche, woraufhin ihm Harry eine Ohrfeige gibt. Yavuz rächt sich brutal und lässt Harry blutüberströmt in seiner Wohnung liegen. Auch in den anderen beiden Episoden eskaliert die Gewalt, gewollt oder nicht. Immer tiefer werden die beiden Freunde Jacob und Pelle hineingezogen in einen merkwürdigen Strudel düsterer Ereignisse. Am Ende offenbart sich Pelle ein dunkles Geheimnis seines besten Freundes Jacob.
Die drei Episoden überschneiden sich in ihrer Erzählung nicht, bis auf eine Kleinigkeit: Hannah Herzsprung ist in zweien als Punk zu sehen. Ansonsten hat jeder für sich gedreht. Einige Gemeinsamkeiten waren aber dennoch vereinbart: Jede Geschichte sollte am Morgen des Tages um sechs Uhr beginnen, eine Szene während der Krawalle haben und in derselben Nacht im Urban-Krankenhaus in Kreuzberg enden. Das Experiment der vier Regisseure ist aufgegangen. Kunstvoll haben sie die verschiedenen Teile zu einer Geschichte verbunden, die sich auf die Spurensuche nach dem Mythos Kreuzberg begibt. Für die linksautonome Szene dürften sie mit 1. MAI - DAS ENDE VOM LIED allerdings nicht gerade den Lieblingsfilm zum Lieblingstag gedreht haben - die ironisch-kritische Distanz der Filmemacher zum Krawalltag ist in den einzelnen Episoden deutlich zu spüren.Nana A.T. Rebhan






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Episodenfilm aus Kreuzberg
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