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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart vom 20. August 2009 - 25/08/09

Inglourious Basterds

Ein Film von Quentin Tarantino


( Arte Bewertung: 4 ) Das Dritte Reich als Spaghetti Western in 5 Akten

  • Interview arte.tv: Quentin Tarantino
  • ARTE Kultur vom 20.05.  - Inglorious Basterds

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Synopsis: Auf fünf Akte verteilt laufen zwei Handlungsstränge aufeinander zu: Irgendwo auf dem Land in Frankreich zu Beginn der deutschen Okkupation spürt der deutsche Oberst Landa (Christoph Waltz) die jüdische Familie Dreyfuss auf und lässt sie erschießen. Die Tochter Shosanna kann als einzige dem Blutbad entkommen, flieht nach Paris und lebt unter falscher Identität als Kinobesitzerin. Zeitgleich versammelt Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt) seine jüdisch-amerikanische Guerillatruppe, bekannt als die „Basterds“, um hinter der feindlichen Linie so viele Nazis wie möglich zu „erlegen“ und zu skalpieren. Mit dem deutschen Leinwandstar – und Agentin für den OSS – Bridget Von Hammersmark (Diane Kruger) planen sie ein Attentat auf die Führungsriege der Nazis, die sich zu einer Filmpremiere just in Shosannas Kino in Paris versammeln.

Kritik: Auf der Pressekonferenz in Cannes sagte Quentin Tarantino in seiner gewohnt fiebrig-nervösen Art, er mache “Filme für die ganze Welt”, weil Cannes das wichtigste Festival auf der ganzen Welt sei. Man kann das ihm natürlich so auslegen und sagen, er klaubt seine Filme aus Teilen der ganzen Popwelt zusammen und deshalb dem universellen Anspruch seines Werks nur zustimmen. Schließlich weiß er nur zu gut, wie man aus Versatzstücken so vieler anderer filmischer Werke eine unglaublich rasanten Mélange bastelt: Die Truppe um den Apachenlieutenant Aldo Raine, dargestellt von Brad Pitt, sind die Nachfolger der Haudegen der Man-on-a-mission-Filme der 60er und 70er. Als „Basterds“ bezeichnet, tragen sie ihren Namen nach dem italienischen Kriegsfilm “The Inglorious Bastards – Ein Haufen verwegener Hunde” (1978) von Enzo G. Castellari. Und „Inglorious Basterds“ als ganzes bedient sich des Untergenres des “Macaroni Combat”, den vom Spaghetti Western inspirierte Kriegsfilm. Es geht bei Tarantino sicher immer noch ein Quentchen spezieller, was in seinen bekannten Dialogen lang und breit verhandelt wird. Was sich aber mit so viel leidenschaftlicher Akribie einem Thema widmet, kann gar nicht langweilig sein. Als einziges Manko wäre dagegen einzuwenden, dass diesmal die Dialoge einfach öfter zu lang geraten sind und sich wiederholen.

An Tarantino ist es wesentlich, dass er sich ganz und gar einem Untergenre, den Werken eines Regisseurs oder Szenen aus seinen Lieblingsfilmen widmet und ihnen bis ins kleinste Detail authentisch huldigt und auf seine bekannte wie einzigartige Popmanier nachempfindet. Weniger Wert legt er jedoch auf die stilistische Kohärenz der verschiedenen Teile untereinander, der fünf Akte, in die der ‚Kriegswestern’ aufgeteilt ist. Schließlich wurden die einzeln für sich geschrieben und könnten als unabhängige Episoden allein stehen. So beginnt der erste Akt mehr als originaltreu Spaghetti Western-Manier mit passender musikalischer Untermalung von Ennio Morricone und einem glanzvollen „Für Elise“-Motiv. In der französischen Pampa wirkt das allemal surreal. Wenn jemand das aber einfach so eklektisch umsetzen kann, dann ist das Tarantino. Eine Dissonanz entsteht daraus aber im fünften Akt, wenn sich Shosanna mit Kriegsbemalung gefilmt in bestem 80er-Jahre Pathos zum Soundtrack von David Bowie präpariert.

Inglourious Basterds
Ein Film von Quentin Tarantino
(USA, D, 2009, 148 Min.)
Drehbuch: Quentin Tarantino
Mit: Brad Pitt (Lt. Aldo Raine), Mélanie Laurent (Shosanna Dreyfuss), Christoph Waltz (Col. Landa), Eli Roth (Donny Donowitz), Diane Kruger (Bridget Von Hammersmark), Daniel Brühl (Frederick Zoller), Til Schweiger (Hugo Stieglitz), u.v.m.
Dazwischen bleibt viel Zeit für allerhand skurrile Anekdoten: Zum Beispiel verkleidet sich ein ausgerechnet als Filmkritiker getarnter britischer Agent in SS-Uniform, um den Sprengstoff für die Filmpremiere zu deponieren. Und dann gibt es da noch den “Bärenjuden” (Eli Roth), über den sich bei den Nazis das hartnäckige Gerücht hält, er wäre der wieder zum Leben erweckte Golem – aber ein moderner mit einem Baseballschläger, der es liebt, seinen Feinden den Kopf zu zermatschen. Ein weiterer Running Gag ist der Wechsel der Dialogsprache von Französisch auf Englisch und dann wieder auf Deutsch, aber erst nachdem sich beide Personen ausgiebig auf einer Sprache ausgetauscht haben. Christoph Waltz als Oberst Landa glänzt bei diesen Sprachduellen besonders – wie auch die ganze Geschichte maßgeblich durch seine Figur und seine außerordentliche schauspielerische Leistung getragen wird.

Was auch immer man von Tarantinos neustem Streich geschmacklich halten mag, die Tarantinophilen werden sich in jedem Fall freuen. Von einem Blogger wurde der Kriegswestern bereits als die “Die Grindhouse Version von ‚Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat’ tituliert. Und dass er mit der ganzen Thematik so spielen darf – und es funktioniert – ist vielleicht einer seiner größten Verdienste.

Verena Dauerer

Erstellt: 06-05-09
Letzte Änderung: 25-08-09