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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 27. Oktober 2005 - 24/01/06

Frozen Angels

Ein Film von Frauke Sandig & Eric Black


Eine menschliche Zukunft, die bereits in
absehbarer Zeit außer Kontrolle geraten dürfte.

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Synopsis: Kalifornien ist amerikanisches Wunder-Kernland in vielerlei Hinsicht: Hier befindet sich seit einiger Zeit auch das El Dorado der Reproduktionsmedizin – der künstlichen Kindererzeugung. In Los Angeles eine Samenbank oder Leihmütteragentur zu gründen, sei leichter als eine Pizzeria zu eröffnen, sagt der umstrittene Radio-Moderator Bill Handel, selbst Inhaber der größten Leihmütter- und Eizellenspenderinnen-Agentur der Welt. Tausende Kinderlose aus aller Welt erfüllen sich hier ihren Traum vom eigenen Retorten-Baby. Sperma aus Kalifornien – 90 Prozent davon von gut aussehenden, weißen Mittelschichtsmännern - wird per ‚Fed Ex’ in alle fünf Kontinente verschickt. Eizellenspenderinnen, Samenbankdirektoren, Juristen, Wissenschaftler und Leihmütter gewähren den Dokumentarfilmern Frauke Sandig und Eric Black Einblick in eine (gruselige) Zukunft der perfekt modellierten Kinder, die längst begonnen hat.

Kritik: Kim Brewer schiebt ihre jüngere Tochter durch die prall gefüllte Einkaufsmeile und ist schon wieder schwanger - diesmal allerdings per künstlicher Befruchtung im Auftrag einer Leihmutter-Agentur für eine ca. 40-jährige Raumfahrtforscherin, die auch nach fünf Operationen keine Kinder bekommen konnte. 15 000 Dollar – nicht viel Geld _ bekommt Brewer für neun strapazenreiche Monate, ihr Mann, Berufssoldat, hat gegen diese Aufbesserung der Haushaltskasse schon längst nichts mehr einzuwenden. Doch sei es vielmehr der Wunsch, Gutes zu tun, der sie antreibe. Dies behauptet auch Kari, die junge Blondine und allein erziehende Mutter von zwei Kindern, die wegen ihres All-American-Girlie-Gesichts schon mehrfach Eizellen-Spenderin sein durfte. Ihr Aussehen entspricht der Idealvorstellung fast aller Auftragseltern, die, wenn sie sich zwischen hohem Intelligenz-Quotienten und blonden Haaren und blauen Augen entscheiden müssten, sich wohl fast ausnahmslos für Letzteres entscheiden würden; sagt das ehemalige Modell Shelley Smith, Gründerin einer der erfolgreichsten Eizellen-Agenturen Kaliforniens, deren Spenderinnen im Katalog als durchnummerierte Engel aufgeführt sind.

Während solche Kuriositäten europäischen Zuschauern eher Entsetzen einflößen dürften, ist das Geschäft mit den künstlichen Kindern in Kalifornien längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, die ethische Diskussion darüber verläuft zwischen dem naiven Zynismus des zwiespältigen Radiomoderators und Leihmütteragenturinhabers Bill Hadnel und den größenwahnsinnig anmutenden Zukunftsvisionen eines Gen-Wissenschaftlers Gregroy Stock, der von der Schaffung des maßgeschneiderten Menschen innerhalb der nächsten 10 Jahre träumt.

Die beiden Dokumentarfilmer Frauke Sandig und Eric Black, der auch als Kameramann verantwortlich zeichnete, haben mit „Frozen Angels“ über drei Jahre ein gespenstisches Puzzle zusammengesetzt, deren erzählerische Dramaturgie und Visualität sich eher an Ensemble-Spielfilmen wie „Short Cuts“ oder „Magnolia“ denn am Dokumentarfilm orientiert. Sie führt die verschiedenen Protagonisten und Episoden eher nach dem Zufallsprinzip zusammen, wobei beiläufig auch ein Eindruck von der Stimmung und dem Lebensgefühl vom Moloch Los Angeles entsteht, dessen Schönheits- und Körperkult während des gerade verkündeten 2. Irakkrieges und damit verbundener Propaganda ungebremst weiterging. Ankerpunkt ist Radiomoderator Bill Handel, der mit seiner morgendlichen Talkshow Millionen von im Stau fest steckenden Bürgern erreicht. Seine mit zynischen Kommentaren versehenen Auslassungen über die unbegrenzten Möglichkeiten der Reproduktion führen den Betrachter zu den anderen, zur gleichen Zeit im Auto fest steckenden und Radio hörenden Protagonisten. Dazwischen montieren die Filmemacher apokalyptische Bilder von Science-Fiction-Gebäuden, Ölpumpen, Industrieanlagen und riesigen Staus, Sinnbild für die außer Kontrolle geratenen alten Technologien - atmosphärischer Hintergrund für eine menschliche Zukunft, die bereits in absehbarer Zeit außer Kontrolle geraten dürfte. Ein mit Hilfe von hunderttausenden Dollars gezüchteter menschlicher Klon mit dramatisch ausgeweiteter Lebenserwartung und genetisch verbesserter Intelligenz, Ausdauer und anderen Merkmalen dürfte nach Ansicht des einflussreichen amerikanischen Wissenschaftlers Gregory Stock schon innerhalb der nächsten 10 Jahre Wirklichkeit sein.


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Frozen Angels
Buch/Regie/Produzenten: Frauke Sandig, Eric Black
D/USA, 2005, 90’, 35 mm, Dolby

Erstellt: 25-10-05
Letzte Änderung: 24-01-06