Kritik: Der Finanzberater William Faber erinnert stark an die Hauptfigur aus Michel Houellebeques Roman „Plattform“, bzw. an das Foto Houellebeques selbst, das auf der deutschen Taschenbuchausgabe zu finden ist. Faber ist Anfang/Mitte Vierzig, hat bereits eine Stirnglatze, ist stets korrekt mit Anzug und Krawatte gekleidet und besitzt in seiner ganzen Erscheinung so viel Ausstrahlung wie eine Kirchenmaus. Das eigentlich Spannende an diesem sehr wortlastigen Kammerspiel des französischen Erfolgsregisseurs Patrice Leconte (DER MANN DER FRISEUSE, MR. HIRE) sind die Augen von Fabrice Luchini, in denen die eigentliche ‚Action’ des Films stattfindet: sie saugen die intimen Geständnisse der Anna geradezu begierig und voller Staunen auf. Sie spiegeln den Reiz des ersten Mals und die voyeuristische Freude eines einsamen Mannes wieder, die sich langsam in Zuneigung und vielleicht sogar Liebe wandelt. Patrice Leconte hat ein düsteres, enges Ambiente geschaffen, in dem es eine Art Erlösung ist, sich auf die Augen Lucinis und die Grazie Sandrine Bonnaires zu konzentrieren. Die Rolle der Anna gehört zu ihren Besten. Sie zeigt eine Fragilität und Transparenz, die den wechselndem Gemütszustand der verunsicherten Frau gut beschreibt, und die sich in ihrer Stimmung auch auf den Zuschauer überträgt. Obwohl im ganzen Film keine einzige Sexszene vorhanden ist, ist in jedem Moment das Begehren zu spüren, das einmal mehr von Anna, einmal mehr von William Faber ausgeht.
Der Film besitzt eine ebenso starke Intensität wie DER MANN DER FRISEUSE doch leider waren die Drehorte diesmal eher eng und düster, was sich auf die gesamte Stimmung des Films stark auswirkt. Das gab Kameramann Eduardo Serra - der für DER MANN DER FRISEUSE unvergesslich schöne Bilder schuf - eine ganz andere Ausgangssituation für seine Arbeit. Die meiste Zeit über spielt der Film im vollgestellten Büro Fabers, das er von seinem Vater mit all dessen dunklen Möbeln übernommen hat. Erst ganz am Ende des Films gelingt es Faber, sich von seiner Vergangenheit freizumachen, und endlich ein selbstbestimmtes Leben zu beginnen. Er entledigt sich der neugierigen, altdamenhaften Sekretärin (die er auch von seinem Vater übernommen hat), zieht in den Süden Frankreichs und richtet sich in hellen Räumen ein. Die letzte Einstellung zeigt sein neues Büro aus der Vogelperspektive, fast als wäre der Zuschauer nach Faber nun zum Voyeur geworden. Und tatsächlich: Auf dem Canapé findet eine Begegnung mit einer schönen Frau statt, die Hoffnung verspricht...
Nana A.T. Rebhan






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