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08/11/04

Kitchen Stories

Eine skurrile Geschichte aus dem Norwegen der 50er Jahre


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Ein Film von Bent Hamer
 
Kitchen StoriesSynopsis: Schweden in den 50er Jahren. Die Technik soll Einzug in die privaten Haushalte halten. Um den Werbefeldzug für die moderne Küche einleiten zu können, werden zuvor vom schwedischen Forschungsinstitut für Heim und Haushalt eingehende Studien zum Verhalten der Hausfrau in ihrer Küche vorgenommen. Am Ende der Versuchsreihe steht fest: Um ihrer Familie jeden Tag das Essen servieren zu können, läuft die schwedische Hausfrau jedes Jahr eine Strecke, die der zwischen Schweden und dem Kongo gleicht. Wenn man die Küche jedoch nach einem bestimmten Muster anordnen würde, dann müsste sie nur noch bis nach Norditalien laufen, um allen Küchenpflichten nachzugehen...
 
Die Kritik zum Film: Bent Hamers Film beginnt mit einer sehr seltsamen Ausgangsposition: Der schwedische Feldforscher Folke sitzt auf einem hölzernen Hochsitz in der Küche des Slteren Junggesellen Isak, um sämtliche Wege Isaks in dessen Küche genau aufzuschreiben und -zuzeichnen. Beiden ist es im Rahmen der Studie streng verboten, miteinander zu reden, und deshalb beginnt KITCHEN STORIES fast als Stummfilm.
 
Zugegeben, es klingt zuerst einmal nicht besonders packend, einen Film zu sehen, der zu über 90% in einer norwegischen Küche spielt, der keine Frauenrollen, sondern nur zwei alte Männer als Hauptdarsteller hat, und in dem über 30 Minuten lang kaum geredet wird. Und doch ist diese filmische Feldforschung - die übrigens auf einer tatsächlich durchgeführten Studie beruht - wunderbar schräg und bisweilen sehr berührend. Natürlich unter der Voraussetzung, dass man sich als Zuschauer auf das extrem langsame Erzähltempo des norwegischen Regisseurs einlässt, das dieser sehr ungewöhnliche Film erfordert.
 
Hat man sich in dieser heimeligen norwegischen Junggesellenwelt der 50er Jahre eingefunden, so lassen sich die zahlreichen, liebevollen Details der Ausstattung und der Inszenierungsideen erst so richtig geniessen. Da rollt etwa eine Karawane von 18 eiförmigen, erbsengrünen Feldforscher-Kleinstwohnwagen Über die schwedisch/norwegische Grenze, die nur von einem einzigen Grenzposten bewacht wird.
 
Kurz darauf positioniert Folke sein seltsames Gefährt vor dem Haus Isaks, um dort zu wohnen, und er baut seinen Hochsitz in dessen Küche auf. Das findet Isak alles andere als komisch, er meidet daraufhin die Küche, kocht in seinem Schlafzimmer und bohrt zur Beobachtung des Beobachters ein Loch in den Boden.
 
Das Verrücken eines Salzfässchens durch Folke führt zur eigentlichen 'Actionszene' des Films, durch die die beiden Männer schliesslich anfangen miteinander zu reden. Aber keine Sorge, auch die ersten 30 Minuten des Films sind sehr spannend, denn die lebendige Mimik der beiden gestressten Alten erz¨hhlt ihre ganz eigene Geschichte.
 
Wären Arthur und Joel Coen Norweger, sie würden einen Film wie diesen machen: KITCHEN STORIES - die offizielle Einreichung Norwegens für den diesjährigen Oscar - ist eine extrem eigenwillige, schräge Geschichte über zwei eigenbrödlerische alte Herren, denen es dennoch gelingt, eine Freundschaft zu schliessen, die die Herzen der Zuschauer in diesen kalten Wintertagen warm werden lässt.
 
Das Bonusmaterial: Aus den Produktionsnotizen – einer elfseitigen Texttafel – erfahren wir, daß der norwegische Regisseur Bent Hamer zwar 1956 in Norwegen geboren ist, aber in Schweden, genauer gesagt in Stockholm erst Filmtheorie und Literatur studierte, und danach die Filmhochschule absolvierte. Bekannt geworden ist er vor knapp zehn Jahren mit seinem skurrilen Film EGGS, der die Haßliebe zwischen zwei 70-jährigen erzählt. Unförmig, glatzköpfig und an den Rollstuhl gefesselt bewacht der eine von ihnen mißtrauisch eine Kiste Vogeleier.
 
Eine ähnliche Konstellation wie in KITCHEN STORIES, in dem ebenfalls zwei Männer auf sich zurückgeworfen sind, und der eine von ihnen an seinen Hochsitz gefesselt ist. Wir erfahren viel darüber, wie der Regisseur vor 25(!) Jahren bereits auf die Idee zu KITCHEN STORIES gekommen ist. Das schwedische Forschungsinstitut für Haushalte, das HFI z.B. gab es wirklich. Bent Hamer und sein Drehbuchautor besuchten zwei Damen – eine 93-jährige und eine über 100-jährige – die den beiden Auskunft über ihre damalige Arbeit bei der HFI gaben. Der Kommunikation (unter Männern) ist ein eigenes Kapitel gewidmet, zu Recht, denn es überrascht, wie sparsam und effizient der Regisseur mit Worten umzugehen vermag. Er sagt selbst dazu: „Mein Film kommt mit wenig Dialog aus, aber ich bin nicht wirklich dialogfeindlich. Dies ist eine Art, das, was ich erzählen will, zu fokussieren und zu präzisieren.“
 
Das 24-minütige Making Of von Hilde Malme konzentriert sich vor allem auf die Arbeit des Kameramannes Philip Øgaard. Es gibt aber auch einen guten Überblick über die herrschenden Drehbedingungen bei Tiefschnee und Kälte. Regisseur Bent Hamer erklärt seinen Tagesablauf und betont dabei die vielen einsamen Stunden, die er nachts noch über den zu drehenden Szenen des nächsten Tages verbringt, aber er will „stets gut vorbereitet sein“.
 
Der Trailer ist einmal in der Originalversion und einmal deutsch synchronisiert vorhanden – inhaltlich sind sie identisch. Weitere Trailer gibt es zu DIE GESCHICHTE DES WEINENDEN KAMELS, IN THIS WORLD, TAKESHI KITANOS DOLLS und ZUG DES LEBENS.
 
Weitere, besonders hübsche Appetithäppchen der Bonus Tracks sind die beiden kurzen Werbefilme aus den frühen 60er Jahren: DEN FRAUEN ZULIEBE präsentiert 2 Minuten lang einen deutschen Werbefilm für die moderne Küche. Am Ende des Spotts sagt das Ehepaar gleichzeitig: „Die Gruco-Polyester Anbauküche, die auch sie sich anschaffen sollten“. DAS HERZ DES HEIMS beginnt mit zwei Puppen, die in einer Höhle um ein Feuer sitzen, die Stimme aus dem Off weiß: „Das Feuer war heilig und durfte nie verlöschen“. Über kurzen Ausschnitten aus dem 15. und dem 19. Jahrhundert landen wir in der modernen Küche, in der alle Schranktüren wie von Geisterhand geöffnet werden und stolz eine ganze Palette von AEG Küchengeräten präsentiert wird.
 
Nana A.T. Rebhan
 
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Kitchen Stories
(Salmer fra kjokkenet)
Ein Film von Bent Hamer
Norwegen 2003
95 Min., 35mm (1:1,85) Deutsche Fassung und OmU, Dolby SR
Kinostart vom 04. Februar 2004
 
Sprache: Deutsch, Originalsprache (Schwedisch und Norwegisch)
Deutsch: DD 5.1 • Dolby Surround 2.0 
Schwedisch: DD 5.1 • Dolby Stereo 2.0
Untertitel: Deutsch (ausblendbar)
Bild:16 : 9 (1:1,85 anamorph)
Extras:
- Trailer (deutsch + original)
- Produktionsnotizen
- Making Of
- Die ideale Küche
- Trailershow

Erstellt: 08-11-04
Letzte Änderung: 08-11-04