Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Stummfilm > Stummfilm auf ARTE > Klassiker der Filmavantgarde

Stummfilm

Filmstudie eines verblendeten, korrupten Arbeiterfunktionärs, gedreht von Meisterregisseur Jaques Feyder.

Stummfilm

Freitag 21. April 2006 um 00.50 Uhr - 13/04/06

Klassiker der Filmavantgarde

Klassiker der Filmavantgarde, das sind Kurzfilme der deutschen Filmavantgarde - Walter Ruttmann, Hans Richter, Oskar Fischinger - und ein Langfilm der Grande Dame der französischen Filmgeschichte, Germaine Dulac. Unter den bekannteren Klassikern ist eine veritable Fernsehpremiere: Opus 1 von Walter Ruttmann: aktuell farbrestauriert vom Filmmuseum München mit der Originalmusik von Max Butting aus dem Jahr 1921.

Kurzfilme, Deutschland ZDF, Erstausstrahlung, 40 Min.

  • Seelische Konstruktionen
(Oskar Fischinger, 1927)
Seelische Konstruktionen wandelt eine einfache Situation - zwei Männer betrinken sich in einer Bar und stolpern nach Hause ins Bett - in einen formal virtuosen Film, der auf den ersten Blick wie ein Scherenschnitt-Film in der Manier von Lotte Reiniger wirkt, aber noch geschmeidiger in seinen Bewegungen ist. Fischinger hatte dafür eine geniale Methode entwickelt: Er strich eine dünne transparente Tonschicht auf eine Glasplatte, die unterhalb der Animationskamera angebracht war. So konnte er die Figuren modellieren und sie beim Drehen durch Wegschneiden, Hinzufügen und Eingriffe in die Form verändern. Entstanden ist dabei eine surreale Komödie - Schatten in ständiger Metamorphose, die sich wie Krakenarme verändern, erweitern, strangulieren und auch den Zuschauer beim Wickel packen.

  • Rhythmus 21
(Hans Richter, 1921)
Rhythmus 21 ist der erste der Rhythmus-Filme, die Richter in den Jahren 1923-1925 schuf. Richter betrachtete sie als Experiment, weniger im Bereich des Films, sondern vielmehr auf der Ebene seiner Malerei, von der er sich im Gegensatz zu Ruttmann auch mit der Hinwendung zum Film nicht entfernte.

  • Vormittagsspuk
(Hans Richter, 1928)
"Nachdem Eisenstein meinen kleinen Film "Vormittagsspuk" gesehen hatte, verlangte er zu wissen, was ich damit sagen wollte. Als ich ihm erzählte, wie das Ganze sozusagen aus sich selbst und dem Spiel der Bewegungen entstanden war, glaubte er mir nicht. 'Man muss doch einen Plan im Kopf haben' sagte er, 'ehe man anfängt.' Das war's ja gerade. Den hatte ich eben nicht, als ich anfing, sondern erst, als ich aufhörte ... Als ich nämlich feststellte, dass es eine Rebellion der Objekte geworden war ."

  • Filmstudie
(Hans Richter, 1928)
Vormittagsspuk von Hans Richter"Geometrische Begriffe ordnen sich zum Reigen. Dreiecke machen feierliche Schwünge. Das All beginnt zu kreisen, im Rhythmus. In Bewegung und Gegenbewegung spielen Licht und Schatten ineinander, gegeneinander, Figuren lösen sich ab, fließen zusammen, entstehen neu. Das Licht- und Schattenspiel zeigt die Verbindung zwischen Optik und Empfindung auf. Der Film legt die Beziehungen bloß, zwischen Tanz, Musik und der dem Auge sichtbaren Bewegung abstrakter Figuren. Die Brücke ist geschlagen."
(Film-Kurier, Nr. 14, 16.01.1928).

  • Opus 1
(Walter Ruttmann, 1921)
"Ruttmann war stets ein eifriger Besucher des Kinos gewesen, und alle Bewegungsvorgänge im Kino hatten ihn in der Evolution der Linie stark gefesselt. So kam er, der den Film optisch auffasste, dazu, ein 'bewegtes' Bild schaffen zu wollen. Er konstruierte einen Tricktisch und schuf seinen Film Opus 1. Seine große Musikalität hat ihn in mehrfacher Beziehung beeinflusst. Ich war ursprünglich nicht davon überzeugt, dass zu dem Film Musik notwendig sei; denn tatsächlich war der Film eine dreiteilige Sonate. Als Maler, dem die Zeitkomponente in seinem Werk fremd war, hatte er eine zeitlich aufgelöste Form suchen müssen, und da hielt er sich an seine musikalischen Erfahrungen. Ich schrieb ihm schließlich die Musik. An dem Zueinanderpassen von Musik und Film war nichts auszusetzen, wohl aber daran, dass beides zu gut zueinander passte: ein Teil des Publikums behauptete, der Maler hätte die Musik, ein anderer Teil, der Musiker hätte die Malerei porträtähnlich wiedergegeben."
(Max Butting, aus dem Nachlass)

  • Studie Nr. 7
(Oskar Fischinger, 1930/31)
In jeder seiner 16 aufeinander folgenden Studien wählte Oskar Fischinger ein anderes optisches Thema, so dass jeder dieser Filme einen eigenen Charakter besitzt und die Filme in einer Art serieller Beziehung zueinander stehen. Für Studie Nr. 7 zu Brahms Ungarischer Tanz Nr. 5 teilte Fischinger die Bildfolge in zwei kontrastierende Abschnitte: ein scharfes, kraftvolles Furioso rasierklingendünner Ebenen, die sich an perspektivischen Linien entlang durch einen tiefen Raum auf den Betrachter zu bewegen, und eine Anzahl langsamer Zwischenspiele, in denen trägere, weiche Formen sich in jugendstilhaft organischer Verschlungenheit umeinanderranken.

  • Komposition in Blau
(Oskar Fischinger, 1935)
Hans Richter (1888-1976)Dieser Film ist der letzte in Deutschland entstandene Film von Oskar Fischinger, der ihn noch auf dem Filmfestival in Venedig vorstellen konnte, wo er zwar keine offizielle Auszeichnung erhielt, aber ein großer Publikumserfolg war. So war es denn kein Zufall, dass auch Ernst Lubitsch das Werk kannte und für Oskar Fischinger ein Engagement beim US-amerikanischen Filmstudio Paramount vermittelte, was den Beginn seiner amerikanischen Karriere einläutete.

Erstellt: 13-04-06
Letzte Änderung: 13-04-06