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Quo vadis, Kuba?

47 Jahre war der kubanische Revolutionsführer Fídel Castro an der Macht. Er hat aus Kuba jene sozialistische Republik gemacht, deren Zukunft heute ungewisser ist denn je.

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13/04/07

Kleine Geschichte Kubas

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1492 – 1902 Kolonialisierung und Unabhängigkeit

Bis 1492: Auf Kuba leben die Indianerkulturen der Kariben. Am 27. Oktober 1492 entdeckt Christopher Columbus (Cristóbal Colón) die Insel, als er auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien ist. In den folgenden Jahrzehnten kolonisieren die Spanier Kuba und vernichten dabei die meisten der dort lebenden Ureinwohner.

1762: Britische Truppen erobert Havanna. In der kurzen Zeit des Freihandels bemerkt das kreolische Bürgertum auf Kuba, wie viel Geld ohne die kolonialen Fesseln Kubas zu verdienen wäre. Ein Jahr später wird Kuba allerdings im Frieden zu Paris wieder Spanien zugeschlagen.

19. Jahrhundert: Nach den Unabhängigkeitskämpfen in Süd- und Mittelamerika wird Kuba zur wichtigsten Kolonie Spaniens. Die Insel wird zum Zucker- und Kaffeelieferanten, wirtschaftlicher Aufschwung und der industrielle Einsatz von Sklaven sind die Folge. Die Unzufriedenheit der Kreolen mit der spanischen Herrschaft nimmt zu, erste Rufe nach Autonomie werden laut. Das Scheitern einer Delegation, die 1868 in Madrid eine größere Selbständigkeit zu erlangen sucht, stärkt die seperatistischen Strömungen.

Immer wieder gibt es Überlegungen und Versuche, Kuba an die USA anzuschließen. Nach verschiedenen Putschversuchen und Kämpfen ist Kuba schließlich die letzte spanische Kolonie, die 1898 nach 30-jährigem Guerillakrieg ihre Unabhängigkeit gewinnt. Allerdings wird Kuba in den Friedensverhandlungen zwischen Spanien und den USA den USA zugeschlagen.

1902: Erste Verfassung, die auf Druck der USA das so genannte Platt Amendment enthält: Es sichert der USA jederzeit militärisches Eingreifen zu, falls sie ihre Interessen oder ihr Eigenturm auf Kuba in Gefahr sehen. Zwischen 1906 und 1919 intervenieren die USA mehrfach militärisch und bestimmen Präsidenten von ihren Gnaden.

1925: General Gerardo Machado Morales gelangt mit tatkräftiger Unterstützung der amerikanischen Industriellen Rockefeller, Guggenheim und Morgan ins Präsidentenamt. Der „Tropische Mussolini“ installiert eine extrem nationalistische Regierung und unterdrückt, verfolgt und ermordet politische Gegner.

Als Gegenbewegung entsteht bald ein breites Bündnis von der bürgerlichen Oberschicht bis hin zur Arbeiterklasse, die den Diktator Machado 1933 schließlich stürzt. Neuer Machthaber wird Fulgencio Batista Zaldívar.

Fidel Castro, Birán 1928
Bildrechte: BR / © Staatsrat Kuba



1940-1944: Fulgencio Batista ist bis 1944 Präsident Kubas, wird dann von Carlos Prío abgelöst. Allerdings lässt ihn Batista 1952 stürzen und erreichtet ein korruptes Regime, unter dem es zur Abschaffung der Verfassung und zur Unterdrückung der Opposition kommt.






Die Kubanische Revolution

26. Juli 1953: Eine Guerilla-Truppe unter der Führung des Rechtsanwaltes Fidel Castro verübt einen Angriff auf die Moncada-Kaserne von Santioago. Obwohl der Überfall scheitert, gilt der Tag als der Beginn der Revolution, deren Ziele Sozialreformen, Demokratie und die Wiederherstellung der Verfassung von 1940 sind.

1. Januar 1959: Castros Revolutionäre erobern die Hauptstadt Havanna, der Diktator Fulgencio Batista flieht ins Exil. Obwohl er vorher angekündigt hat, kein politisches Amt zu wollen, übernimmt Fidel Castro am 16. Februar das Amt des Ministerpräsidenten.

1959 – 1989 Kuba nach der Revolution

17. Mai 1959: Einführung einer Land- und Agrarreform, die privaten Großgrundbesitz – darunter auch den von Castros Familie – beseitigt, die Bildung von Kooperativen und staatlichen Betrieben ausruft und den Landbesitz für Ausländer verbietet.

Juli 1960: Die USA verhängen ein partielles Handelsembargo über Kuba.

17. April 1961: Invasion in der Schweinebucht: Von dem amerikanischen Geheimdienst CIA unterstützte Exilkubaner scheitern bei einem Angriff in der Schweinebucht. Ziel der Invasion war, einen provisorischen Flugzeuglandeplatz auf Kuba so lange militärisch abzusichern, bis die in Miami gebildete kubanische Exilregierung landen und per Funk die USA um militärische Hilfe bitten konnte. Die Schweinebucht – an der Küste des Sumpfgebietes Cienaga de Zapata und am Rande des Escambray-Gebierges gelegen – schien auf Grund der Einsamkeit der ideale Standort.

Allerdings scheitert der Plan, weil die Truppen der Exilkubaner nach drei Tagen aufgerieben sind, die Piste nicht halten und den „Hilferuf“ der Exilregierung nicht absetzen können. Damit ist die politisch notwendige Voraussetzung für ein Eingreifen der USA nicht gegeben. Der gerade gewählte US-Präsident John F. Kennedy bricht die gesamte Aktion ab.

2. Dezember 1961: Die Sozialistische Republik auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus wird proklamiert. Zwei Monate später, im Februar 1962, verhängen die USA ein totales Handelsembargo auf alle Einfuhren aus Kuba.

Ende Dezember 1961: Castro kann verkünden, dass Kuba „vom Analphabetismus befreites Territorium“ ist. Innerhalb von nur zwei Jahren haben rund eine Millionen Kubaner Lesen und Schreiben gelernt – ein Erfolg, der vor allem in der dritten Welt hohe Anerkennung findet.

Oktober 1962: Kuba-Krise

Nach dem Scheitern der Invasion in der Schweinebucht, gibt es im Umfeld von US-Präsident Kennedy Überlegungen, Kuba ein weiteres Mal anzugreifen. Allerdings fehlt ein brauchbarer Vorwand, um einen völkerrechtswidrigen Angriff mit US-Truppen zu rechtfertigen. Gleichzeitig hat Kuba nach dem Angriff in der Schweinebucht die Sowjetunion um Atomraketen gebeten, um einen weiteren Angriff auf Kuba zu verhindern. Da die USA an der türkisch-sowjetischen Grenze ebenfalls Atomwaffen stationiert hat, sieht die Sowjetunion darin einen legitimen Schritt des „Gleichziehens“ im Sinne der gegenseitigen Abschreckung während des Kalten Krieges.

Als die Berater des US-Präsidenten im September 1962 die Atomraketen vor Kuba entdecken, scheint der willkommene Anlass für einen Angriff auf Kuba gefunden zu sein. Im Oktober 1962 verhängen die Amerikaner eine totale Blockade über Kuba und bedrohen sowjetische Handelsschiffe mit Warnschüssen. Der Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion scheint gefährlich nahe.

Nach Geheimverhandlungen stimmen die USA jedoch dem Abbau ihrer Atomraketen in der Türkei zu und willigen ein, keine weiteren Angriffe auf Kuba vorzubereiten. Im Gegenzug baut die Sowjetunion ihre Raketenbasen auf Kuba wieder ab.

Juli 1964: Auf Druck der USA wird Kuba aus der Organisation Amerikanischer Staaten ausgeschlossen. Alle lateinamerikanischen Staaten, mit Ausnahme Mexikos, brechen ihre diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab.

1967: Che Guevaras Guerilla-Expedition nach Bolivien scheitert, er wird dort vom bolivianischen Militär ermordet.

1971: Der Dichter Heberto Padilla wird inhaftiert und zu öffentlicher Selbstkritik gezwungen. Das so genannte „graue Jahrfünft“ der dogmatischen Kulturpolitik beginnt.

Juli 1972: Kuba tritt dem „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (COMECON) bei, der Wirtschaftsorganisation der Ostblockstaaten.

1973: Kubanische Truppen unterstützen die arabischen Armeen von Ägypten und Syrien bei ihrem Angriff auf Israel im Jom-Kippur-Krieg.

Juli 1975: Die Organisation Amerikanischer Staaten beendet ihre Sanktionen gegen Kuba.

Februar 1976: Eine neue Verfassung tritt in Kraft

Dezember 1976: Fidel Castro übernimmt neben seinem Amt als Ministerpräsident auch das des Präsidenten der Republik.

1989 – 2005 Kuba nach Ende des Kalten Krieges

Der Zerfall des Ostblocks löst eine katastrophale Wirtschaftskrise mit erheblichen Versorgungsengpässen aus, da vor allem die Wirtschaftshilfe aus der Sowjetunion weg bricht. Auch fehlen die günstigen Handelsbeziehungen zu den ehemals verbündeten Ländern. Die Regierung Castro reagiert darauf mit der so genannten „Período Especial en Tiempos de paz“, der Sonderperiode in Friedenszeiten. Öffentlicher Transport und Verkehr kommen weitgehend zum Erliegen, um Energie zu sparen werden Stromsperren verhängt, die Mitte der 90er-Jahre zwischen sieben und zwölf Stunden am Tag betragen. Parallel zu der Wirtschaftskrise erlebt jedoch der Tourismus einen großen Aufschwung.

Juni 1993: Die letzten Truppen der ehemaligen Sowjetunion verlassen Kuba

Juli 1993: Tiefpunkt der Wirtschaftskrise: Castro verkündet die Legalisierung des Dollars.

August 1994: In Havanna kommt es zu den schwersten regierungsfeindlichen Unruhen seit der Machtübernahme von Fidel Castro. Als Folge hebt Castro zwei Tage später die Küstenüberwachung auf. Damit wird die größte Massenflucht seit der Revolution ausgelöst.

März 1995: Kuba tritt dem Vertrag von Tlateloco bei, der die Verbreitung von Atomwaffen in Lateinamerika untersagt.

März 1996: US-Präsident Bill Clinton unterzeichnet mit dem Helms-Burton-Gesetz ein weiteres Embargo-Dekret, das auf Grund seiner klaren bis demütigenden Bedingungen eine Annäherung der beiden Staaten unmöglich macht.

Januar 1998: Papst Johannes Paul II besucht Kuba

2000: Um den sechsjährigen Elián Gonzáles, dessen Mutter bei einem Fluchtversuch in die USA ertrinkt, entzündet sich ein politischer Streit. Während die Exil-Kubaner Elián in Miami behalten wollen, mobilisiert die kubanische Regierung monatelang Massenkundgebungen für seine Rückkehr. Schließlich erhält der in Kuba lebende Vater von der US-Justiz das Sorgerecht und Elián kehrt auf die Insel zurück.

Mai 2002: Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter besucht Kuba und wirbt in einer vom Fernsehen live übertragenen Rede für einen grundlegenden politischen Wandel und eine von Dissidenten eingebrachte Referendumsinitiative. Das so genannte „Varela-Projekt“ reicht 10.000 Unterschriften im Parlament ein, mit denen ein Referendum über einen politischen Systemwechsel gefordert wird.

März 2003: Castro lässt über 80 Oppositionelle und Dissidenten verhaften, 75 von ihnen werden in Eilverfahren zu hohen Haftstrafen zwischen 17 und 23 Jahren verurteilt, darunter so bekannte Regimegegner wie Osvaldo Alfonso Valdés oder Raúl Rivero Castaneda. Ihnen wird vorgeworfen, sich „subversiv“ betätigt und mit den USA zusammengearbeitet zu haben. Trotz weltweiten Protests befinden sich bis heute über 70 von ihnen noch in Haft.

Mai 2005: Kuba und Venezuela gründen die ALBA, die „Bolivarianische Alternative“ zur ALCA, der US-dominierten Wirtschaftsgemeinschaft. Kuba unterstützt Venezuela mit Ärzten und Lehrern und erhält dafür in großem Umfang Öl zu Sonderkonditionen.

Von Susanne Amann

Erstellt: 20-07-06
Letzte Änderung: 13-04-07