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Managergehälter und Hungerlöhne

Immer mehr Beschäftigte sind zu Geringverdienern geworden. Die Gehälter von Topmanagern hingegen klettern in astronomische Höhen.

Managergehälter und Hungerlöhne

10/11/08

Die Armen werden ärmer, die Reichen immer reicher

Kommentar von Ulrike Bieritz, RBB, ARD-Hauptstadtstudio Berlin


Deutschland ist auf der Versagerspur - das stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) immer und immer wieder fest. Bei Pisa landen wir regelmäßig auf den hinteren Plätzen und jetzt nähern wir uns auch noch an den OECD-Durchschnitt an in Sachen Armut und Reichtum. Die Armen werden ärmer, die Reichen immer reicher - auch und gerade in Deutschland.

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird breiter

Vor allem die hohen Einkommensgruppen haben überproportional mehr verdient in den vergangenen Jahren - und immer mehr andere Menschen haben kaum mehr das Nötigste zum Leben. Dass vor allem die Kinderarmut erheblich zugenommen hat und mittlerweile auf dem Niveau von Tschechien, Kanada und Neuseeland liegt, ist auch nicht gerade beruhigend.
Wirklich neu sind die Erkenntnisse in der Tat nicht, bestätigen doch der Armutsbericht der Bundesregierung und andere Studien dieses schon seit Jahren. Jetzt haben wir es nur noch einmal schwarz auf weiß von der OECD bescheinigt bekommen, die 30 Länder von 1985 bis 2005 untersucht hat.


Der Abwärtstrend geht weiter

Die Gründe für den Abstieg sind schnell erzählt: hohe Arbeitslosigkeit, Zunahme der Alleinerziehenden- und Singlehaushalte, ohne dass sich das Steuersystem, das mehr auf die klassische Ehe ausgerichtet ist, darauf einstellt, Transferleistungen, die nicht bei den richtigen ankommen, und die Zunahme geringfügiger Beschäftigung. Dass die OECD für 2007 eine Besserung bescheinigt - wegen der gesunkenen Arbeitslosenzahlen aufgrund der besser laufenden Wirtschaft - mag wissenschaftlich zwar richtig sein und kurzfristig auch stimmen. Der Abwärtstrend wird weitergehen: Die Konjunktur stoppt, Bankenkrise, Rezession. Deutschland ist auf dem besten Weg, sich in die unteren Durchschnittssphären der OECD-Länder, quasi ins Armenhaus, zu bewegen.
Mehr Ungleichheit trotz Wachstum?
Die wichtigsten Ergebnisse der OECD-Studie.

Dabei gehören wir immer noch zu den reicheren Ländern, leisten Zahlungen in alle Welt, haben ein Gesundheits- und Sozialsystem, von denen Menschen in anderen Ländern, wie den USA, nur träumen können. Unglaublich viel Geld fließt in die Sozialsysteme und geht als Unterstützung an die, die wenig haben. Aber es kommt nicht an und genommen wird es nicht von denen, die viel haben. Der Mittelstand ist Verlierer. Besonders einschüchternd: Wer arme Eltern hat, bleibt in der Regel selbst auch arm, und in keinem Land gibt es so viele Haushalte, in denen überhaupt keiner mehr arbeiten geht.


Arbeit muss sich lohnen, das heißt auszahlen

Mehr Geld in die Sozialsysteme zu pumpen, ist nicht die Lösung. Vielmehr müssen die Transferleistungen bei den richtigen ankommen, muss sich das System auf die Veränderungen einstellen. Der Weg mit Hartz IV war der richtige: Arbeit unterstützen und nicht Arbeitslosigkeit ist ein Ansatz. Dank der guten Konjunktur haben wieder mehr Menschen einen Job. Es kann aber nicht sein, dass sie dann so wenig verdienen, dass sie noch zusätzlich Geld vom Staat bekommen müssen. Arbeit muss sich lohnen, das heißt auszahlen. Es läuft etwas verdammt falsch in einem Land, in dem Menschen mehr Geld in der Tasche haben, wenn sie nicht arbeiten, als diejenigen, die Tag für Tag im Friseurladen oder im Supermarkt Dienst schieben; in dem es normal ist, auf Hartz IV zu sein.


Die Wirtschaft darf nicht nur fordern

Politik kann hier vielleicht Rahmenbedingungen schaffen und dafür sorgen, dass Gelder bei den Richtigen ankommen, und das Ausruhen in der sozialen Hängematte nicht noch belohnen. Aber auch die Wirtschaft muss was tun: Arbeit muss sich auszahlen, fordert die OECD. Arbeit muss sich lohnen, fordern die Arbeiter. Ich finde: Die Wirtschaft hat auch eine Verantwortung für dieses Land und die Menschen. Sie kann nicht immer nur nehmen und sich aus der Patsche helfen lassen, wie jetzt die Banken, und sich mit unserem Geld - also dem Geld der Steuerzahler - retten lassen. Unternehmen funktionieren, weil es Mitarbeiter gibt, die den Laden am Laufen halten. Das gehört anständig bezahlt - zum Beispiel.

Erstellt: 04-11-08
Letzte Änderung: 10-11-08