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DVD-News - 25/10/06

Klute

Ein Film von Alan J. Pakula


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  • Synopsis

Für eine Firma soll sich Privatdetektiv Klute (Donald Sutherland) auf die Suche nach einem verschollenen leitenden Angestellten machen, der zuletzt in New York an der Seite des Luxus-Callgirls Bree Daniels (Jane Fonda) gesehen wurde.


  • Kritik

Kein anderer Regisseur vermochte in den 70er Jahren seinen (Polit-)Thrillern mit subtilsten Mitteln so viel Thrill und Paranoia einzuhauchen, wie Alan J. Pakula („The Parallax View“, „All the President’s Men“). Sein frühes Meisterwerk „Klute“ ist nach „Pookie“ erst sein zweiter Film. Zuvor hatte der frühere Psychologiestudent Pakula aber bereits als Produzent mehrere Robert-Mulligan-Filme einschlägige Erfahrungen gesammelt. „Klute“ atmet bereits das unheilvolle Flair der Post-68er-Stimmung, als John F. und Bobby Kennedy, Martin Luther King und andere bereits bleibeschwert unter der Erde lagen und inmitten der Nixon-Ära und des sinnlosen Vietnamkrieges absehbar wurde, dass die Vision von einer freieren und gerechteren Gesellschaft von weitaus mächtigeren antihumanistischen Kräften beizeiten in die Knie gezwungen werden würde.

So sind es in „Klute“ bereits eine undurchsichtige amerikanische Firma und ihre macht- und sexhungrigen CEO’s, von der das verschwörerische Unheil für die Figuren ausgeht. Zwar sitzt man einträchtig bei einer Betriebsfeier beieinander, doch hinter akkurat gebundenen Krawattenknoten und feinstem Anzugszwirn sind dunkle Triebe wirksam, die sich bei gelegentlichen geschäftlichen Abstechern ins Sündenbabel New York frei entfalten dürfen. Aber nur dort.

Wer von solchen Abgründen vorerst nichts ahnt, ist Klute, ein Schlacks aus dem Mittleren Westen. Sein Ermittlungsstil ist so geradeaus, wie es in Amerika nur ein einfaches Gemüt vom Lande zustande bringt. Ausgerechnet er trifft in Manhattan auf das durchtriebene Edel-Callgril Bree Daniels, die es im Jahr auf über 600 gut betuchte Kunden bringt und damit an Zuhältern wie Gesetzeshütern vorbei sehr gutes Geld verdient. Eigentlich möchte sie ja viel lieber Schauspielerin werden, doch der Verdrängungswettbewerb ist hart, trotz ihres Talents, dessen Zeuge Klute bei einer seiner Beschattungsmaßnahmen wird.

Dass sich zwischen diesen Menschen mit den größtmöglichen Unterschieden, was Charakter und Herkunft betrifft, eine zarte, romantische Liebesgeschichte anbahnt, ist eines jener Wunder, die die Leinwand verzaubern und dem Zuschauer ein Stückchen Glauben an die Welt zurückgeben. Zumal Pakula als Kuppler extrem einfühlsam und ohne falsche Romantik zu Werke geht und, assistiert von zwei Schauspielern auf dem Gipfel ihres Könnens, ihre innersten Geheimnisse unangetastet lässt. Jane Fonda brilliert als ‚sexiest woman alive’ - zumindest, was die frühen 70er anbetrifft - und ist dabei doch als allein stehende Frau im selben Moment ebenso stark wie verletzlich.

Nur ihrer Psychologin (und damit auch uns, dem Zuschauer) offenbart sie den täglichen inneren Kampf ihrer Dämonen, an dem sie, die scheinbar mühelose Beherrscherin männlicher Instinkte, beinahe schon zerbrochen ist. Pakula zeichnet mit ihr auch ein Bild der modernen emanzipierten Großstädterin, deren Selbstbehauptungswille gegenüber männlichen Beherrschungsformeln zur Falle gerät. Wäre da nicht Klute und das von ihm personifizierte sehr altmodische Modell eines Edelmanns vom Lande, der, klug genug, um vordergründigen weiblichen Signalreizen zu widerstehen, die Fähigkeit besitzt, hinter dem Spiegel die wahre Schönheit dieser Edelhure zu erkennen.

Lange lässt Pakula den Zuschauer mit seinen großartigen, beklemmende Einsamkeit ausstrahlenden Bildern (Kamera: Gordon Willis) und seinem sirenenhaften Soundtrack (Michael Small) in dem Gefühl, dass es mit dieser Liebe und der Gerechtigkeit kein gutes Ende nehmen wird. Schließlich ist auch Bree Daniels fest davon überzeugt, dass das Leben auf dem Land nun wirklich gar nichts für sie ist. Aber Klute, der Stoiker, hat da noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Martin Rosefeldt



Klute
Ein Film von Alan J. Pakula
Darsteller: Jane Fonda, Donald Sutherland
USA, 1971, 110’, 2.35:1 (16:9)
Warner Brothers Entertainment
Sprachen: Deutsch, Englisch,
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Erstellt: 24-10-06
Letzte Änderung: 25-10-06