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Mittwoch, 25. Juni 2008 um 22.35 Uhr - 25/06/08

Knallhart

Ein Film von Detlev Buck


Buck macht ernst – Außenseiterdrama aus dem Zentrum des sozialen Niedergangs.

Von Detlev Buck
Deutschland, 2006
Mit David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Oktay Özdemir, Jan Henrik Stahlberg u.a.

Synopsis: Michaels Leben ändert sich schlagartig, als er mit seiner Mutter von deren reichem Freund aus der Zehlendorfer Villa geworfen wird. Für ein neues Zuhause reicht es gerade mal im heruntergekommenen Neukölln, wo dem Fünfzehnjährigen vom ersten Schultag an ein rauher Wind entgegenschlägt. Von seinem Mitschüler Erol und dessen Gang als neues Schikaneopfer auserkoren, ist er Bedrohungen und Prügel hilflos ausgeliefert – bis er selbst in weitaus mächtigere Kreise aufsteigt. Als Kurier einer Drogenmafiabande genießt er deren Schutz und bringt obendrein noch Geld nach Hause. Die Wogen scheinen sich zu glätten, aber eines Tages sorgt Erol dafür, dass Michael das Geld eines Kunden abhanden kommt.

Kritik: Mit „Knallhart“ beweist Detlev Buck, dass auch ein gestandener Filmemacher noch für Überraschungen sorgen kann. Sei es vor oder hinter der Kamera, sein Name ist verknüpft mit skurrilen Komödien und bis zur Karikatur überzeichneten Figuren. Nach einer längeren Regie-Auszeit, die er als Nebendarsteller in den Filmen anderer verbrachte, hat er sich nun aber eines ungewohnt drastischen Stoffes angenommen, dessen harte und dokumentarisch anmutende Inszenierung sich so gar nicht in eine Reihe mit Filmen wie „Wir können auch anders“, „Männerpension“ oder „Liebesluder“ bringen lassen will.


Doch der Mut zum Neuen hat sich gelohnt – in „Knallhart“ legt Buck eine Sensibilität für dessen bittere Thematik an den Tag, die darauf hoffen lässt, dass dies nicht sein einziger Ausflug in die Gefilde des Dramas bleiben möge. Dabei ist das Grundmotiv der Geschichte, die der Film nach einem Roman des Co-Autors Gregor Tessnow erzählt, nicht gerade neu. Buck gelingt es aber, den Zuschauer gleich zu Beginn eng an den Protagonisten zu binden, indem er beide in eine Parallelwelt hineinwirft, der sie zunächst gleichermaßen ohnmächtig gegenüberstehen. Die durch diese ähnliche Ausgangssituation ermöglichte Identifikation mit der Wahrnehmung des Außenseiters vermag David Kross dank seiner unaufgesetzten Darstellung des Michael Polischka bis zum fatalen Ende hin zu erhalten. Den Weg vom unbedarften Neuankömmling zu einem, der sich das geltende Gesetz des Stärkeren zu eigen macht, gestaltet er so fließend und beinahe beiläufig, dass die Figur in ihrer Entwicklung jederzeit nachvollziehbar bleibt. Neben Kross verblüfft übrigens auch Jenny Elvers-Elbertzhagen, die sich in der Rolle von Michaels Mutter wider Erwarten durchaus tapfer schlägt.

Visuell wird der konventionelle Handlungsbogen vom Absturz über den Aufstieg und weiter zum Niedergang Polischkas in klare, unvermittelte Bilder gefasst, deren kühle Blautönung die trostlose Atmosphäre noch verstärkt und gleichzeitig eine dokumentarisch-sachliche Ebene etabliert. So entsteht eine Mischung aus Inszenierung und gleichzeitiger Verweigerung einer Wertung, die „Knallhart“ weder einen unterschwelligen Zynismus noch ein falsches Mitleidspathos zugesteht. Vielmehr wird Michaels individuelle Geschichte genutzt, um die Milieustudie eines sozialen Brenn- und Schwachpunktes zu entwerfen, die frei bleibt von Schuldzuweisungen oder Rechtfertigungsversuchen. Im Gegenzug dient der genaue Blick auf die sozialen Gegebenheiten keinem reinen dokumentarischen Selbstzweck, sondern verleiht der sich zwangsläufig zuspitzenden Handlung erst ihre Glaubwürdigkeit.

Fiktion und realitätsnahe Bestandsaufnahme gehen auf diese Weise eine Symbiose ein, die einer vorschnellen Kategorisierung entgegenwirkt. Es fällt schwer, die Figuren einem oberflächlichen Gut-Böse-Schema zuzuordnen – selbst Erol ist in all seinem Sadismus nicht allein auf die Funktion eines aus rein dramaturgischen Gründen notwendigen Antagonisten zu reduzieren. Buck ist so ein sorgfältiger Blick hinter die Fassade des Klischees gelungen, mit dem er sowohl den Protagonisten als auch den multiethnischen Schmelztiegel, in dem dieser sich bewegt, genau porträtiert und dabei das Urteil über beide allein dem Zuschauer überlässt.

Jutta Klocke

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Knallhart
Von Detlev Buck
(2006, Deutschland, 98 Min.)
Mit David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Hans Löw …
Mittwoch, 25. Juni um 22.35

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Erstellt: 19-06-08
Letzte Änderung: 25-06-08