Können Fotos die Zerstörung unseres Planeten aufhalten? Führen Umwelt-dokumentationen zu einem größeren Bewusstsein für die Verletzlichkeit unserer Erde?
Zum ForumKönnen Bilder die Erde retten? Eine Frage, die zunächst absurd klingt. Denn was vermögen Bilder schon gegen die zerstörerischen Kräfte ausrichten, die Milliarden von Menschen freisetzen? Und dennoch: Bilder bestimmen auf so eindringliche Weise, wie wir unsere Welt sehen, dass ihre aufrüttelnde Funktion nicht auszuschließen ist: Ein Bild kann auf den Punkt bringen, was in Worten nur schwer zu fassen ist – sei es die Schönheit unberührter Wälder oder die Dramatik schmelzender Gletscher.
Eine der berühmtesten und bedeutendsten Fotografien der Erde ist das Bild „Earthrise“, das 1968 während der Mondumkreisung durch Apollo 8 entstand. Auf diesem Foto konnte man zum ersten Mal die Erde über dem Horizont des Mondes aufgehen sehen. Es hing als Poster in Millionen von Studentenzimmern und wurde zum symbolträchtigen Schlüsselbild der Umweltbewegung. Ich habe es in diesem Moment vor mir, auf dem Umschlag des berühmten Buchs „Wie retten wir unsere Erde?“ von Barbara Ward und René Dubos. Wie sonst kein anderes Bild zeigt es unseren Planeten als einen kleinen, verletzlichen Satelliten im All. Es war dieses Foto, das die Welt verstehen ließ, was die Umweltschützer mit der Verletzlichkeit unserer Erde meinten.
Aufnahmen der Erde und vor allem auch Satellitenbilder mit ihrer Fülle an Informationen führen das Ausmaß gewisser vom Menschen herbeigeführter Veränderungen auf dem Planeten vor Augen. Nur so wird zum Beispiel auch das Ozonloch über der Antarktis, das sich noch immer alljährlich im antarktischen Frühling bildet, in seinem ganzen Ausmaß deutlich. Dass wir Menschen es geschafft haben, eine ganze Schicht der Atmosphäre zu zerstören – noch dazu eine für das Leben auf der Erde unentbehrliche – ist erschreckend. Die vor elf Jahren im Vorfeld einer Konferenz in Montreal veröffentlichten Bilder brachten die Welt zu der Überzeugung, dass etwas unternommen werden müsste. So entstand das Montreal-Protokoll, das die Wiederherstellung der Ozonschicht zum Ziel hat.Sehen, was wir retten müssen
Doch die Vorgehensweise, mit Bildern auf den Zustand der Erde aufmerksam zu machen, birgt auch Gefahren. Brennende Wälder auf Borneo, Dürre und Hungersnot in Afrika, ins Meer stürzende Eisberge in Grönland oder Wirbelstürme in der Karibik – im falschen Kontext oder in den falschen Händen können solche Bilder auch leicht lügen. Hier muss man aufpassen. Auch glaube ich nicht, dass nur jene Bilder zur Rettung des Planeten beitragen können, die von Zerstörung und Verwüstung zeugen. Diejenigen von uns, die in den reichen Industrieländern leben, insbesondere in Europa, haben kaum Gelegenheit, unberührte Natur zu sehen. Wilde Tiere sehen wir meist lediglich im Zoo. Nur mit Hilfe der Naturfotografie – und insbesondere der bewegten Bilder auf dem Fernsehbildschirm – können wir ein Gefühl für die Natur entwickeln.
Ein Gefühl dafür, was uns in Europa verloren gegangen ist. Aber auch ein Bewusstsein für die Flecken Wildnis, die uns geblieben sind, wie das afrikanische Grasland, der Regenwald im Amazonasgebiet, die großen Flusstäler Asiens und die Eiswüsten der Polarregionen. So sehen wir mit eigenen Augen, was wir retten müssen.






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