Man hacke den Kohl mit einem möglichst scharfen Eisen, wasche ihn und lasse das Wasser ablaufen. Zusammen mit dem Kohl hacke man reichlich Koriander und Raute, besprenge ihn mit Oxymel und streue ein wenig geriebenes Silphium darüber.
Eine Schale voll von diesem Kohl [nur zu!], und es bildet sich bestimmt nichts Schlechtes in Ihrem Körper. Und wenn zuvor etwas Schlechtes vorhanden war – der Kohl treibt es aus. Sind die Augen getrübt, der Kohl macht sie wieder klar. Leidet man an Atemnot und unangenehmen Unpässlichkeiten in der Gegend von Zwerchfell und Hypochondrium oder Milzleiden – der Kohl beseitigt auch sie. Ist die
Milz übergroß – der Kohl lässt sie schrumpfen. Roher Kohl bewirkt bei Gallenleiden wahre Wunder, denn er reinigt die Blutgefäße. Auch gegen die Gicht gibt es kein besseres Mittel als Kohl, auf die genannte Weise zubereitet, früh morgens auf nüchtern verzehrt.Gegen Ruhr hilft Kohl in reichlich Wasser eingelegt und gekocht bis eine glasige Masse entsteht; dann seihe man das Wasser gründlich ab, gieße Öl darüber und lasse alles kräftig kochen. Anschließend gebe man das Ganze in einen Topf und brösele eine mehlige Paste darüber. Man kann den Kohl auch ohne alles oder kalt verzehren oder kalt servieren.
Man darf es jedoch nicht bei einem Mal bewenden lassen. Man nehme kleine Mengen dieser Mixtur mehrere Tage hintereinander am frühen Morgen ein, jedoch nicht zu viel, um Unbill vorzubeugen.
Mehlgebäck
1. Fritüren sind stets mit Öl zuzubereiten. Man gebe das Öl in einen Topf und erhitze es über einem nicht rußenden Feuer. Wenn das Öl heiß ist, gebe man Weizenmehl, in reichlich Wasser verrührt, dazu. Im heißen Öl erstarrt das Mehl und dickt wie junger Käse ein. Jetzt wendet der Koch den Klumpen, so dass die obere Seite unten in der Pfanne zu liegen kommt und die untere, bereits gebackene Fläche nach oben zeigt. Ist auch der untere Teil erstarrt, wendet er den Kuchen noch ein zweites und drittes Mal, bis er von beiden Seiten gleich gut gebacken ist.
2. Gewiss ist dieses Gericht schwer und belastet den Magen sehr. Daher verfeinere man es mal mit Honig, mal mit Meersalz. Fritüren dieser Art sind eine Art Gebäck und ähneln den Kuchen, wie sie die Landbevölkerung und die ärmeren Stadtbewohner sie zubereiten.
3. Fritüren ohne Hefe, die man im Ofenfeuer backt und gleich wenn sie aus dem Ofen kommen in warmen Honig taucht, den sie dann vollständig aufsaugen, sind ebenfalls ein Art Kuchen, genauso wie alles Fettgebackene das mit Itria mit Honig zubereitet wird. Vom Itria gibt es in zwei Sorten: Die bessere heißt Rhymmata, die schlechtere Lagana.
4. Sämtliche Gerichte, die mit Itria oder feinstem Weizenmehl zubereitet werden, liegen demzufolge schwer im Magen, sind schwer verdaulich und verstopfen die Nahrungsleiter in der Leber; sie vergrößern die bereits geschwächte Milz und erzeugen Gallensteine. Wenn sie jedoch gut verdaut werden, sind sie sehr nahrhaft und der Blutbildung zuträglich.
5. Mit Honig zubereitetes Fettgebäck hat sehr verschiedene Merkmale: Honig ist fein und verfeinert alles, womit er in Berührung kommt. Wenn Gebäck bei der Zubereitung eine größere Menge Honig aufgenommen hat und lange genug gebacken wurde, verdaut es sich leicht; es kann fein und leicht, aber auch schwer sein und wirkt auf Leber, Nieren und Milz günstiger als Gebäck, das ohne Honig zubereitet wurde, allerdings nur, wenn die genannten Organe gesund sind. Beginnen die Organe sich hingegen zu verschließen oder sind sie entzündet oder zirrhotisch, so ist honighaltiges Gebäck ebenso schädlich für sie wie anderes, manchmal sogar noch schädlicher, vor allen Dingen, wenn das Mehl sehr klebrig ist. Brust und Lunge schaden sie jedoch nicht.
6. In meinem Land ist es beliebt, Weizenmehl mit Milch zu verbacken. Dazu muss man wissen, dass derartige Gerichte an den Nahrungswegen kleben bleiben.
7. Alle Gerichte dieser Art enthalten gute Säfte und sind nahrhaft, doch regelmäßig genossen, sind sie schädlich, denn sie verstopfen die Leber, und sie verursachen Nierensteine.
Oribase, Oeuvres, (Werke von Oribase) 4. Jahrhundert
(Frei nach Daremberg und Bussemaker)






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