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DVD-News - 11/08/08

Kombat Sechzehn

Ein Film von Mirko Borscht


Coming-of-Age Film eines Jugendlichen,
der ins Milieu der Rechtsradikalen gerät

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  • Synopsis

Der 16-jährige Georg zieht mit seinem alleinerziehenden Architektenvater von Frankfurt am Main nach Frankfurt/Oder. Er gerät in eine Art Krieg mit den Jugendlichen dort, die mit rechtem Gedankengut kokettieren. Nur seine Taekwondo-Künste helfen ihm aus der permanenten Bedrohung. Als alle seine bisherigen Lebensziele wie Luftballons zerplatzen, beginnt er mit den lokalen Rechtsradikalen zu sympathisieren.

  • Der Kommentar zum Film

Mirko Borscht versucht in seinem Debütfilm eine gefährliche Gratwanderung: Sein Anspruch ist es, einen glaubhaften Film zu inszenieren zu einem Thema, das bereits diverse Male klischeehaft bearbeitet wurde. Er versucht, die Faszination, der der haltlose Georg und die anderen Jugendlichen erliegen mit filmischen Mitteln sichtbar zu machen. Die durchdachten Kameraeinstellungen von Alex Fischerhoesen fangen das monumentale Gefühl ein, das von den verlassenen Orten ausgeht, an denen sich die Neonazis versammeln. Die brachiale, pathosreiche Musik der Band „Einstufung“, die vom Regisseur und einigen Crewmitgliedern eigens für den Film gegründet wurde und die Lieder, die von den Jugendlichen selbst gesungen werden, tun ein Übriges, um diese Wirkung zu erreichen. Borschts Ansatz ist es, „die Symbole der Rechten mit dem ihnen ureigenen Pathos gegen sie zu verwenden.“ Dafür wurde er von zahlreichen Kritikern und von Zuschauern auf Festivals heftig kritisiert. Es wird ihm „Gewaltverherrlichung“ und eine „faschistische Ästhetik“ vorgeworfen. Doch diesen Leuten entgegnet er, dass sie zu früh mental aus seinem Film aussteigen. Sie bekommen dann nicht mehr mit, wie er das aufgebaute Pathos an die Wand fährt, und Georg und Thomas – der Anführer der Rechtsradikalen schmerzhaft erkennen müssen, dass sie auf dem falschen Weg waren.

Anders als viele andere Filme dieses Genres gewährt Borscht seinen Figuren ein hoffnungsvolles Ende, indem er ihnen die Chance gibt, aus der Szene auszusteigen. Bisweilen etwas zu plakativ schildert er die verschiedenen Situationen, die Georg mehr und mehr in die Arme der rechtsradikalen Gruppe drängen. Kombat Sechzehn erzählt die verschiedenen Stationen des Unverständnisses, dem sich Georg immer stärker ausgesetzt fühlt. Den Traum von der hessischen Taekwondo Meisterschaft muss er aufgeben, weil sein Vater ihn bei seinem ehemaligen Verein abgemeldet hat. Seine Freundin erwischt er in flagranti mit einem seiner früheren Kumpel und mit seinem Vater und seiner Schwester findet er überhaupt keine Gesprächsebene mehr.

Verschiedene Farbfilter weisen auf die unterschiedlichen Stimmungen des Helden hin. Dies geht bis zu einem grieseligen Bild, das auf die Auflösung der inneren Werte Georgs verweist. Sein ehemaliges Credo seines farbigen Taekwandolehrers „Das wahre Ziel des Kriegs ist Frieden“ verdrängt Georg zu Gunsten einer Gruppe Jugendlicher, bei denen er sich integriert fühlt. Sehr zart besaiteten Zuschauern sei Kombat Sechzehn nur bedingt empfohlen, denn des Regisseurs erklärte Absicht ist es, dass der Film nach dem Sehen „im Zuschauer weiterticken soll.“ Das klingt ein wenig nach einer Bombendrohung – nicht ganz zu Unrecht.

  • Das Bonusmaterial


„Ich bin Mirko Borscht, ich habe die Regie gemacht bei dem Ding,“ beginnt der Regisseur voller understatement. Recht flapsig erzählen er und seine drei Hauptdarsteller Florian Bertholomäi (Georg), Ludwig Trepte (Thomas) und Max Mauft (Philipp) Anekdoten von den Dreharbeiten. Da wurde ein Joint geraucht, da „hast du mich gezwungen, meine Koteletten abzuschneiden,“ etc. Dieser Audiokommentar ist sehr unterhaltsam. Wer es gerne ernsthafter und informativer mag, dem sei der zweite Audiokommentar dieser DVD empfohlen, in dem der Regisseur, sein Kameramann Alex Fischerhoesen und der Filmkomponist ihre Kommentare abgeben. Interessant sind hier u.a. die Diskussionen, wie weit ein Film in seinen Stilmitteln gehen darf, wenn er das Pathos bloß stellen will, an das rechtsradikale Gruppierungen anknüpfen. Dabei wird auch auf besondere Details hingewiesen, etwa dass die Kostüme der rechtsradikalen Jugendlichen im Film überhaupt nicht der rechten Szene nachempfunden worden sind. Die Jungs tragen fast alle Kleidung der Marke Fred Perry - nur ist das alleine kein politisches Statement. Als sich jedoch alle eine Glatze rasieren, wird ihre Kleidung sofort zur Uniform. Doch das passiert im Kopf des Zuschauers.

Mit großer Offenheit berichten der Regisseur und der Kameramann von den oft widrigen Umständen, die ein Dreh mit kleinem Budget mit sich bringt. Das Wetter war anders als geplant, an vielen Orten durfte nicht gedreht werden. Wirklich erschreckend fand Mirko Borscht, dass bei Szenen, in denen etwa rechtsradikale Lieder von den Schauspielern gesungen wurden, nie zufällige Passanten oder Anwohner sich beschwerten. Kommentarlos wurde alles geduldet.

Beim Drehen selbst kamen sowohl der Kameramann als auch der Regisseur an ihre Grenzen, was die Inszenierung der Gewaltszenen betraf. Etwa des berühmten Bordsteintritts, der auch in AMERICAN X zu finden ist. Borscht erklärt, dass man „den Spaß an so kranken Dingen verstehen muss, um das an die Schauspieler weitergeben zu können. (...) Diese Art von Dynamik findet eine Entsprechung in der Gesamtatmosphäre wie so etwas entsteht.“ Geholfen hat ihnen – etwa bei der Inszenierung des letzten, unbarmherzig langen Kampfes – dass dieser bis ins kleinste Detail choreographiert war. So wussten sie jederzeit, was als nächstes zu drehen war. Die insgesamt schreckliche bis bestialische Sequenz wurde so in annehmbare Häppchen verpackt. Der Kinotrailer des Films und eine Trailershow ergänzen das Angebot der Bonus Tracks dieser DVD. Die Musik der extra für den Film gegründeten Band wird übrigens nicht als Soundtrack auf CD erscheinen – wahrscheinlich, dass sie nicht in die falschen Hände gerät und - aus ihrem Kontext gerissen - scheinbar rechtsradikales Gedankengut transportiert.

Nana A.T. Rebhan


Kombat Sechzehn
Deutschland 2005, 96 Min.
Regie: Mirko Borscht
Mit Florian Bartholomäi, Ludwig Trepte, Max Mauft
Genre: Drama, Jugendfilm
FSK: ab 16

Technische Angaben
Laufzeit: ca. 89 Min.
Ländercode: 2
Sprache: Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Audio (Deutsch): DD 2.0
Audio (Englisch):k. A.
Untertitel: ausblendbar
Bildformat: 16:9 anamorph
Seitenformat: 1,78:1

Extras
- alternativer Trailer
- entfallene Szenen
- Casting / Choreographie
- „Ganz normal rechtsradikal" (Polylux-Reportage)
- Interview mit dem Regisseur
- Interview mit Redakteurin Annedore von Donop und Mirko Borscht
- Fotogalerie mit Soundtrack

Erstellt: 24-01-06
Letzte Änderung: 11-08-08