Samstag 20. Juni 2009 um 19.00 Uhr - 17/08/09
Korea – an der härtesten Grenze der Welt
Von Alexandre Dereims, Hark Joon Lee und Claire Beilvert - ARTE GEIE / Première Nouvelle – Frankreich 2009
Einer Million Menschen im Norden stehen 400 000 Menschen im Süden gegenüber – 50 Jahre Teilung, 50 Jahre Krieg der Nerven zwischen den beiden feindlichen Brüdern Nord- und Süd-Korea. Zum ersten Mal überhaupt öffnete die süd-koreanische Armee Journalisten die Tore in die demilitarisierte Zone an dieser Grenze.
Diese Zone teilt die koreanische Halbinsel in zwei Teile – über 248 Kilometer erstrecken sich die Grenzanlagen mit Stacheldraht und Wachtürmen.
Ganz vorne stehen die Wehrpflichtigen als Grenz-Beobachter in der Nacht.
Sie sind kaum 20 Jahre alt und haben noch keinerlei militärische Erfahrung. Vor kurzem noch war Nord-Korea für sie ein weit entfernter Alptraum und nun ist er zu einem Teil ihres Lebens geworden.
Zwei Prozent aller Wehrpflichtigen leisten hier ihren Dienst - sieben Monate lang, abgeschnitten vom Rest der Welt.
Es sind lange Tage an der Grenze: wecken um 13 Uhr, ein schnelles Frühstück, dann folgen Schießübungen, Waffenreinigen oder Ausbessern der Ausrüstung – am Abend beginnt ihre Wache bis zum Morgengrauen.
Mehrmals in der Woche ist Alarm. Es sind verdammt harte sieben Monate.
Dies ist ein Krieg ohne Schlacht und dennoch sterben Menschen: 2765 Wehrpflichtige haben in den letzten acht Jahren ihr Leben verloren; die Hälfte von ihnen beging Selbstmord, alle zwei Tage stirbt einer durch seine eigene Hand. 2006 warf ein junger Soldat Granaten auf seine Kameraden – acht Soldaten starben und endlich leitete die Regierung eine Untersuchung über die Gewalt in ihrer Armee ein: Schliff bis zum Umfallen, Schläge, sexuelle Gewalt; 372 Anzeigen wegen Mordes wurden erstattet – die Armee Süd-Koreas ist berüchtigt für ihre Brutalität.
Seit zwölf Jahren erst ist Süd-Korea eine Demokratie. Die Armee trägt noch immer das Erbe der Diktatur in sich und die Bedrohung durch den bösen Bruder aus dem Norden rechtfertigt für Viele jeden Missbrauch.
Erstellt: 18-06-09
Letzte Änderung: 17-08-09