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ARTE Journal - 13. Januar 2010 - 14/01/10

Kreml-treue Jugendorganisation verklagt europäische Zeitungen

Die kremltreue Jugendorganisation Naschi („Die Unseren“) hat französische und eine deutsche Zeitung verklagt, die Frankfurter Rundschau sowie die Zeitungen Le Monde und Le Journal du Dimanche. Der Vorwurf: Sie hätten falsch berichtet und die Ehre der Jugendorganisation verletzt. Die Zeitungen hatten im Oktober letzten Jahres berichtet, dass Naschi Druck auf einen regierungskritischen russischen Journalisten ausgeübt hatten und diesen bedroht haben sollen. Naschi fordert nun Schadensersatz. Romain Gogelin hat einige der betroffenen Journalisten in Moskau getroffen.

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Damit hatte Marie Jégo, Russland-Korrespondentin von Le Monde, nicht gerechnet. Die kremltreue russische Jugendbewegung Naschi will ihre Zeitung verklagen - wegen Verleumdung. Naschi sieht sich durch einen Beitrag in ihrer Ehre verletzt.

In dem Beitrag ging es um einen russischen Journalisten, von dem Naschi nach einem regierungskritischen Bericht verlangt hatte, er müsse sich entschuldigen oder das Land verlassen. Die Jugendorganisation hatte sogar Posten vor seinem Haus aufgestellt.

Naschi bestreitet, den Journalisten unter Druck gesetzt oder sogar bedroht zu haben - und verlangt Schadensersatz.

„Vielleicht will Naschi damit testen, ob die Organisation in der Lage ist, Angst zu verbreiten und die Medien mundtot zu machen“, sagt Korrespondentin Marie Jégo.

Die Schlagkraft von Naschi ist berüchtigt. Wenn sie will, kann die Organisation Zehntausende Aktivisten mobilisieren, hauptsächlich junge Leute aus der Provinz. Die werden dann mit Bussen zu den Kundgebungen in Moskau herangekarrt.

Im Visier von Naschi: vor allem Regimekritiker. Wie zum Beispiel Oleg Panfilow. Der Journalist war nach anonymen Drohungen aus Russland geflohen und lebt heute in Georgien. Ihn erinnert die Organisation der Naschi mit ihren Machtdemonstrationen an die Hitlerjugend.

„Ihr Verhalten, ihre Taktik, ihre Drohungen. Das erinnert sehr stark an das, was in den 30er Jahren im Nazi-Deutschland geschah.“ sagt Oleg Panfilow.

Die Naschi-Klage richtet sich gegen vier ausländische Zeitungen, darunter auch die Frankfurter Rundschau. Naschi-Anwalt Jorin bestreitet, dass die Jugendorganisation damit Druck ausüben wolle. „Wenn die Zeitung beweist, dass ihre Informationen wahr sind“, sagt der Naschi-Anwalt, „dann müssen wir uns damit abfinden, den Prozess zu verlieren. Das ist das einzige demokratische Mittel, einen Konflikt zu lösen.“

Le Monde-Korrespondentin Marie Jégo hat ihre Zweifel, ob der Prozess wirklich fair verlaufen wird. Sie spricht aus Erfahrung. Als Oppositionspolitiker Gari Kasparow vorgeworfen wurde, für Amerika zu spionieren, hatte er seinerseits die Naschi wegen Verleumdung verklagt - vor demselben Gericht.

Marie Jégo: „Seine Klage wurde abgewiesen. Die Richterin erklärte damals: 'Vorsicht, auf diesem Flugblatt ist zwar ein Gari Kasparow genannt, es handelt sich aber nicht um den Schachspieler. Genannt sind auch die Naschi, aber da handelt es sich nicht um die Jugendorganisation, so wie Sie sie kennen.' Das ist alles kafkaesk. Und so geht es bei allen Verhandlungen - es ist fast schon zum Lachen.“

Marie Jégos Beitrag erschien auf den Meinungsseiten von "Le Monde". Russland hat zwar den Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention zur Meinungsfreiheit unterschrieben, der Prozess findet aber trotzdem statt.




  • Die Jugendorganisation "Naschi" macht in Sankt Petersburg Wahkampf für Wladimir Putin. ARTE Info-Reportage vom 29. November 2007 zu den Parlamentswahlen in Russland.




  • Die "Iduschie Vmieste", die Wurzeln der Jugendbewegung "Naschi", ARTE Info vom 4. Juli 2002


Erstellt: 13-01-10
Letzte Änderung: 14-01-10