Einen Kommentar zu den neuen Titeln auf der KrimiWelt-Bestenliste finden Sie unter What’s New auf www.arte.tv/krimiwelt. Aktuelles aus der Krimiszene erfahren Sie im Krimiblog von Tobias Gohlis und Hintergrundinformation bei Krimiautoren A-Z.
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1 | (1) | John le Carré: Verräter wie wirAus dem Englischen von Sabine Roth Antigua/London/Paris/Schweiz: Warum sollten Perry und Freundin Gail dem von Feinden umstellten russischen Bankier Dima nicht unter die Arme greifen? Le Carré als Altmeister der Verführung: tragische Verstrickungskomödie um zornige Geheimdienstler, Romantiker jeden Alters und Finanzkrisen-Amoral. Superb! |
2 | (4) | Åke Edwardson: Der letzte WinterAus dem Schwedischen von Angelika Kutsch Göteborg/Nueva Andalucia: Ein toter Mann treibt an Kommissar Winters Strand, Männer wachen neben Leichen auf. Albträume, Mysterien. Winter und seine Leute: irritiert, versponnen, verstört, fixiert. Verweise führen in die Vergangenheit, Erklärungen erklären nichts. Sehr stark. Edwardson auf der Höhe seiner Kunst. |
3 | (-) | Ken Bruen: London BoulevardAus dem Amerikanischen von Conny Lösch London: Ex-Knacki Mitchell bekämpft sich, den Alkohol und Gangster Gant. Sein schlimmster Feind ist die Sentimentalität. Er kann nicht Nein sagen. Also sagt er Ja zum Leben, verliebt sich, beschläft eine Filmdiva und geht fast drauf. Ultra-Noir-Pastiche von „Boulevard der Dämmerung.“ Hart, schnell, intertextuell. |
4 | (2) | Don Winslow: Tage der TotenAus dem Amerikanischen von Chris Hirte USA/Mexiko/Mittelamerika: Dreißig Jahre Drogenkrieg, Antikommunismus, Mord, Folter, Armut und imperiale Gewalt. Don Winslows Epos um US-Drogenfahnder Art Keller und seine keineswegs private Fehde mit den Barreras aus Guadalajara ist das „Krieg und Frieden“ unserer Tage. Epochal, grandios, erschütternd. |
5 | (-) | Tana French: SterbenskaltAus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann Dublin: Vor 22 Jahren hat Rosie das Date mit Frank verpasst. Jetzt ist ihre Leiche aufgetaucht. Frank, inzwischen Detective, buddelt nach dem Mörder im Schlamm der Familie, die er damals verlassen hat. Alk, Prügel, Lügen, Angst – die irische Unterschichtscheiße. 90 Prozent Familienroman. Der Rest ist Krimi. |
6 | (10*) | Jo Nesbø: HeadhunterAus dem Norwegischen von Günther Frauenlob Oslo: Roger Brown ist ein Arschloch wie es im Buche steht, ein Kopfjäger – respektive: Headhunter – und Menschenverächter, Machotyp 21. Jahrhundert. Die Liebe zu Kunstwerten eingeschlossen, die er seinen Jobaspiranten klaut. Unaufhaltsam - bis er auf Kunstfreund Greve trifft. Der Flitzer unter Nesbøs Werken. |
7 | (8) | Joe R. Lansdale: KahlschlagAus dem Englischen von Katrin Mrugalla Ost-Texas: Mitten in der Großen Depression. Sunset erschießt ihren Mann. Sie will sich nicht mehr verprügeln lassen. Umsturz im Hinterwäldlerkaff Camp Rapture: Eine Frau als Constable, Nigger werden vom Gesetz geschützt, Männer gleichgestellt. Windungsreich, blutig, optimistisch, wüst. Ein Meisterwerk. |
8 | (-) | Kurt Bracharz: Der zweitbeste KochHaymon, geb., 180 S., 17,90 € Wien: Gourmetkritiker Xaver Ypp vermisst den zweitbesten Koch der Welt. Wie es das Glück, zwischen Essay und Spitzenkimi schwankend, will: Ypp findet ihn nach etlichen gastronomisch-erotischen Abenteuern eingelocht im Käfig. Er wollte Pandas verkochen - und wenn die globalisierte Welt in Schnitzel fällt. Hmm! |
9 | (6) | Solange Fasquelle: Trio InfernalAus dem Französischen von Irène Kuhn und Ralf Stamm Marseille: Der 1.Weltkrieg ist vorbei. Anwalt Sarret und die deutschen Schwestern Schmidt beherrschen die Methode, Leichen in Geld zu verwandeln: Mord & Versicherungsbetrug. Fasquelles Tatsachenroman wurde 1974 mit Michel Piccoli und Romy Schneider verfilmt. Historisches Semifreddo, mit spitzem Finger serviert. |
10 | (-) | James Sallis: Dunkle VergeltungAus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger Im Hinterwald des US-Südens: Turner, Ex-Therapeut und Ex-Cop, jetzt Deputy, entdeckt im Kofferraum eines Rasers 200.000 Dollar Mafia-Geld. Darum geht es Sallis im zweiten Turner-Roman am Rande auch. Zwischen Jetzt und Erinnerungen begreift Turner: „Wir verstehen so wenig von allem.“ Sehr hart, sehr fein. |
* Platz 10 im Oktober 2010
- Diesen Fall klären wir vielleicht auch noch: Lesen Sie hier ein Interview mit Tobias Gohlis in DIE WELT über die KrimiBestenliste
ÜBER JURY UND ENTSCHEIDUNGSFINDUNG DER KRIMIBESTENLISTE








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