Locarno 2008 - Internationaler Wettbewerb - 27/08/08
33 Szenen aus dem Leben
Ein Film von Malgoska Szumowska
3* ARTE Koprod) Tragikomödie über den Tod der Eltern und das Erwachsenwerden
Synopsis: Eigentlich ist Julias Welt völlig in Ordnung. Sie hat einen Mann, den sie liebt, fühlt sich in ihrer Familie geborgen und hat internationalen Erfolg als Künstlerin. Als ihre Mutter an Krebs erkrankt und ihr Vater deshalb mit dem Trinken beginnt, gerät ihr schönes Leben aus den Fugen.
Kritik: 33 SCENES FROM LIFE beruht auf Aufzeichnungen, die die Regisseurin Malgoska Szumowska angefertigt hat, als ihre Mutter starb und kurze Zeit später ihr Vater. Als sie ihre Aufzeichnungen fand, wunderte sie sich darüber, warum sie diese so völlig sachlich und ohne Wertigkeit abgefasst hatte. Da stand etwa: "Heute ist Mutter gestorben," und daneben "habe mir neue Schuhe gekauft." Die Art und Weise, wie Menschen mit dem Tod ihrer geliebten Mitmenschen umgehen, ist völlig unterschiedlich. Die Julia im Film, die nach Aussagen der Regisseurin nicht mehr allzu viel mit ihr selbst zu tun hat, bricht etwa bisweilen in sehr ernsten Situationen in Lachen aus. Wie in einer Übersprungshandlung lacht sie als Abwehr auf das, was sie doch eigentlich zutiefst erschüttert: den langsam näher kommenden Tod ihrer geliebten Mutter.
Es hat schon einige ernste Filme über den schleichenden Tod in Form des Krebses gegeben, aber 33 SCENES FROM LIFE hat eine ganz eigene Perspektive gefunden, mit diesem Thema umzugehen. Der Zuschauer folgt der Hauptfigur Julia, die zu Beginn ein unbeschwertes schönes Leben im Kreise ihrer geliebten Familie führt. Seit Jahren schon ist sie glücklich mit ihrem Mann, einem Komponisten. Ihre Fotografien werden international geschätzt, und sie ist mit ihrer Arbeit auf die Kunstbiennale nach Venedig eingeladen. Die für ihre Hauptrolle in SOPHIE SCHOLL für den Oscar nominierte Julia Jentsch spielt Julia. Eine gewagte aber großartige Entscheidung der Regisseurin, die sich keine andere als Julia vorstellen konnte. Die Natürlichkeit von Julia Jentsch und ihre unprätentiöse und sympathische Art überzeugten sie. Für die Rolle lernte die Schauspielerin polnisch und spielte in dem fast vollständig polnischen Ensemble. Auch die anderen Rollen sind großartig besetzt, die meisten der polnischen Schauspieler haben sich einen Namen am Theater gemacht.
Doch 33 SCENES FROM LIFE steht und fällt mit Julia, deren Entwicklung vom ausgelassenen Mädchen bis zur erwachsenen Frau der Zuschauer folgt. Zwar mag diese sich in einigen Momenten seltsam verhalten, doch man findet Julia stets so sympathisch, dass man ihr fast alles verzeihen würde. Sehr gelungen sind auch die Momente der erotischen Annäherung Julias mit Adrian (Peter Gantzler). Julia fühlt sich einsam, ihr Mann ist die ganze Zeit im Ausland. Die so dringend von ihr benötigte körperliche Nähe findet sie bei diesem Freund der Familie, der dafür eigentlich sehr ungeeigneten, aber doch nahe liegenden Person.
Nana A.T. Rebhan
33 Szenen aus dem Leben
(33 Sceny z zycia)
Polen/Deutschland 2008, 95 Min.
Regie: Malgoska Szumowska
Mit Julia Jentsch, Peter Gantzler, Maciej Stuhr, Malgorzata Hajewska
Internationaler Wettbewerb
ARTE Koproduktion
Erstellt: 27-08-08
Letzte Änderung: 27-08-08