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22/02/11

Tracks - Trashmen - Erste Chaotentruppe des Rock’n’Roll!

Eine Reportage von David Pais

Als 1963 der Titel Surfin’ Bird über die Mattscheibe flimmert, bekommt der Rock’n’Roll seine erste Klatsche. Die 2 Minuten 25 mit sinnfreiem Text nehmen den Punk um 15 Jahre vorweg. Der Song wird später von den Ramones und den Cramps gecovert und findet auch im Soundtrack von Full Metal Jacket Verwendung. Dahinter steht eine Band aus dem tiefsten Amerika: die Trashmen! In ihrer fünfjährigen Karriere mischen sie die Rockszene auf - mit einem Stück, das nicht mal von ihnen ist!

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Die Geschichte von "Surfin'Bird"
"Surfin'Bird" geht nicht auf eine weiße Rockgruppe aus dem Mittleren Westen zurück, sondern auf den Doo Wop, der damals schon seit Jahren die afroamerikanische Musikszene beherrscht.
Weil die Musiker kein Geld haben, nehmen sie statt Instrumenten ihre Stimmen. Sie erfinden die ungewöhnlichsten Harmonien und sind damit wegbereitend für den Soul. Diesen von staatlichen amerikanischen Radiosendern als „Racial Music“ geschmähten Musikstil spielen in seiner Glanzzeit immerhin 15.000 Bands. 1962 bringt eine dieser A-Capella-Gruppen, die Rivingtons aus Los Angeles, zwei Hits heraus: "Papa-Ooo-Mow-Mow" und "The Bird is the Word" sorgen in den amerikanischen Ghettos für Furore.
Sie erfinden dazu sogar einen Tanz mit Anleitung zum Selberlernen, den Steve Wahrer, Sänger der Trashmen, bei seinem ersten Fernsehauftritt ungeniert kopiert!
Zehn Jahre später müssen die Trashmen Tantiemen an die Rivingtons zahlen.



Sex, Drugs & Rock’n’Roll
In den frühen Sechzigern entdeckt Amerikas Jugend die rasanten Hot Rods mit ihren frisierten Motoren und den Zusammenhang von Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Die Trashmen kommen gerade recht: Von ihrem Hauptquartier in Minneapolis aus touren sie ab 1962 durch die Studentenclubs von Minnesota. 1964 steigt ihr größter Hit „Surfin’ Bird" gleich auf Platz 4 der amerikanischen Top Fünfzig ein.
Der geniale Gitarrist Dick Dale hebt die Surfmusik im September 1961 aus der Taufe. In den nächsten Monaten geht von Kalifornien aus ein Tsunami über ganz Amerika nieder und reißt Tausende mit.
In ihrer Heimat im Mittleren Westen schwenken auch die Trashmen, die bisher Rock’n’Roll-Klassiker gecovert haben, zu diesem neuen Stil um. Dabei ist die nächste Welle 1.000 Kilometer von Minneapolis entfernt.



White Trash
„Trashmen“ bedeutet eigentlich „Müllmänner“. Zum ersten Mal demonstriert eine Gruppe sogar auf ihren Plattencovern ihre Zugehörigkeit zum White Trash. Der Name stammt aus einem lokalen Rockabilly-Gassenhauer, dem Trashman’s Blues. In ihren drei Erfolgsjahren räumen die Trashmen in kleinen amerikanischen Clubs ordentlich ab. An ihren Erfolg mit Surfin‘ Bird knüpfen sie mit neuen „Bird“-Variationen an, z. B. mit Bird Bath, Bird Dance Beat oder Bird 65. Das Surfin'Bird-Fieber, das sie lostreten, verblüfft sogar ihre Plattenfirma.

Doch von jenseits des Atlantiks naht ein neues Naturereignis und bläst die Vögelchen der Trashmen davon. Im Februar 1964 stürmen die Beatles die Charts und beerdigen mit der „British Invasion“ die erste Rockergeneration. Zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung und Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg sind die vier Müllmänner nicht mehr gefragt. 1968 schreibt Jimi Hendrix in einem seiner Songs: „You’ll never listen to surf music again!“

45 Jahre später
45 Jahre später träumen manche noch immer von der guten alten Zeit: So wie in Vernouillet, ein Pariser Vorort, wo ein Club von Hot Rod-Fans die Trashmen eingeladen hat, damit sie Nachhilfe in Sachen Rockgeschichte geben.


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Dienstag 6. Juli 2010 um 05.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2010, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 29-06-10
Letzte Änderung: 22-02-11

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