Venedig 2005 - Offizieller Wettbewerb - 10/09/05
La Bestia nel Cuore
Ein Film von Cristina Comencini
Eine junge Frau wird urplötzlich und gewaltsam von ihrer Vergangenheit eingeholt.
Cristina Comencini verliert den Faden ihrer Erzählung in diesem Film über die Dualität der Menschen.
La Bestia nel Cuore
Ein Film von Cristina Comencini
(Italie, 2005, 120 Min)
Mit Giovanna Mezzogiorno, Alessio Boni, Stefania Rocca, Angela Finocchiaro…
Venedig 2005 - Offizieller Wettbewerb
Synopsis : Sabrina ist schön, ihr Lebensgefährte liebt sie, ihr Glück scheint zum Greifen nah. Ist sie aber wirklich glücklich? Seit einiger Zeit wird sie durch unheimliche Alpträume heimgesucht. Als sie feststellt, dass sie schwanger ist, öffnet sich ein Fenster zu unbewussten Erlebnissen. Sie erinnert sich an ihre Kindheit, an den ritualisierten Alltag der bürgerlichen Welt, die ihr gleichzeitig streng und beruhigend sicher vorkam. Aus den Tiefen ihres Bewusstseins kommen aber auch dunkle nachträglich erschreckende Eindrücke empor.
Kritik: Eine junge Schauspieler, die sich beruflich mühsam durchkämpft, führt mit ihrem Freund ein ruhiges Leben. Urplötzlich wird sie von Kindheit-Alpträumen heimgesucht, die sie traumatisieren und ihr Leben durcheinanderbringen. Dieser gewaltsame Ausbruch des Unterbewusstseins ist das Hauptpostulat Cristina Comencinis Film, der auf ihrem letzten Roman basiert. Kindheitstrauma und Inzest, die durch die Gegenwart Sabrinas geistern, weisen auch auf die Dualität der Wesen hin, auf die Schattenseiten der Vergangenheit, die es zu vertuschen gilt, auf das Leiden, das zu überwinden ist, um weiterleben zu können. In der Theorie ein schönes Programm. In der Praxis schwer umzusetzen. Cristina Comencini hat sich besonders für die Inszenierung der Höhepunkte und die Kindheitrückblenden Mühe gegeben, hat aber die einfachsten Liebes- oder Streit-Szenen der Gegenwart vernachlässigt, die uns auf unangenehme Weise an schon gesehene Fernsehfilm-Sequenzen erinnern.
Der Film leidet übermässig an diesem Missverhältnis, das kaum durch die Leistung Giovanna Mezzogiornos ausgeglichen wird, die den Zuschauern in Frankreich schon im italienischen Vaudeville« Pour un baiser » vom Sommer 2002 aufgefallen ist. Sie kämpft sich etwas mühsam durch die gewaltsamsten und ruhigsten Momente durch, stellt ihr Talent aber besonders dann unter Beweis, wenn es darum geht im "Zwielicht", in der Halbdunkelheit, ihrer etwas unscheinbaren Gestalt eine überzeugende Tiefe zu verleihen. Sabrina fliegt in die USA, um sich ihrem Bruder anzuvertrauen. Gerade die Darstellung der zweideutigen Schwester-Bruder-Beziehung zwischen Daniele und Sabrina bildet ein gelungenes Moment von « La Besta nel Cuore ».
Der Nebenfiguren der Geschichte wird man dagegen schnell überdrüssig: ob Sabrinas lesbischer Jugendfreundin, die hoffnungslos in sie verliebt ist; ob der vierzigjährigen Frau, die vom ihrem Ehemann verlassen wird, der sich in eine Freundin seiner Tochter verliebt hat; ob schliesslich dem frustrierten Filmregisseur, der für das Fernsehen arbeitet, und der nymphomanen Statistin, zuviel ist zuviel! Nicht nur dass diese kleinen überflüssigen Nebengeschichten vom Wesentlichen ablenken und geradezu nerven: die völlige Unglaubwürdigkeit und Lästigkeit jener Sequenzen bringen den Film regelrecht zu Fall. Indem sie dermassen von ihrem eigentlichen Diskurs abweicht, überschattet Cristina Comencini auf unnötige Weise ihre Untersuchung jenes "Unwesens im Herzen", jenes Dilemas, das an Danieles und Sabrinas Existenz unaufhaltsam nagt.
Delphine Valloire
-----------------------
La Bestia nel Cuore
Ein Film von Cristina Comencini
(Italie, 2005, 120 Min)
Mit Giovanna Mezzogiorno, Alessio Boni, Stefania Rocca, Angela Finocchiaro…
Venedig 2005 - Offizieller Wettbewerb
Erstellt: 30-08-05
Letzte Änderung: 10-09-05