Schriftgröße: + -
Home > Kino-News Cannes > Die Filme > La Femme est l’avenir de l’homme

18/05/04

La Femme est l’avenir de l’homme

Hong Sangsoo
Nordkorea, 2004
88 Min.
Mit Yoo Jitae, Sung Hyunah, Kim Taewoo
Offizieller Wettbewerb
Synopsis: Der erste Schnee fällt über Seoul. Der junge Kunstlehrer Munho trifft seinen Freund, den Filmemacher Hunjoon, der aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist. Ihr Gespräch folgt den Spuren von Sunhwa, einem jungen Mädchen, in das er Jahre zuvor verliebt war.
Kritik: Hong Sangsoos Filme drehen sich stets um dasselbe Thema: die Fabel der konfliktgeladenen Beziehungen zwischen Mann und Frau, durch den Schleier schlafloser und bierseliger Nächte erzählt. Doch der Hang zur Stilisierung ist stärker geworden. Während Hong Sangsoo in seinem vorletzten und vielleicht besten Film „Turning Gate“ (merkwürdigerweise der einzige in Cannes nicht gezeigte Film von Hong Sangsoo) dazu neigte, die Szenen zeitlich und räumlich zu dehnen, verfährt er in „La Femme est l’avenir de l’homme“ kürzend und zerlegend. Durch Szenen, deren Kürze oder gar Verkürzung so radikal ist wie der Wortwechsel der zerbrechlichen Gespräche des Trios Munho, Hunjoon und Sunhwa, tut Hong Sangsoo dem Rohmerschen Aspekt seiner Filme eindeutig Gewalt an. Überhaupt wird die Gewalt sichtbarer, und der Sarkasmus ist eher trivial und droht die die grausame Poesie, die in „Turnign Gate“ so sehr berührte, zu verdrängen.
Anders gesagt: Dieses neue Werk ist sehr viel männlicher, auch wenn – wie in allen Filmen von Hong Sangsoo – Mann und Frau gleichermaßen ratlos sind und nicht wachsen können am Labyrinth der Gefühle, das der Regisseur in immer geheimnisvollerer Weise konstruiert (flexibler Einsatz von Flash-Back-Szenen). Sicher ist die Radikalisierung zu begrüßen, doch kann man nicht umhin anzunehmen, dass Hong Sangsoo in „Turning Gate“ den idealen Erzählstil gefunden hatte – zumindest war er überzeugender als die Zweiteilung von „La Vierge déshabillée par ses prétendants“ (2000) oder das zerstückelnde Verfahren von „La Femme est l’avenir de l’homme“. Wie dem auch sei: Man muss diesem bedeutenden Filememacher zugute halten, dass er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht.
Julien Welter

Erstellt: 18-05-04
Letzte Änderung: 18-05-04