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20/05/04

La Porte du soleil


von Yousry Nasrallah
(Frankreich – Ägypten, 2004, 4 Std. 38 Min.)
mit Rim Turki, Orwa Nyrabeya, Hiam Abbass
 
Offizielle Auswahl – Außer Konkurrenz
 
Synopsis: Im Mittelpunkt von „La Porte du soleil“ stehen über fünfzig Jahre palästinischer Geschichte: angefangen bei den 1940er-Jahren und der Anwesenheit britischer Truppen bis hin zur heutigen Situation. In dieser Zeit überlagern sich die Schicksale von Younès, einem Kämpfer der ersten Stunde, seiner Frau Nahila und des libanesischen Arztes Khalil. Fiktion vermischt sich mit historischen Episoden, und immer kennzeichnen Leid, Hoffnung und Liebe die Erzählung.
 
Kritik: Der ägyptische Regisseur Yousry Nasrallah, der seit langer Zeit mit Youssef Chahine zusammenarbeitet, hat seinem Film einen Roman des Libanesen Elias Khouri über die Geschichte Palästinas seit Beginn der Territorialkriege mit Israel zugrunde gelegt. Hiermit unterstreicht Nasrallah die grenzüberschreitende Bedeutung dieses Erzählers, dessen Einfluss nicht an den Schlagbäumen Halt macht. Reelles und Fiktives gehen hier Hand in Hand, dabei bleibt die Erzählung immer auf Augenhöhe und löst sowohl Mitgefühl als auch Nachdenklichkeit aus.
 
Zwar weckt der Film schöne Assoziationen an das Fest der Sinne (oder an ausdrucksstarke Bilder wie die des Teppichs aus Orangenschalen und Fruchtfleisch), wie es zuweilen im filmischen Schaffen Chahines zu erleben ist (auch er Erzähler und Regisseur zugleich), doch setzt er sonst sehr auf klassische Kontinuität. So versucht Nasrallah, die fünfzig Jahre voller Wunden gewissermaßen mit einem Blick zu erfassen und rechtfertigt damit eine Filmlänge von 4 Stunden und 38 Minuten, ohne dabei formalistische oder ostentative Absichten geltend zu machen. Vielmehr sucht er nach der Reichweite der Ereignisse im Kleinen, stehen im Drehbuch doch neben den bekannten Kapiteln der Geschichte auch Einzelschicksale im Zentrum.
 
Außerdem liegt der Schwerpunkt auf der Liebe. Nasrallah weist jedem politischen Lager, jeder Religion den gleichen Anteil von Schuld an den Fehlern und an der Gewalt zu. Für ihn muss die Liebe überdauern, doch ist sie gerade in solch einem Film selten präsent, in dem sich ein tödlicher Konflikt an den anderen reiht. Das erschütterte Gleichgewicht zwischen rasender Wut und Intimität, zwischen geschichtstreuer Dokumentation und melodramatischer Fiktion, welche durch eine bewusst eingesetzte Studioatmosphäre geschaffen werden soll, verleiht dem Film trotz seines ruhigen Rhythmus die brutale, gewalttätige Dimension, wie sie auch in Palästina an der Tagesordnung ist.
 
Julien Welter

Erstellt: 20-05-04
Letzte Änderung: 20-05-04