Synopsis: Veronica hat einen Autounfall und leidet danach an Amnesie. Sie hat das Gefühl, sie könnte einen Menschen umgebracht haben, doch sie ist sich nicht sicher. Diese Ungewissheit nagt an ihrem eigentlich so eingespielten Leben.
ARTE Kultur! im Gespräch mit Lucrecia Martel(Windows Media Video)
Kritik: Vor sieben Jahren war Lucrecia Martel mit ihrem Debütfilm LA CIÉNAGA/DER MORAST im Wettbewerb der Berlinale vertreten. In ihrem neuen Film etabliert die Filmemacherin das gleiche Kamerakonzept wie bei LA CIÉNAGA: Die Kamera bleibt dicht bei den Menschen. Sie lässt Unschärfen zu, verwischte Bewegungen, zeigt Details, nimmt die Bewegungen der Menschen auf. In LA CIÉNAGA erzeugte sie so eine fast körperliche Präsenz. Ließ den Zuschauer die Hitze fühlen, ihn Teil der Siesta werden, die die Familienmitglieder in ihrem Ferienort abhielten. Bei LA MUJER SIN CABEZA - bei dem Lucrecia Martel auch das Buch geschrieben hat - versucht sie es mit dem gleichen Konzept.
Sie will eine Nähe schaffen, vor allem zu ihrer Hauptfigur Veronica. Sie will den Zuschauer spüren lassen, wie es ist mit einer Amnesie. Wie ein eigentlich eingespieltes, funktionierendes Leben aus den Bahnen geraten kann. Aber die Regisseurin will noch viel mehr. Ein armes Kind könnte Opfer des Autounfalls geworden sein. Es ist auf einmal verschwunden, obwohl es dem alten Herrn vom Blumenladen immer geholfen hat. Nun kommt es nicht mehr, und er wundert sich. Martel lässt Veronica immer wieder zum Blumenladen fahren. Konfrontiert sie mit ihrer möglichen Schuld, von der sie auf Grund ihrer Amnesie nichts ahnt, die sie aber doch spürt und die sich auf sie gelegt hat.Ruhig ist dieser Film, sehr ruhig. Leider mag die beabsichtigte Nähe zur Hauptfigur nicht so recht aufkommen. So beobachtet der Zuschauer das Treiben in dieser typischen argentinischen Mittelstandsfamilie aus einer Distanz. Einmal hilft ein Spielkamerad des verschwundenen Jungen Veronica beim Ausladen der vielen Pflanzen aus ihrem Auto. Sie hat ein schlechtes Gewissen, aber warum genau, das weiß sie nicht. So schenkt sie ihm zahlreiche T-Shirts, die sie selbst nicht mehr braucht.
LA MUJER SIN CABEZA erzählt auch eine Geschichte über Klassenunterschiede. Während Veronicas Kopf sofort zahlreichen Untersuchungen unterzogen wird, wird das Arbeiterkind kaum vermisst. Der Blumenhändler wundert sich, weil der Junge die Töpfe so hoch oben auf einer Ablage gestapelt hat, und er selbst sie wegen seines Rückenschadens nicht herunterholen kann. Das ist unpraktisch, er bräuchte eine Hilfe. Er wird warten, bis der Junge wieder kommt.LA MUJER SIN CABEZA plätschert vor sich hin, und irgendwann ist er einfach zu Ende. In einem Moment, in dem Veronica sich wieder eingefunden hat in ihr altes Leben, eine Normalität eingekehrt ist. Da bleibt die Kamera draußen vor der Tür, die sich unterhaltenden Menschen im Raum, die sich im Glas spiegeln, bleiben unter sich. Ein harmloses Ende für einen harmlosen Film.
Nana A.T. Rebhan







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Nach einem Autounfall leidet eine Frau an Amnesie. Sie hat Angst, dass sie einen Menschen umgebracht haben könnte.
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