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Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - 21/08/08

La sangre brota: Ein Film von Pablo Fendrik

47. Woche der Internationalen Filmkritik: Die (Ganz) Junge Kritik


Blutige Familienbande

Zwei Jugendliche haben auf dem Flachdach eines Hauses in Buenos Aires Sex. Nach dem lieblosen Akt, verlässt der Junge, Leandro (Nahuel Pérez Biscayart), hastig den Ort des Geschehens. Davor stillt er sein Verlangen nach dem Drogenrausch und greift zu einem Tütchen mit Ecstasy-Tabletten.

Diese Szene eröffnet Pablo Fendriks zweiten Spielfilm La Sangre brota, in dem die Geschichte einer argentinischen Familie erzählt wird, die sowohl mit finanziellen als auch zwischenmenschlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Als Ramiro, der ältere Sohn, sich überraschend aus den Vereinigten Staaten meldet und dringend Geld braucht, sieht sich sein Vater Arturo gezwungen binnen 24 Stunden 2000 Dollar aufzutreiben. Der, nach langem Zögern gefasste Entschluss seinem Sohn zu helfen, treibt Arturo letztlich sogar soweit, gegen seine ehrlichen und aufrichtigen Grundsätze zu verstoßen, indem er erstmals seit Jahren wieder Gewalt gegen seine Frau und Leandro, seinen jüngeren Sohn, an.

La Sangre Brota zeichnet ein äußerst lebendig wirkendes Bild der argentinischen Hauptstadt, indem beispielsweise bei Straßenszenen bewusst auf den Einsatz von Statisten verzichtet wird und stattdessen zufällig vorbeikommende Passanten als solche einbezogen werden. Allerdings schreckt der Film auch nicht vor der besonders grausamen Darstellung von Gewalt zurück. Leandros minderjährige Freundin etwa, beißt ihm unter Drogeneinfluss die Zunge ab, die Brutalität der Kampfszene zwischen Vater und Sohn kann kaum in Worte gefasst werden.
Trotz der möglicherweise als übertrieben auffassbaren Darstellungsweise betont Fendrik, dies sei eine Familie, wie er sie selbst kennengelernt habe. Alle Charaktere entsprächen realen Vorbildern.

Mit fortdauernder Handlung rücken die Probleme der in Buenos Aires lebenden Familienmitglieder immer stärker in den Vordergrund, während die finanziellen Nöte des „amerikanischen“ Bruders am Ende überhaupt nicht mehr beleuchtet werden. Obwohl er mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet, vermittelt der temporeich erzählte Film ein schwer verdauliches Abbild der Wirklichkeit Lateinamerikas.

Sebastian Gratz und Moritz Bürger
Nürtingen
Hölderlin-Gymnasium

Erstellt: 19-05-08
Letzte Änderung: 21-08-08