Offizieller Wettbewerbsbeitrag Venedig 2004
Synopsis: Die 20-jährige Lana (Michelle Williams) - eine gläubige Christin – kommt nach etlichen Jahren der Abwesenheit in ihr Heimatland Amerika zurück. Vieles hat sich nach den Anschlägen des 11. September dort geändert. Ihr einziger Verwandter ist ihr Onkel Paul (John Diehl) – ein Vietnam-Veteran, der sehr zurückgezogen lebt, und einen Überwachungswahn entwickelt hat. Langsam, ganz langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen beiden.
Kritik: LAND OF PLENTY ist ein Film, den nur einer machen kann, der die Perspektive als Fremder auf Amerika hat. Die nötige Distanz, um die Paranoia wahrzunehmen und zu beschreiben, die alle Bevölkerungsgruppen nach dem 11. September befallen hat. Der deutsche Filmemacher Wim Wenders, der die letzten Jahre in Amerika gelebt hat, weiß wovon er spricht. Er sucht sich für seine Zustandsbeschreibung der USA zwei Hauptfiguren aus, die auf den ersten Blick nicht viel Gemeinsamkeiten haben. Doch beide treibt sie ein fast ‚missionarischer Eifer’ an. Paul hat sich ein Überwachungsmobil gebaut, mit schwenkbarer Videokamera auf dem Dach. Damit überwacht er verdächtige Personen, wie etwa den Obdachlosen Hassan. Als Hassan erschossen wird und Paul ermittelt, trifft er auf Lana, die noch kurz vor seinem Tod mit ihm gesprochen hat. Lana ist die Tochter eines Missionars, und auch sie ist – als gläubige Christin – auf einer Mission. Auch wenn sie noch nicht herausgefunden hat, auf welcher.Wenders hat einen Film gedreht, mit allen für ihn wichtigen Elementen. Da gibt es den emotional bedeutungsvollen Soundtrack, der die Atmosphäre der Orte und Figuren unterstreicht. Der gleichnamige Titelsong „Land of Plenty“ stammt von Leonhard Cohens neuester CD, er hat ihn Wenders sozusagen „geschenkt“, wie der Filmemacher selbst es beschreibt. Dann gibt es die einsam idyllischen Orte Amerikas, die wir schon damals in PARIS, TEXAS (1984) so bewundert haben, und die immer noch diese besondere Melancholie in sich tragen. Mittlerweile ist Wenders aber ab und an sogar witzig, wie in einer extrem gelungenen Szene: Paul stürmt in voller Kampfausrüstung eine Wohnung, und landet im Schlafzimmer einer ans Bett gefesselten Frau, die sich darüber beklagt, dass ihr Fernseher seit Tagen auf demselben Programm – einer Sendung mit George Bush – hängen geblieben ist. „Was haben Sie denn für ein komisches Kostüm an?“ fragt sie den Eindringling furchtlos. Der grummelt nur vor sich hin, schlägt einmal gegen den Fernseher, das Programm wechselt. In nur drei Wochen hat Wenders seinen Film gedreht, mit dem jungen Kameramann Franz Lustig an der Digitalkamera. Wenders beweist ein weiteres Mal, dass sein fremder Blick auf die Dinge interessant bleibt. Sein nächster Film wird in Deutschland spielen, man darf gespannt sein.
Nana A.T. Rebhan
--------------
Land of plenty
USA 2004, 118 Min.
Regie: Wim Wenders
Mit Michelle Williams, John Diehl, Wendell Pierce
Offizieller Wettbewerbsbeitrag






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

