21/12/09
Laurent Charbonnier über die Dreharbeiten
Gespräch mit Yves Paccalet
Laurent Charbonnier ist einer der bekanntesten französischen Tierfilmer. Er hat an „Nomaden der Lüfte“, „Der letzte Trapper“ oder „Océans“, der letzte Film von Jacques Perrin, mitgearbeitet. Die Filme der Dokumentationsreihe „Wilde Tiere, große Liebe“ wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren gedreht, auf 35 mm-Material und in HD.
Der preisgekrönte Tierfilmer hat im Wald vom Chambord, dem historischen Jagdgebiet der französischen Könige, unglaubliche Bilder von Rehen, Hirschen, Hasen und Co. fotografiert, beobachtet Löwen und andere Raubtiere in der Savanne Kenias und zeigt vier Affenarten weltweit.
Die Dreharbeiten
Zu filmen beginne ich knapp einen Kilometer von meinem Haus in der Sologne entfernt, in einem Sumpfgebiet, wo die Frösche quaken und laichen. Zum ersten Mal setze ich die ferngesteuerte Kamera ein, derer ich mich für ein Dutzend von Schlüsselszenen bedienen werde. Dank diesem Wunderwerk der Technik kann der Zuschauer die Tiere aus nächster Nähe und unmittelbar in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten, ohne sie je zu stören.
Die Galerien
Die Regisseure von „Naturfilmen“ werden immer nach Zwischenfällen oder gar Unfällen gefragt. Da muss ich leider enttäuschen: Bei diesem Film ist nichts dergleichen passiert!
Während der zweijährigen Dreharbeiten - ich klopfe dreimal auf Holz für den nächsten film! - haben wir weder ein Feuer, noch eine Überschwemmung, noch Malaria, Schlangenbisse, Angriffe von Löwen oder Überfälle von Banditen erlebt.
Und: Wir haben alle Tiere filmen können, die wir uns als Protagonisten gewünscht hatten. Das setzt natürlich eine genaue Kenntnis des betreffenden Landes, seiner Bewohner, der ortsansässigen Tierarten und deren Lebensweise voraus.
Und man muss selbstverständlich die Drehbedingungen in freier Natur akzeptieren. Haubentaucher bei der Balz zu überraschen, setzt voraus, dass man zwei Wochen lang acht Stunden am Tag bis zum Bauch im Wasser verbringt, und um die Balz des Paradiesvogels in Neuguinea aufnehmen zu können, muss man auf einen Baum klettern und dort stundenlang auf einem Ansitz verbringen, den die Papua in 20 Meter Höhe auf schwanke Äste gebaut haben. Aber die Schwierigkeit ist die Mutter des Vergnügens – wie die Stoiker oder die Masochisten sagen würden.
Die Ansprüche
Während all dieser Abenteuer im hintersten Winkel Frankreichs oder am Ende der Welt achte ich peinlichst auf zwei Dinge: Nie meine Leute in eine gefährliche Lage bringen, und nie die Tiere stören!
Wenn ich einen Kamerakran aufbauen lasse, um die Grasmücke im Wald von Chambord zu filmen, dann verlange ich von meinen Technikern, nie länger als eine Viertelstunde zu arbeiten und zwischendurch lange Pausen zu machen. Die Vögel kehren dauernd zum Nest zurück, um die Jungen zu füttern. Während meiner dreißigjährigen Dreharbeiten ist es mir nie passiert, dass Tiere ihren Bau, den Sing- oder Brunftplatz verlassen mussten. Ich versuche, die Natur so sauber zurückzulassen, wie ich sie vorgefunden habe.
Erstellt: 17-12-09
Letzte Änderung: 21-12-09