Zum einen sind Manga natürlich ein Phänomen, an dem heute niemand mehr vorbeikommt. Zum anderen bietet sich so ein flexibles und offenes Format für einen Verlag mit sehr breit gefächertem Programm, wie Heyne es ist, geradezu an. Nicht nur haben wir in der Vergangenheit schon den ein oder anderen Comic gemacht, auch viele Inhalte der Manga sind uns bereits aus dem Taschenbuchprogramm vertraut, allen voran Fantasy und Science Fiction sowie Romance, für die der Heyne Verlag besonders bekannt ist.
Mang'Arte: Wie hat die Leserschaft bisher auf diese Neuerscheinungen reagiert? Wo liegt Ihr Zielpublikum?Unser Zielpublikum ist das gleiche wie das generelle Manga-Publikum: alle Altersgruppen, beide Geschlechter, alle Geschmäcker. Dem Manga sind ja inhaltlich und in der graphischen Ausarbeitung keinerlei Grenzen gesetzt, da ist für jeden etwas dabei. Und auch wir versuchen den Lesern ein möglichst buntes Programm zu bieten.
Angenommen wurde unser Programm erfreulich offen und gut. Viele Leser kannten den Heyne Verlag schon, die anderen haben sich schnell schlau gemacht. Wir sind jetzt schon sehr gut in der Szene integriert, wie man am regen Interesse an unseren Büchern und dem Forum merkt.
Mang'Arte: Was reizt Sie an Ihrem Beruf als Lektorin besonders? Worin liegen die Schwierigkeiten und Herausforderungen in Ihrem Arbeitsalltag?
Der besondere Reiz liegt natürlich darin, dass ich mit Büchern arbeite und viele Bücher und Comics in die Hände bekomme – oft früher als sonst jemand. Das ist sehr spannend. Und da ich persönlich auch ein großer Fan von Comics aller Art bin, fühle ich mich in meiner Stelle sehr gut aufgehoben.
Eine Herausforderung ist sicher, dass ich als Lektorin die Schnittstelle für sehr viele, sehr unterschiedliche Abteilungen bin, von Übersetzern über Graphiker bis hin zu Herstellung oder Vertrieb. Und auch mit unseren japanischen Lizenzgebern arbeite ich eng zusammen. Da müssen viele Meinungen und viele Anforderungen unter einen Hut gebracht werden.
Mang'Arte: Bis die japanische Manga-Vorlage als deutsche Ausgabe erscheint, müssen verschiedenen Phasen durchlaufen werden. Wie sieht der Ablauf dieses Prozesses aus? Die Phasen sind im Prinzip dieselben wie bei allen anderen Büchern auch. Man sucht ein Buch aus, das viel versprechend scheint und ins Programm passt, man kauft die Rechte für den deutschsprachigen Markt ein, man lässt es übersetzen und redigieren, der fertige Text wird von einem Hersteller gesetzt, also in das typische Buchformat gebracht, noch mehrmals korrigiert und am Ende dann gedruckt. Parallel dazu designen Graphiker einen Umschlag, der Lektor steuert die Texte für den Umschlag bei.
Das Besondere beim Manga ist natürlich, dass es neben dem Text auch Bilder gibt, die von Graphikern bearbeitet werden. Die Bildabfolge bzw. Seiten- und Panelaufteilung bleiben so, wie sie im Original sind, aber die Graphiker reinigen die Sprechblasen vom Originaltext und fügen den deutschen Text ein. Das nennt man lettern, und es ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, denn es muss ja nicht nur alles reinpassen, sondern es muss auch noch gut aussehen.
Mang'Arte: Nach welchen Aspekten und Kriterien entscheiden Sie, welche japanischen Mangas sie als deutsche Erstausgabe herausgeben werden?
Wir bei Heyne möchten vor allem ein breites Publikum erreichen. Daher suchen wir vor allem Serien aus, die viele Leser ansprechen und inhaltlich wie graphisch nicht zu speziell sind. Aber ein wichtiges Kriterium ist und bleibt natürlich, dass uns der Manga selbst gefallen muss, sonst macht es ja keinen Spaß.
Mang'Arte: Planen Sie auch Comics aus anderen asiatischen Ländern wie Taiwan oder Korea zu verlegen?
Im Prinzip schon, aber im nächsten Programm noch nicht. Wir tasten uns erst mal langsam an den Markt heran.
Mang'Arte: Die erste Ausgabe von „A boy meets Rocketman“ ist im November 2005 erschienen und bietet dem Manga-Fan zwei actionreiche und spannende Episoden. Wie viele weitere Bände sind geplant?
Wir werden alle Bände der japanischen Ausgabe bringen, das sind insgesamt zehn.
Mang'Arte: Auffällig sind in „A boy meets Rocketman“ die politischen Anspielungen: Ein afrikanischer Bürgerkrieg wird darin erwähnt und auch die Rolle der Vereinten Nationen wird angesprochen. Wie passt die Politik in die Abenteuerwelt der Comichelden Yo und Rocketman?Ich denke, in eine wirklich gute Abenteuergeschichte passt Politik immer rein, denn Politik bestimmt nun einmal das „wahre“ Leben. Ob es nun Indianer und Soldaten sind oder ein junger Journalist mit Hund, der auf der ganzen Welt herumreist – die Lebensumstände der Helden und ihrer Gegenspieler werden von Politik bestimmt. Rocketman ist ein moderner Comic, und daher spielen aktuelle politische Umstände und Konflikte, aber auch spannende Aspekte moderner Wissenschaft und Technik eine Rolle. Genau das macht diesen Manga so besonders.
Mang'Arte: Was fasziniert Sie persönlich am Autor Motohiro Kato?Ich finde Motohiro Kato in seinem persönlichen Anspruch an einen guten Manga herausragend. Er möchte spannende Abenteuer schildern, doch nicht im luftleeren Raum. Absichtlich siedelt er seine Storys in der realen Welt an und möchte seine Leser – nach eigener Aussage – dazu ermuntern, selbst loszuziehen und Abenteuer zu erleben. Er will gerade den jungen Lesern zeigen, was es im echten Leben alles zu sehen und zu erleben gibt, und dass es sich lohnt, die Initiative zu ergreifen und aktiv zu werden. Und ich denke, man merkt den Geschichten auch an, dass ihr Autor selbst schon sehr viel erlebt und daher viel zu erzählen hat.
Interview wurde von Patricia Czarkowski geführt. Dezember 2005.






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