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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Panorama - 01/09/08

Lemon Tree

Ein Film von Eran Riklis


Ein alter Zitronenhain steht bei Regisseur Eran Riklis im Mittelpunkt eines erbittert geführten Streits zwischen einer palästinensischen Witwe und dem israelischen Verteidigungsminister.

Synopsis: Salma (Miam Abbas) lebt seit dem Tod ihres Mannes von den bescheidenen Einnahmen ihrer Zitronenbäume. Als der israelische Verteidigungsminister (Doron Tavory) und seine Frau (Rona Lipaz-Michael) in direkter Nachbarschaft ihr neues Haus beziehen, beschließt der Geheimdienst, dass der Zitronenhain den Sicherheitsinteressen ihres Schutzbefohlenen weichen muss. Salma aber verweigert die dafür angebotene Entschädigungszahlung und zieht mit Hilfe eines Anwalts (Ali Suliman) bis vor den Obersten Israelischen Gerichtshof.

Kritik: Palästinensische Zitronenbäume und ein israelischer Verteidigungsminister - in Zeiten des Nahostkonflikts eine tödliche Kombination – zumindest aus der Sicht der Pflanzen und im Falle des neuen – sehr symbolträchtigen - Films des international renommierten israelischen Regisseurs Eran Riklis. Bereits in seinem preisgekrönten und auch kommerziell erfolgreichen letzten Werk „Die Syrische Braut“ hatte er sich auf bittersüße Art und Weise mit den Widrigkeiten palästinensischer Lebensläufe in Zeiten der Belagerung beschäftigt.

Seit Generationen in Besitz von Salmas in der Westbank lebender Familie, genügt ein einziger misstrauischer Blick eines Mossad-Agenten, um das Todesurteil des Limonenhains zu besiegeln. Für die Witwe Salma geht es dabei um mehr als um ihre wirtschaftliche Existenz – in Zeiten, da die Kinder längst das Haus bzw. das Land verlassen haben, steht ihr moralisches Überleben auf dem Spiel. Riklis schlägt sich zunächst eindeutig auf die Seite seiner Protagonistin, wenn er die Borniertheit der Nachbarn und ihre Angst vor terroristischen Anschlägen als übersteigerte Paranoia entlarvt. Der Verteidigungsminister nämlich lässt sich vom Mossad – der längst das Zepter der israelischen Politik übernommen zu haben scheint - einen Wachturm (mit tollpatschigem, jugendlichem Rekruten) und Stacheldraht aufschwatzen, solange bis die haushohe Betonmauer auch in diesem Teil der Westbank steht – die natürlich ebenfalls quer durch die beiden Gärten laufen wird. Viele Metaphern, die illustrieren, wie jede normale Kommunikation unter Nachbarn unter der Last von Religion, Krieg und tief verwurzeltem Misstrauen unmöglich geworden zu sein scheint. Als wäre das nicht genug, muss Salma auch aus der eigenen Bevölkerungsgruppe Bevormundungen erdulden: der örtliche Patriarch befiehlt – keine Annahme israelischer Entschädigungszahlungen und vor allem – keine unmoralischen Handlungen mit dem palästinensischen Anwalt, in den sie sich nach und nach verliebt.

So wird das Leben für Salma – wunderbar würdig verkörpert von der großartigen Hiam Abbas, die im letzten Jahr noch Berlinale-Jurymitglied war, zum Gefängnis. Einziger Hoffnungsschimmer ist außer der Farbe Gelb, den weichen, dem sonnendurchfluteten Blick der Kamera des Deutschen Rainer Klausmann („Gegen die Wand“) auch die stumme Anteilnahme der Frau des Verteidigungsminister – auch sie ein Opfer von männlicher Hysterie und Hybris. Eran Riklis ist ein Optimist – ddas zeigen seine vielen humorvollen, manchmal allzu verspielten situativen Einsprengsel in ein ernstes Thema. Doch seine Taktik, dem Zuschauer nicht zuviel des Destruktiven zuzumuten, ist vielleicht die einzig Richtige: ohne einen amerikanischen Titelsong mit Hitcharakter (Titel: „Lemon Tree very pretty“), ohne den Einbruch des Absurden und ohne den letztlich unbeugsamen Widerstand der Frauen wäre dieser durch die Medien tot erzählte Konflikt auf einer Kinoleinwand wohl nicht zu ertragen.

Martin Rosefeldt
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Lemon Tree
Ein Film von Eran Riklis
Darsteller: Hiam Abbas, Ali Suliman, Rona Lipaz-Michael, Doron Tavory
Israel, Frankreich, BRD, 106’ 2008, ARTE-Koproduktion

Erstellt: 11-02-08
Letzte Änderung: 01-09-08