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Jahrhundertaufnahmen Jazz

Ab sofort präsentiert ARTE-Online zusammen mit der SWR 2-Jazzredaktion in einer neuen Reihe die "Jahrhundertaufnahmen des Jazz" – von den Anfängen bis zur (...)

Jahrhundertaufnahmen Jazz

Jahrhundertaufnahmen des Jazz - 28/11/08

Lennie Tristano

Aufnahmen von 1955 (Atlantic)


Das Ringen um die reine Musik
von H.-Werner Wunderlich

Die Auswahl im Überblick

Leonard Joseph "Lennie" Tristano wurde am 19. März 1919 in Chicago geboren - Sohn einer armen Einwandererfamilie aus Italien. Als Neunjähriger erkrankte er an Spanischer Grippe, in deren Folge er völlig erblindete. Schon früh bekam er von seiner Mutter Unterricht am Klavier. An einer Blindenschule lernte er auch Saxophon, Klarinette und Cello zu spielen. Er leitete Schul- und Studentenorchester, absolvierte ein Piano- und Kompositionsstudium am American Conservatory of Music und ließ sich auch an der Christiansen School of Popular Music in Chicago ausbilden. Die Studien konnte er durch Auftritte mit Dixieland- und Mambo-Bands finanzieren, aber auch als Solo-Pianist in Bars kam etliches Geld herein.

Seine Virtuosität glich der von Art Tatum und faszinierte Musikerkollegen wie den Altsaxophonisten Lee Konitz und den Gitarristen Billy Bauer, mit denen Tristano später häufig zusammenarbeitete. Der Bassist Chubby Jackson holte den Pianisten nach New York, wo er als Privatlehrer tätig wurde und 1946/47 einige Solo- und Trioplatten einspielte. Auftritte in den Clubs "Three Deuces" und "Birdland" verschafften ihm nicht nur Ansehen beim Publikum, sondern auch bei Musikern und Kritikern. Die Zeitschrift "Metronome" wählte ihn 1947 zum "Musiker des Jahres". Tristano galt bald als Erneuerer des Cool Jazz und Pionier des Free Jazz. Das "Ringen um die reine Musik" bezeichnete er als sein Anliegen. Lester Young war für ihn das Ideal reiner Musik. Beeinflusst haben ihn aber auch die Pianisten Earl Hines, Teddy Wilson und Bud Poweil. Er sagte: "Man muss von allen großen Musikern etwas in sich aufnehmen, ungeachtet dessen, welches Instrument sie spielen. Denn nicht die Noten machen den Jazz aus, sondern das Feeling, das hinter all dem steht". Improvisation im Jazz betrachtete er als essentiell. Zusammen mit Lee Konitz beeinflusste Tristano über lange Zeit hinweg auch in Deutschland wirkende Jazzmusiker wie Albert und Emil Mangelsdorff, Jutta Hipp und Hans Koller.

Lennie Tristano starb am 8. November 1978 in New York. Postum wurde er von der Fachzeitschrift "down beat" in die "Hall of Fame", die Ruhmeshalle des Jazz gewählt.
Die vorliegende CD mit dem schlichten Namen "Lennie Tristano" enthält je zwei Solo- und Trioaufnahmen eigener Kompositionen, darunter das viel bestaunte "Requiem". Fünf Stücke sind bekannte Standards, im Quartet mit Lee Konitz live in einem New Yorker Restaurant aufgenommen. Alle Titel stammen aus dem Jahr 1955.

Text: H.-Werner Wunderlich

"Lennie Tristano"
Atlantic 8122-73712-2
(Vertrieb Warner)

Erstellt: 21-12-07
Letzte Änderung: 28-11-08


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