Synopsis: Julia ist 26 Jahre alt und seit einigen Wochen schwanger, als sie den Vater ihres Kindes tot in ihrer Wohnung auffindet. Sie kann sich nicht an die Umstände des Mordes erinnern und kommt in ein Gefängnis speziell für junge Mütter, wo sie die Verhandlung abwartet. Sie bringt dort ihren Sohn Thomas zur Welt. Als Julia verurteilt wird, weiß sie, dass sie Thomas nur bis zu seinem vierten Lebensjahr bei sich wird behalten können. Trotz des Freiheitsentzuges erlebt sie wahre Momente des Glücks mit ihrem Sohn. Eines Tages kommt Julias Mutter, die seit mehreren Jahren in Frankreich lebt, um den Jungen abzuholen. Julia, durch die Trennung zutiefst verstört, setzt alles daran, ihn wiederzubekommen.
Im Gespräch mit Pablo Trapero
Im Gespräch mit Martina Gusmann
Der Trailer zum Film(Windows Media Video)
Kritik: Ganz anders als die typischen Frauengefängnis-Filme, die berühmt-berüchtigten WIP-Filme (Women in Prison), Trashfilmgenre des Mainstream-Kinos, setzt „Leonera“ auf die naturalistische Schiene. Und selbst wenn man um ein paar Küsse unter der Dusche nicht herumkommt, geht es hier vielmehr um Intimität als um billige Erotik. Um diesem Klischee zu entgehen, setzt Pablo Trapero auf eine besondere Kategorie von Gefangenen: Frauen, die ihre Kleinkinder in einem gesonderten Gefängnistrakt aufziehen. Sie sind also mehr Mütter als Frauen. Seine Inszenierung ist schlicht, mit ein paar ästhetischen Voreingenommenheiten trotz eines fast dokumentarischen Realismus.
Trotz der strengen Schlichtheit gelingt Trapero ein pfiffiger und gut gemachter Anfang. Alles beginnt mit der Großaufnahme des geschminkten Gesichts einer jungen schlafenden Frau. Sie bewegt sich, bis blutige, geschwollene Spuren auf ihrer Haut zu sehen sind. Dann Blut und die damit verbundene Panik. Der Regisseur bedient sich dieses MacGuffins bis zu Julias Verhaftung, als sie dann jedoch einmal im Gefängnis ist, wird die Frage des Mordes oder sogar die der Rache nicht mehr aufgegriffen, es geht vielmehr nur noch um den Alltag dieser jungen Frau in ihrer Zelle. Trapero beobachtet den Verhaltenskodex einer Gemeinschaft, die eher einer Großfamilie oder einer Dorfgemeinschaft gleichkommt: Ein Leben, dessen Rhythmus vom Stillen, Windelwechseln, den Geburtsvorbereitungskursen und dem Besuch der Gefängniskrippe bestimmt wird, wo die Frauen durch das ansteckende Weinen der Neugeborenen aufeinander angewiesen sind und wo das vierte Lebensjahr des Kindes als furchterregende Frist empfunden wird. Die wirkliche Familie wird dort sogar zur Bedrohung.Die Mutter von Julia (bemerkenswert gespielt von Elli Medeiros) löst ein Drama aus, als sie versucht, ihr den Sohn frühzeitig zu nehmen. Die Vorstellung, ihr Kind zu verlieren, führt bei diesen Frauen zu tiefster Verzweiflung oder rasender Wut und zur Meuterei. Nicht nur aus emotionalen Gründen. Die im Gefängnis übliche Gewalt kommt hier dank der Präsenz der Kinder und der relativen Bewegungsfreiheit zwischen mehreren Zellen und einem gemeinschaftlichen Bereich weniger zum Tragen.
Mit einer flüchtigen Einstellung auf das Handgelenk einer anderen Inhaftierten, das Spuren eines jüngsten Selbstmordversuches zeigt, macht Tapero deutlich, dass Überleben in den „normalen“ Gefängnistrakten nicht selbstverständlich ist. Aber „Leonera“ ist mehr als eine Schilderung von Lebensumständen, es ist vor allem das Portrait einer einzelnen Frau, Julia, der Löwin des Filmtitels. Es stützt sich auf die schauspielerische Leistung von Martina Gusman mit ihrem Sphinxgesicht, mal robust, trotzig und rasend vor Wut, dann wieder verloren und zerbrechlich. Eine Offenbarung.Delphine Valloire







per E-Mail verschicken
Realistisch und intelligent zeigt Trapero den Alltag einer jungen Frau, die im Gefängnis ein Kind bekommt und dann für ein gemeinsames Leben mit ihrem Sohn kämpft.
Facebook
Twitter
RSS

