Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > CANNES 2009

Cannes 2009

Verfolgen Sie auf ARTE und arte.tv das Geschehen rund um das weltweit bedeutendste und glamouröseste Filmfestival! Ab 13. Mai 2009

> Die Preisträger 2009 > Les herbes folles

Cannes 2009

Verfolgen Sie auf ARTE und arte.tv das Geschehen rund um das weltweit bedeutendste und glamouröseste Filmfestival! Ab 13. Mai 2009

Cannes 2009

Cannes 2009 – Offizieller Wettbewerb - 24/05/09

Les herbes folles

Ein Film von Alain Resnais


( Arte Bewertung: 3 ) Eine altersweise, aber keineswegs milde Komödie über unerfüllte Wünsche und Lebensentwürfe.

  • Interview arte.tv: Alain Resnais
  • Trailer "Les herbes folles"
  • ARTE Kultur vom 19.05. - Alain Resnais

Previous videoNext video

Previous imageNext image
Inhalt: Nach einem Schuhkauf wird Marguerite mitten in Paris die Handtasche entrissen, vor Schreck kann sie nicht einmal laut schreien. Wenig später findet der Pensionär George ihre Brieftasche neben seinem Auto auf dem Boden der Parkgarage, nur das Bargeld fehlt. Er beginnt sofort, sich für diese Frau um die 50 zu interessieren, die einen Pilotenschein hat und in einem Pariser Vorort lebt, wo sie mit einer Kollegin eine Zahnarztpraxis hat. In seiner Phantasie versucht er sich vorzustellen, wie sie lebt, wer sie ist, und er überlegt, ihr die Brieftasche persönlich zu bringen. Schließlich gibt er sie aber doch bei der Polizei ab und hinterlässt dort seine Telefonnummer. Marguerite bedankt sich telefonisch, legt aber keinen Wert auf ein persönliches Treffen, was ihn nun um so mehr dazu bringt, sich ein Bild von ihr zu machen und sich in ihr Leben zu drängen. Der gutbürgerlich situierte George scheint nun geradezu besessen zu sein von dieser unbekannten Frau, so dass sich seine eigene Frau Suzanne und seine erwachsenen Kinder schon langsam wundern. Dann kommt es doch zu einem skurrilen Treffen und auch bei diesen nicht mehr jungen und sehr lebenserfahrenen Menschen geraten die Dinge völlig außer Kontrolle.

Les herbes folles
Ein Film von Alain Resnais (Frankreich 2009, 94 Min.)
Drehbuch: Alain Resnais und Laurent Herbiet, nach dem Roman „L’incident“ von Christian Gailly.
Mit: Sabine Azéma (Marguerite Muir), André Dussollier (George Palet), Anne Consigny (Suzanne Palet), Emanuelle Devos (Josépha), Mathieu Amalric (Bernard de Bordeaux)
Kritik: Der mittlerweile 87-jährige Alain Resnais, Innovator und Altmeister des großen französischen Erzählkinos liebt es, für seine Beziehungsgeschichten – „Smoking/No Smoking“ (1993); „On connaît la chanson“ (1997) – immer neue, unkonventionelle Erzählformen zu suchen, oft angeregt durch zeitgenössische Autoren, wie in diesem Fall Christian Gailly. Seine Lieblingsdarsteller Sabine Azéma und André Dussollier spielen hier wie immer wunderbar und es ist höchst vergnüglich, dieser zunehmend verrückter werdenden Annäherung zweier Menschen im fortgeschrittenen Alter zuzuschauen, Menschen, die sich in ihrem Leben längst eingerichtet haben, und die eigentlich nichts mehr aus der Bahn werfen sollte. Der ironisch kommentierende Off-Erzähler, die präzis aufeinander abgestimmten, parallelen Handlungsebenen, und die lustigen, aber eigentlich tragischen Missverständnisse und psychologischen Verwicklungen, machen den Film zu einer altersweisen, aber keineswegs milden Komödie über unerfüllte Wünsche und Lebensentwürfe.
Resnais hat nach wie vor seinen humorvollen, aber analytisch geschärften Blick auf die zwischenmenschlichen Fassaden, aber wenn man seine Filme aus den letzten Jahrzehnten kennt, bleibt das Gefühl natürlich nicht aus, vieles von dieser Versuchsanordnung der Gefühle schon gesehen zu haben, und die präzis ausgearbeitete Erzählweise wirkt nicht mehr experimentell überraschend, sondern als vorgeführte Formbeherrschung eines alten Meisters. Da hat Resnais’ neuer Film etwas mit Coppolas „Tetro“ gemeinsam, bei aller Unterschiedlichkeit, denn Resnais macht keine persönlich-emotionalen Filme, seine Herangehensweise ist eher abstrakt-intellektuell. Das ist niveauvolles, unterhaltsames Kino alter Schule, das jeden Respekt verdient, die Innovationen und ästhetischen Abenteuer finden inzwischen eben nur woanders statt, wie in diesem Jahr in Cannes besonders Lars von Trier und Quentin Tarantino gezeigt haben.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 06-05-09
Letzte Änderung: 24-05-09