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Geschichte auf ARTE

Monatliches Onlinemagazin mit Informationen zu den wichtigsten historischen Sendungen auf ARTE und mehr: Geschichte hinter den Geschichten

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Freitag, 2. November 2007 ab 22.10 Uhr - 02/11/07

Liebe zwischen Schwarz und Weiß

Liebesbeziehungen zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen gehören heute zum Alltag. Doch im 19. Jahrhundert waren Paare unterschiedlicher Hautfarbe eher eine Seltenheit. Der Themenabend erzählt die Geschichten zweier Liebespaare, die mit zahlreichen Vorurteilen zu kämpfen hatten.

Weitere Artikel zum Thema

Ein Themenabend von NDR / RBB (Deutschland, 124mn)

Freitag, 2. November 2007 um 22.10 Uhr
Wiederholungen :
06.11.2007 um 09:55
11.11.2007 um 17:30

Preußisches Liebesglück
(Deutschland, 2006, 58mn), RBB
Regie: Sönke el Bitar
Autor: Gorch Pieken, Sönke el Bitar
Produzent: dipol

Prinz Albrecht von Preußen bringt im Jahr 1843 einen kleinen nubischen Jungen von einer Ägyptenreise mit nach Deutschland. Der Sohn des Nubiers, Gustav Sabac el Cher, macht im preußischen Militär als Musikmeister Karriere. Und auch seine Kinder bleiben in Deutschland, selbst zur Zeit des Nationalsozialismus. Der Dokumentarfilm von Sönke el Bitar und Gorch Pieken geht der faszinierenden Saga einer deutschen Offiziersfamilie mit afrikanischen Wurzeln nach.

"Preußisches Liebesglück" heißt ein Gemälde im Deutschen Historischen Museum, das viele Besucher sofort in ihr Herz schließen. Dargestellt ist ein junger Mann in preußischer Uniform, der eine junge Frau zärtlich umfasst. Ein junges Liebespaar am Ende des 19. Jahrhunderts. Das Besondere: Der Rekrut der königlich-preußischen Armee ist schwarz.
Wie wird ein Mensch afrikanischer Herkunft im Jahr 1890 Musikmeister eines Grenadierregiments in Königsberg? Wie kommt seine Familie nach Deutschland und wie überleben seine Nachkommen die Zeit des Nationalsozialismus? Am Beginn steht die Reise des Prinzen Albrecht von Preußen 1843 nach Ägypten. Dort wird ihm ein kleiner nubischer Junge zum Geschenk gemacht. Der Prinz nimmt den schwarzen Jungen mit nach Deutschland. Der wächst im herrschaftlichen Schloss auf und avanciert zum Silberverwalter und ständigen Begleiter des Prinzen. Sein Sohn macht eine glänzende Karriere beim preußischen Militär und ist ein fest integriertes, hoch geachtetes Mitglied der wilhelminischen Gesellschaft. Sein Name ist Gustav Sabac el Cher, der Soldat auf dem Gemälde. Als echter Preuße und Offizier wird er Mitglied des reaktionären Frontkämpferverbandes Stahlhelm. Bei seiner Beerdigung 1934 liegen Kränze mit Hakenkreuzen auf dem Sarg, und der Kaiser persönlich schreibt aus dem Exil ein Kondolenztelegramm.

Auch die Söhne Gustav Sabac el Chers werden Musiker. In den wilden 20er Jahren spielen sie die neuen Hits aus Übersee. Nach 1933 wird es für sie zusehends schwerer. Nach den Nürnberger Gesetzen haben nur Menschen "deutschen oder artverwandten" Blutes die vollen Bürgerrechte. Die Anwendung dieser Gesetze auf Schwarze und vor allem "schwarze Mischlinge" ist jedoch in keiner Bestimmung geregelt. Die Brüder sind der Willkür der Ämter und den Anfeindungen der "Volksgenossen" ausgesetzt. Als der Krieg ausbricht, sind sie jedoch "deutsch genug", um Führer, Volk und Vaterland zu dienen. Und sie sind preußisch genug, um dies ohne Zweifel zu tun. Horst Sabac el Cher stirbt als Sanitätssoldat im Kaukasus, sein Bruder Herbert überlebt als Musiker bei der Organisation "Kraft durch Freude".

Herbert verdrängt seine außergewöhnliche Familiengeschichte. Für seinen Sohn Axel bleibt sie lange nur ein Märchen. Eine Gute-Nacht-Geschichte seiner Mutter von einem kleinen schwarzen Jungen aus Ägypten. Erst durch die Recherchen des Deutschen Historischen Museums zum Gemälde "Preußisches Liebesglück" erfährt Axel von der besonderen Vergangenheit seiner Familie.

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Freitag, 2. November 2007 um 23.15 Uhr
VPS : 23.15
Wiederholungen :
06.11.2007 um 10:55

Die Prinzessin von Sansibar
(Deutschland, 2007, 61mn), NDR
Regie: Tink Diaz
Produzent: Hamburg Josefine-Film

Im Jahr 1866 verliebt sich Sayida Salme, die Schwester des Sultans von Oman und Sansibar, in den jungen Hamburger Kaufmann Heinrich Ruete. Trotz aller kulturellen Unterschiede verlässt sie ihre Familie und zieht mit ihm nach Deutschland. Der Dokumentarfilm lässt sowohl die ostafrikanische Insel als auch das Deutschland des 19. Jahrhunderts wieder aufleben und erzählt auf beeindruckende Weise die dramatische Lebensgeschichte einer der ersten Musliminnen und Ausländerinnen in Deutschland und ihrer großen Liebe zu einem Deutschen.

Sansibar, 1866: Sayida Salme ist 22 Jahre alt, selbstbewusst und eigensinnig. Ihr Bruder, der Sultan von Oman und Sansibar, hat es aufgegeben, standesgemäße Ehekandidaten für sie zu finden. Salme will sich ihren Gatten selbst aussuchen. Sie entscheidet sich für Heinrich Ruete. Der junge Hamburger Kaufmann ist einer der ersten Europäer, der im Sultanat vor Ostafrika Handel treibt. Die beiden Frischverliebten wissen, dass Salmes Familie Heinrich niemals als Schwiegersohn akzeptieren wird, selbst wenn er zum Islam konvertierte. Als die Prinzessin schwanger wird, muss sie sich entscheiden: für Heinrich und das Kind oder für ihre Familie, Heimat und Religion. Salme zögert nicht und verlässt im August 1866 heimlich Sansibar. In Aden wartet sie auf Heinrich. Als sie sich wiedersehen, ist der gemeinsame Sohn bereits geboren.
Salme lässt sich auf den Namen Emily taufen und am selben Tag heiraten die jungen Eltern und brechen in Richtung Hamburg auf. Ihr Sohn überlebt die Strapazen der Reise nicht. In Hamburg lebt Salme zurückgezogen mit ihrem Mann und bekommt drei weitere Kinder. In der Hoffnung auf Versöhnung schreibt sie immer wieder an ihren Bruder. Doch der Sultan antwortet nicht. In Hamburg begegnet man Salme oft mit Herablassung und Skepsis, aber auch mit Neugier. Drei glückliche Jahre verlebt sie mit Heinrich, dann wird er von einer von Pferden gezogenen Straßenbahn getötet. Zum Zeitpunkt seines Todes ist Rosa, die jüngste Tochter, drei Monate alt.
Salme bleibt der Kinder wegen in Deutschland, fühlt sich jedoch Zeit ihres Lebens zwischen beiden Religionen und Kulturen hin- und hergerissen. Während ihre Kinder Deutsche werden, will sie den europäischen Fantasien und Vorurteilen gegenüber der arabischen Welt Informationen entgegensetzen. Ihre "Memoiren einer arabischen Prinzessin" werden ein großer Erfolg. Auch nach fast 150 Jahren wirken viele ihrer Beobachtungen der arabischen und europäischen Welt erstaunlich aktuell. 1885 schließlich erlebt die Prinzessin eine bittere Enttäuschung, aufgrund derer sie Deutschland verlässt: Sie wird von Reichskanzler Bismarck als Schachfigur in einem kolonialen Intrigenspiel benutzt. Es geht um deutsche Kolonialinteressen in Ostafrika. Es geht um Sansibar.

In ihrem Dokumentarfilm rekonstruiert Tink Diaz mit Hilfe zweier "Salme-Expertinnen" das Leben der Prinzessin von Sansibar. Zum einen ist es die Washingtoner Anwältin Andrea Stumpf, Urenkelin von Salmes jüngster Tochter Rosa. Andrea hat jedes Wort verschlungen, das Salme geschrieben hat, denn die hatte schon früh das Schreiben als Mittel gegen Heimweh entdeckt. Die zweite Expertin ist Sauda Barwani, Kisuaheli-Dozentin aus Sansibar. Sie ist profunde Kennerin der Schriften Salmes.

Erstellt: 26-10-07
Letzte Änderung: 02-11-07