Synopsis: Mit verschiedenen Männern hat die Putzfrau Cleusa vier Söhne in die Welt gesetzt. Nesthäkchen Reginaldo sucht verzweifelt seinen Vater, Dario träumt von einer Karriere als Fußballer, Dinho flüchtet sich in den Glauben und Denis, der bereits Vater ist, versucht, sich als Motorradkurier durchzuschlagen.
Im Gespräch mit Walter Salles und Daniela Thomas(Windows Media Video)
Kritik: Zwölf Jahre nach ihrem gemeinsamen Projekt „Foreign Land“ haben Walter Salles und Daniela Thomas einen weiteren Episodenfilm über das junge, von drastischen sozialen Veränderungen geprägte Brasilien gedreht: „Linha de Passe“. Die „Grenzlinie“, von der sie diesmal erzählen, bezieht sich auf ein Land, das geprägt ist von einer rasant anwachsende Arbeitslosen- und Verbrechensrate, in dem Religion und Fußball oft zu den einzigen Hoffnungsträgern für eine oft perspektivlose Jugend geworden sind; die deshalb manches Mal vor der Entscheidung steht, sich für oder gegen die Kriminalität zu entscheiden.
Die vier Brüder, von denen der Film erzählt, könnten unterschiedlicher nicht sein; nicht nur, was ihr Aussehen und ihre Hautfarbe, sondern auch, was ihren Charakter und ihre Interessen betrifft. Denn sie alle entstammen kurzen Affären ihrer Mutter mit unterschiedlichen Männern, die sich allesamt kurz nach der Geburt davongestohlen hatten. Diese Konstellation variiert ein Thema, dass bereits in den beiden früheren Filmen von Salles – „Foreign Land“ und „Central Station“ eine wichtige Rolle gespielt hat – die Abwesenheit des Vaters in der brasilianischen Gesellschaft.
So führt diese Leerstelle in der Familie zu einer dringlichen Notwendigkeit – dass die Söhne dessen Rolle und Funktionen übernehmen sollen. Doch angesichts des Spagats, die Mutter finanziell und moralisch unterstützen zu müssen und andererseits die eigene seelische Balance wieder zu finden bzw. das eigene Lebensziel nicht aus dem Augen verlieren zu wollen, ist jeder der vier Brüder für sich komplett überfordert. Youngster Reginaldo, weil die Suche nach dem Vater – einem Busfahrer – obsessive Züge annimmt, Dario, weil sein Traum, Fußballprofi zu werden, wegen seines Alters zu scheitern droht, Dinho weil sein fanatischer Glaube zum Lebensersatz geworden ist und der Älteste Denis, weil die Bürde, ein verantwortungsvoller Vater sein zu müssen, zu groß geworden ist. Auch die brüderliche Solidarität funktioniert bei soviel Seelenstress und Konkurrenz um die spärliche Aufmerksamkeit kaum mehr, obwohl sie den dringend benötigen Halt liefern könnte.Salles und Thomas haben vieles unternommen, um ihren fünf verwobenen Plots einen möglichst authentischen und glaubwürdigen Anstrich zu geben: intensives Fußballtraining für Vicinius de Oliveira – den mittlerweile fast erwachsenen Kinderhauptdarsteller aus „Central Station“ und Motorradcoaching für Joao Baldasserini sowie Einweisung in die religiösen Praktiken der Baptisten für José Geradlo Rodgriues –allesamt Schauspieler auf dem Sprung in die Professionalität. Vieles scheint im Film improvisiert, manchmal wähnt man sich gar in einem Dokumentarfilm. Was die Regie auch noch dadurch unterstrichen hat, dass sie dem Film über den Zeitraum fast eines ganzen Jahres spielen lässt und den einzelnen Kapiteln Monatsnamen voranstellt. Ganz aber geht ihre Rechnun g danndoch nicht auf: Salles/Thomas helfen zuweilen dramatisch etwas zu sehr nach – indem die Abfolge der Missgeschicke/Katastrophen für alle fünf Familienmitglieder allzu dicht aufeinander folgt und das an den Schluss des Films gestellte Motto – „Einfach immer weitergehen!“ dadurch leicht pathetisch überfrachtet ist.
Martin Rosefeldt







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Sao Paolo ist mit seinen 20 Millionen Einwohnern eine der chaotischsten Städte der Welt. Wie schwer es ist, im Dschungel der Großstadt zu überleben, davon erzählen Walter Salles und Daniela Thomas in « Linha de Passe ».
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