Kino auf ARTE - 05/08/10
Lions Love
Ein Film von Agnès Varda
Drei Schauspieler - Viva, Jim und Jerry - genießen Liebe, Leben und Lifestyle in L.A. Sie bewohnen eine typische Hollywood-Villa am Hang, schwelgen in Luxus und freier Liebe und kosten das Kommunenleben unter der kalifornischen Sonne restlos aus. Ihre Gemeinsamkeiten: Sie alle sind leidenschaftlich wie Raubtiere, haben das Haar eines Löwen, eine Vorliebe für das Fernsehen und den unbedingten Willen zum Erfolg - jedoch unter ihren jeweils eigenen Bedingungen ... Dieses Jahr wurde der Film in Cannes gezeigt. Bisher ist dieses seltene und einzigartige Werk von Agnès Varda nie im Fernsehen ausgestrahlt worden.
Eine avantgardistische Theaterszene, in der sich ein Paar gegenseitig beschimpft und demütigt. Nach der Vorstellung kommen Viva, Jim und Jerry nach Hause und beginnen eine Diskussion über Stars, Liebe und Sex. Im Swimmingpool machen sie eine Bestandsaufnahme ihrer stets ansteigenden Marktwerte und versichern sich gegenseitig ihrer unbändigen Liebe. Es folgen weitere Lustspiele. Viva, eine Diva des Undergroundkinos, und ihre beiden Schauspielerkollegen, Freunde, Liebhaber und Mitbewohner Jim und Jerry wollen in Hollywood groß herauskommen. Die Drei bewohnen eine luxuriöse Villa am Hang unter der ständig scheinenden Sonne Kaliforniens. Allesamt ausgestattet mit wilder Löwenmähne, leben und lieben sie nach ihren eigenen Vorstellungen und Regeln. Die meiste Zeit verbringt das Trio mit plaudern, schlafen und fernsehen. Insbesondere das TV-Gerät bildet eine zentrale Station innerhalb der Kommune, da es den Staranwärtern den einzigen Zugang und Kontakt zur Außenwelt ermöglicht: So setzen sie sich etwa mit dem Mord an Robert Kennedy und dem dadurch ausgelösten Schock in Amerika medial auseinander, während ihre beste Freundin mit ganz anderen Problemen real konfrontiert ist. Shirley Clarke, eine New Yorker Filmemacherin, kommt nach Los Angeles, um eine Dokumentation über die Kinometropole und das, was von ihr übriggeblieben ist, zu drehen. Es soll ihr erster "Hollywoodfilm" werden. Shirley kommt bei Viva und ihren zwei männlichen Mitbewohnern unter. Bald stellt sich heraus, dass ihre Produzenten Bedingungen stellen, mit denen die Regisseurin nicht einverstanden ist. Das ambitionierte Filmprojekt steht auf der Kippe. Völlig entmutigt und verzweifelt schluckt Shirley eine Überdosis Schlafmittel, an der sie beinahe stirbt. Jedoch gelingt es den Ärzten im Krankenhaus, ihr Leben zu retten. Shirley Clarke kehrt desillusioniert, ohne "Hollywoodfilm" nach New York zurück.
"Lions Love" reflektiert über die Filmbranche Hollywoods, über das Leben inmitten einer Scheinwelt und über die gesellschaftlich-politischen Probleme der 68er Jahre. Innerhalb des Films wird die Frage nach dem Mythos Hollywood aufgeworfen und schließlich festgestellt, dass es die legendäre Filmstadt in Wahrheit nicht mehr gibt. Sie existiert nur noch in der Vorstellung und allein in der von Nostalgie geprägten Erinnerung.
Regisseurin Agnès Varda, geboren 1928, drehte "Lions Love" innerhalb mehrerer Wochen mit den Schauspielern Susan Hoffman alias Viva - die Muse von Andy Warhol - James Rado alias Jim und Gerome Ragni alias Jerry, den Autoren und Urhebern des Erfolgsmusicals "Hair" sowie mit Undergroundregisseurin Shirley Clarke. Auch Jim Morrison und Andy Warhol persönlich nehmen eine Rolle in dem dokumentarisch anmutenden Spielfilm ein. Die Dialoge sind größtenteils spontan und zufällig entstanden.
Agnès Varda, in der Presse immer wieder als "Großmutter der Nouvelle Vague" bezeichnet, gilt als eine der Schlüsselfiguren des modernen, sozialkritischen und feministischen Films. Neben experimentellen Spielfilmen ("Cleo - Mittwoch zwischen 5 und 7", 1962) widmete sich die Ausnahmeregisseurin insbesondere in den 70er Jahren Dokumentarfilmen wie "Black Panthers" (1968), "Daguerreotypen" (1976), "Réponses de femmes: notre corps, notre sexe" (1975) und "Ulysse" (1982). Für die letzten beiden Filme erhielt sie jeweils einen César in der Kategorie "Bester dokumentarischer Kurzfilm". Außerdem beteiligte sich Varda 1967 neben Claude Lelouch, Jean-Luc Godard und Chris Marker an dem Dokuprojekt "Fern von Vietnam", der erste Film, der sich kritisch mit dem Vietnamkrieg auseinandersetzte.
Anlässlich der Übergabe des "Carrosse d'Or" 2010 an Agnès Varda bei der Eröffnungsfeier der "Quinzaine des Réalisateurs", wurde "Lions Love", ursprünglich mit dem Titelzusatz " " versehen, in diesem Jahr beim Filmfestival in Cannes gezeigt. Bisher ist dieses seltene und einzigartige Varda-Werk jedoch nie im Fernsehen ausgestrahlt worden. ARTE holt dieses Versäumnis nach und zeigt "Lions Love", ein intimes Zeugnis der Regisseurin über das amerikanische Künstlerleben der 68er sowie über das Ende der mythischen Hollywoodära.
Lions Love
Donnerstag 14. April 2011 um 00.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Usa, 1969, 108mn)
ARTE F
Erstellt: 05-08-10
Letzte Änderung: 05-08-10