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31/10/06

Lippenherpes

Mindestens 95% aller Menschen sind weltweit mit dem Virus infiziert, das den Lippenherpes auslöst. Es ist das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV1).

Dabei verläuft die Erstinfektion, die häufig bereits vor dem 6. Lebensjahr erfolgt, meist unbemerkt. Sie kann durch jede Art von Berührung mit den Herpesbläschen einer anderen Person stattfinden, z. B. durch Körperkontakt mit einem Elternteil, durch Küssen, Niesen oder durch Berühren eines Gegenstandes, den ein Herpesträger zuvor benutzt hat. Das Virus wandert dann in Nervenknoten des Gesichtsnervs ein, die sogenannten Ganglien des Trigeminusnervs. Dort schlummern sie lebenslang. Und sobald das Immunsystem des Betroffenen geschwächt ist, kann es zur Vermehrung der Viren und zur Infektion kommen.
Neben der Immunschwäche gibt es spezifische Auslöser für die Virusvermehrung und den Ausbruch der Erkrankung. Dazu zählen Hautreizungen wie Verbrennungen oder starke Sonnenbestrahlung, fiebrige Erkältungskrankheiten, psychische Faktoren wie Stress, Trauer, Ängste oder starke Ekelgefühle. Außerdem können Reizungen des Ganglions beispielsweise durch Entzündungen oder zahnärztliche Behandlung einen Lippenherpes auslösen.

Eine gefürchtete Variante des Lippenherpes ist eine Beteiligung des Auges, insbesondere der Hornhaut. Die Folge können Hornhautnarben und Hornhauttrübung sein und zu Sehstörungen bis hin zu Erblindung führen.



Diagnose
Die Diagnose kann durch den Allgemeinmediziner oder Dermatologen meist schon beim ersten Augenschein wegen der auffälligen Symptome gestellt werden. Die Erkrankung beginnt häufig mit Juckreiz und Spannungsgefühl in der Regel am ist der Lippenrand. Im Anschluss entstehen an derselben Stelle Bläschen auf geröteter Haut, die zu Krusten eintrocknen. Auch andere Stellen im Gesicht, beispielsweise Nase oder Wangen, können betroffen sein. Der direkte oder indirekte Virusnachweis kann über den Bläscheninhalt oder Gewebeproben (Biopsie) erfolgen.

Verlauf der Erkrankung
Die Herpes simplex-Erklankung verläuft in fünf Stadien:

  • 1. Stadium: Der Beginn einer Attacke kann ein paar Stunden bis zu einem Tag dauern. Der Lippenherpes ist noch nicht sichtbar, dafür aber deutlich zu spüren. Viele Betroffene bemerken ein Kribbeln, Brennen oder Spannen im Lippenbereich, verursacht durch die rasche Vermehrung der Viren. Typische Warnsignale bei Lippenherpes sind Spannungsgefühl, Taubheitsgefühl, Kribbeln, Jucken, Stechen, Brennen und mitunter eine Rötung der Haut an in den betroffenen Stellen.
  • 2. Stadium: Jetzt kommt es zur Bildung von schmerzenden und mit klarer Flüssigkeit gefüllten Bläschen, die Millionen von Herpesviren enthalten. In diesem Stadium ist die Ansteckungsgefahr ist am größten.
  • 3. Stadium: Auch dieses Stadium ist für die meisten Betroffenen extrem schmerzhaft. Die Wunde ist von einem typischen roten Entzündungsrand umgeben und die Bläschen platzen bei Berührungen leicht auf.
  • 4. Stadium: Bei einem Krankheitsverlauf ohne Komplikationen schließen sich die Herpesbläschen nach einigen Tagen von selbst und trocknen aus. Es bildet sich eine Kruste, unter der sich die neue Haut bildet. Allerdings platzt diese Kruste beim Reden oder Essen leicht auf, es kommt zu schmerzhaften und blutenden Rissen, welche allerdings keine Ansteckungsgefahr mehr in sich bergen.
  • 5. Stadium: Unbehandelt ist der Lippenherpes meist nach spätestens 14 Tagen abgeheilt.

Therapie
Die Behandlung richtet sich stark nach der Symptomatik und der Schwere der Erkrankung. Manche Infektionen sind auf ein sehr kleines Haut- oder Schleimhautareal begrenzt und bereiten auch nur mäßige Beschwerden. In diesem Fall kann die Herpes-Infektion häufig sogar unbehandelt bleiben. Um die Austrocknung der Bläschen zu beschleunigen und die betroffenen Hautpartien zu kühlen kann eine Zinktinktur aufgetragen werden.
Allerdings kann es auch zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion der betroffenen Stelle kommen. In einem solchen Fall sind gelegentlich Antibiotika und lokal desinfizierende Maßnahmen notwendig.
Als spezifisches Mittel gegen das Virus steht seit einigen Jahren der Wirkstoff Aciclovir zur Verfügung. Es wird in die Virus-DNA eingebaut und führt dort zu einem Strangabbruch, das Virus kann sich so nicht mehr weiter vermehren. Allerdings ist es nicht möglich, sämtliche im Körper befindlichen HSV1-Viren auszumerzen. Der Wirkstoff ist bei schweren Verläufen in Tablettenform oder als intravenöse Injektion verabreichbar. Lokal wirksam sind Salben, die den Wirkstoff enthalten und frühzeitig angewendet für einen leichteren und damit kürzeren Verlauf der Herpes-Attacke sorgen.

Vorbeugung
Eine Impfung gegen das Herpes-simplex-Virus 1 gibt es noch nicht. Darum ist es für Virusinfizierte besonders wichtig, ihre spezifischen Auslöser einer Attacke zu kennen und möglichst zu vermeiden. Meist bricht Lippenherpes aus, wenn das körpereigene Immunsystem geschwächt ist. Das kann sowohl bei Stress oder anderen psychischen Ausnahmesituationen der Fall sein, aber auch bei einer Erkältung oder einem starken Sonnenbrand. Wichtig ist es also, die eigenen Abwehrkräfte durch eine gesunde Ernährung und Bewegung an der frischen Luft zu stärken. Verzichten sie möglichst auf toxische Genussmittel wie Zigaretten oder Alkohol, sorgen Sie für wenig Stress und ausreichenden Schlaf. Im Urlaub sollte man besonders vorsichtig mit direkter Sonnenbestrahlung sein und die betroffenen Körperpartien versuchen abzudecken oder mit einem UV-Blocker eincremen.

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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 07. November 2006 um 14.00 Uhr
Wiederholung vom 25. Januar 2005
Redaktion: Heidemarie Petters
Koproduktion ZDF-ARTE G.E.I.E.

Erstellt: 10-02-05
Letzte Änderung: 31-10-06