- Brief an Leopold Senghor
Léopold Sédar Senghor war Staatsmann und Schriftsteller. Im Jahr 2006 jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal. Senghor war der erste Staatspräsident des Senegals, als das Land 1960 unabhängig wurde. Der senegalesische Filmemacher Samba Félix Ndiaye begab sich auf seine Spuren. In seinem Heimatdorf traf er Angehörige und ging den Einflüssen der Serere-Kultur auf Senghors Werk nach. Aus der Serere-Kultur heraus erklärt sich Senghors Vorliebe für das Zwiegespräch mit dem Unsichtbaren. Léopold Sédar Senghor prägte neben anderen Autoren den Begriff der Négritude. Er steht für den Kampf um die kulturelle Selbstbehauptung aller Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Die Philosophie der Négritude versucht, das durch den Kolonialismus geprägte Verhältnis der afrikanischen zur europäischen Kultur zu klären. Senghor plädiert dabei für eine Rückbesinnung auf die Werte der frühen afrikanischen Kultur. Samba Félix Ndiaye kritisierte den ehemaligen senegalesischen Präsidenten für seine maßlose Liebe zur französischen Sprache und wandte sich dagegen, dass er die Négritude zur Staatsdoktrin erstarren ließ. Doch Senghors Persönlichkeit lässt sich nicht auf diese Aspekte reduzieren. Der Regisseur versucht trotz seines zwiespältigen Verhältnisses zu Senghor ein umfassendes Bild zu entwerfen, in dem auch dessen Wurzeln und persönliche Geschichte berücksichtigt werden. Stärker noch als eine Biografie stellt die vorliegende Dokumentation die Beziehung zum Menschen Léopold Sédar Senghor her. Kraftvolle Aufnahmen von Orten und Landschaften prägen dieses Porträt, das den Dichter und Staatsmann beinahe vertraut erscheinen lässt.
Samstag 18. März um 14.55 Uhr
- Zwischen den Zeilen: Ahmadou Kourouma
Die Romane des 1927 in der Elfenbeinküste geborenen Ahmadou Kourouma zeichnen ein grausames Bild des afrikanischen Kontinents. In wilden Anklagen, die jedoch nie des Humors entbehren, beschrieb er absurde Kriege, größenwahnsinnige Diktatoren und das Schicksal der Kindersoldaten. Seine vier Romane, darunter "Allah muss nicht gerecht sein" und "Die Nächte des großen Jägers" erhielten bedeutende Preise. Seine auf Französisch geschriebenen Werke sind Klassiker der afrikanischen Literatur. Ahmadou Kourouma starb im Dezember 2003 im Alter von 76 Jahren in Paris. Diese Dokumentation widmet sich seinem Leben und Werk.- Schreiben in der Sprache des anderen: Die Übersetzerin Regina Keil-Sagawe stellt frankophone Autoren des Maghreb vor.
Samstag 18. März um 15.30 Uhr
- Kontinent K: Agota Kristof, Schriftstellerin aus Europa
Ein Film in Form einer Reise: Eine Frau fährt zurück in das Land ihrer Kindheit, dorthin, wo sie den Zweiten Weltkrieg erlebt hat, später das totalitäre kommunistische System. Sie fährt in jenes Ungarn, aus dem sie 1956 in die "freie" Schweiz geflohen ist. Die Frau ist Schriftstellerin, und auf ihrer Reise begegnen ihr Figuren aus ihren Romanen. Ihr männlicher Begleiter entpuppt sich als ihre literarische Identität, ihr "Alter ego". Wer ist wer, wo endet die "wahre Geschichte", und wo beginnt die Fiktion? In Agota Kristofs Romanen gibt es keine Ortsangaben, keine Jahreszahlen.
Und doch sind ihre Themen jene dieses Jahrhunderts: Krieg, Diktatur, Unterdrückung, Flucht. Aber von einer Schriftstellerin, die ihr drittes Buch "Die dritte Lüge" nennt, darf man keine lineare Erzählung erwarten. Auch der Film kann sie nicht bieten. In "Kontinent K." reist Agota Kristof zurück nach Köszeg, in die Stadt ihrer Jugend. Dort begegnet sie Menschen, die ihr noch heute teuer sind und die inzwischen auch zu Figuren in ihren literarischen Werken geworden sind. Bei ihrer ersten öffentlichen Lesung in Ungarn erinnert sich Agota Kristof an die kleine Agota, die sie einmal war und fragt sich, was aus dem verlorenen Kinderglück geworden ist. "Gestern habe ich unerwartet und ohne Grund einen Augenblick des Glücks erlebt. Ich habe es wieder erkannt. Es war das Glück aus einer sehr fernen Zeit, als das Kind und ich noch eins waren", schreibt sie in ihrem Roman "Gestern".Agota Kristof, geboren am 30. Oktober 1935 in Ungarn, flüchtete 1956 aus ihrem Heimatland in die Schweiz. Dort fand sie Arbeit und lernte Französisch, die Sprache, in der sie heute ihre Bücher schreibt. Ihre Werke sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden. Sie lebt und arbeitet heute in Neuchâtel.
Samstag 18. März ab 16.30 Uhr
- Niederländische Literatur
Seit mehr als zehn Jahren erreichen die literarisch interessierte Öffentlichkeit erstaunliche Nachrichten aus den Niederlanden. In einer Sprache, die nur 20 Millionen Menschen beherrschen, ist Weltliteratur entstanden, eine weltoffene, kosmopolitische Prosa, die inzwischen in viele Sprachen übersetzt wurde und Leser wie Kritiker gleichermaßen überraschte und fesselte durch faszinierende Geschichten und beeindruckende formale Strukturen. Die beiden Dokumentationen stellen einige herausragende Autoren und zwei Themenbereiche vor, die sich wie rote Fäden durch die zeitgenössische Literatur der Niederlande ziehen.
Hier ein paar Literaturtipps aus den NiederlandenSamstag 18. März um 16.30 Uhr
Die Gegenwart der Vergangenheit
Die Dokumentation beschäftigt sich mit Autoren, deren Romanfiguren mit den Prägungen und Verletzungen durch die Zeit des Nationalsozialismus zu tun haben, die bis heute in der niederländischen Gesellschaft nachwirken. Die Folgen der Okkupation durch Nazi-Deutschland von 1940 - 1945, die Frage nach Schuld und Kollaboration, nach Sühne und Versöhnung wurden zum Thema zahlreicher Romane. Mit den Auswirkungen der Inhaftierung in Konzentrationslagern setzen sich auch junge Autoren auseinander, die Kinder der Opfer.
Im Mittelpunkt der Dokumentation steht das Autoren-Ehepaar Leon de Winter und Jessica Durlacher. Sie werden in ihrem familiären Umfeld vorgestellt. Gespräche vertiefen die Beschäftigung mit einigen der wichtigsten Romane der beiden Autoren. Auch Harry Mulischs 13. Roman "Siegfried" handelt vom Dritten Reich. Marcel Mörings "In Babylon" ist eine groß angelegte jüdische Familiensaga. Tessa de Loos "Der gemalte Himmel" greift ein Thema auf, zu dem sie starke biografische Bezüge hat, das Schicksal von Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs untertauchen mussten.
Mehr zu Jessica Durlacher:Kann man ein neues Leben beginnen nach einer Kindheit in Auschwitz? Was löst das Schweigen der Eltern über die Zeit im KZ bei ihren Kindern aus?
Gedanken der holländischen Schriftstellerin Jessica Durlacher
Bericht ihrer Mutter Anneke, Ehefrau des Soziologen und Auschwitz- Überlebenden Gerhard DurlacherSamstag 18. März um 17.35 Uhr
- Schatten der verlorenen Macht
Im Mittelpunkt der zweiten Dokumentation steht die Auseinandersetzung mit einem anderen Erbe der Vergangenheit, der niederländischen Kolonialgeschichte, unter deren Einfluss die Gesellschaft bis heute steht. Auch zahlreiche jüngere Autoren beziehen ihre Themen aus diesem Teil der Geschichte ihres Landes: Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das heutige Indonesien eine niederländische Kolonie. Nicht nur die holländischen Teebarone und Kautschukpflanzer mussten das Inselreich verlassen, sondern auch eine den Kolonialherren treu ergebene Bevölkerungsgruppe: die Molukker.
Neben den Bewohnern anderer Kolonien kamen sie ins Mutterland, sind Teil der niederländischen Gesellschaft, deren multikulturelle Prägung auch zu Problemen führt. Die Molukker erleben sich als sozial diskriminiert. Ihre beispiellose Geiselnahme eines Zuges 1977 ist das Thema eines Romans des 1964 geborenen Autors Jaap Scholten. In "Morgenstern" verknüpft er die Ereignisse mit der persönlichen Geschichte einer Identitätssuche. Dieser Roman bildet den Schwerpunkt der Dokumentation. Eine groß angelegte Familiensaga aus dem Java des 19. Jahrhunderts hat die 1918 in Batavia geborene Schriftstellerin Hella S. Haasse vorgelegt. Sie hat für "Die Teebarone" Briefe ausgewertet, Dokumente gesichtet, politische Diskussionen und soziale Einordnungen berücksichtigt. Die Dokumentation stellt den Roman als Fundgrube dar für alle, die sich für das Leben in den niederländischen Kolonien im vorletzten Jahrhundert interessieren.






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