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Berlinale 2009

Verfolgen Sie vom 05. bis 15. Februar mit ARTE und arte.tv das Tagesgeschehen eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt.

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Berlinale 2009 - Offizieller Wettbewerb - 15/02/09

London River

Ein Film von Rachid Bouchareb


Rachid Boucharebs Drama «London River » erzählt von zwei Angehörigen, die sich nach den Londoner Terror-Anschlägen im Juli 2005 auf die Suche nach ihren vermissten Kindern begeben. Eine ARTE-Koproduktion

  • Interview mit Rachid Bouchareb (auf Französisch)
  • Interview mit Brenda Blethyn
  • Trailer von "London River"

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Synopsis: Elisabeth (Brenda Blethyn) lebt auf der Kanalinsel Guernesey ein beschauliches Landleben, bis ihre Tochter nach den Terroranschlägen von London am 7. Juli 2005 spurlos verschwindet. Sie begibt sich auf die Suche nach der Vermissten, während aus Frankreich der Schwarzafrikaner Ousmane ebenfalls nach London kommt, um seinen verschollenen Sohn zu suchen.

Kritik: Der Algerienfranzose Rachid Bouchareb ist spätestens seit „Little Senegal“ als filmischer Mittler zwischen Kulturen, Rassen und Religionen international bekannt. In „London River“ nun stehen mit den Anschlägen auf den Londoner Nahverkehr im Juli 2005 die Vorzeichen für die Möglichkeit einer solchen Verständigung besonders schlecht. 56 unschuldige Menschen rissen die pakistanischen, in England aufgewachsenen Attentäter damals in den Tod, was die Ressentiments zwischen Muslimen und Christen im eigenen Land weiter verschärfte.

London River
Ein Film von Rachid Bouchareb
(Großbritannien/Frankreich, 2009, 87’)
avec: Brenda Blethyn, Sotigui Kouyaté
Wettbewerb
In der Tat könnte die Kluft zwischen der protestantischen Witwe Elisabeth – ihr Mann war im Falklandkrieg gefallen – und dem aus Schwarzafrika stammenden und in Frankreich als Schützer der aussterbenden Ulmen-Baumart (sic!) arbeitenden Muslim Ousmane kaum größer sein. Während Elisabeth den Draht zu ihrer in London lebenden Tochter nie verloren hat, hat Ousmane, um in Europa Geld zu verdienen, seine Familie und seinen Sohn früh verlassen, so dass er ein Fremder geworden ist, dem rein theoretisch auch ein Terroranschlag zuzutrauen ist. Nun suchen beide nach ihren seit den Anschlägen vermissten Kindern. Klar, dass sie bald aufeinander treffen und von Elisabeths Seite inmitten der muslimischen Neighbourhood, in der ihre Tochter gewohnt hat, erst einmal alle Vorurteile und Ängste auf den Tisch kommen, die man als von den Fernsehnachrichten gesteuerter Insel-Pomeranze halt im Kopf wälzt.

So kontrastiert Bouchareb das Melodram der schrecklichen Ungewissenheit über das Schickal der Kinder mit Komik, die entsteht, wenn die Vorurteile, das Unwissen gegenüber dem Unbekannten groteske Züge angenommen haben. Die großen Gefühle wollen sich dennoch nicht so recht einstellen. Dazu läuft der Annäherungsprozess zu rund, sind Milieu und Hintergründe der aufeinander prallenden Milieus und Kulturen zu unpräzise skizziert . Eher erhärtet sich der Verdacht, dass Metaphorik und Dramaturgie dieses kulturübergreifenden Rührstücks um den Sieg der Völkerverständigung über den Hass oft weniger der Realität, als dem Bedürfnis nach einer besseren Welt entspringen.

Martin Rosefeldt

Erstellt: 30-01-09
Letzte Änderung: 15-02-09